Tolle Kooperation

Gelebte Inklusion in Lindenberg

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Zweitklässler der Grundschule und Lehrerin Carola Fuchs (stehend) musizieren gemeinsam mit der Werkstattband der Lebenshilfe; rechts außen sitzt Musiklehrer Otto Kondzialka.

Lindenberg – Im Klassenzimmer geht es rund und alle haben einen Riesenspaß. Die Werkstattband der Lebenshilfe und die Zweitklässler der Lindenberger Grundschule musizieren gemeinsam. Sie fahren mit „Paule Puhmanns Paddelboot“ um die Welt.

Mittendrin sitzt Musiklehrer Otto Kondzialka, Fachsprecher für Menschen mit Behinderung im Bayrischen Landesverband der Musikschulen und begleitet mit der Gitarre das musikalische Schauspiel.

„Die Kombination Werkstattband und Schulkinder war ein Zufallsprodukt“, erzählt Otto Kondzialka. „Wir teilen uns die Räumlichkeiten und die Kinder waren neugierig, wer da jede Woche kommt und musiziert.“ Erst gab es ein paar Berührungsängste, die aber schnell vergessen waren. Jetzt heißt das gemeinsame Ziel: Musik machen und Spaß haben.

„Die Forderung nach sozialer Inklusion ist verwirklicht, wenn jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben oder teilzunehmen.“ (Definition lt. Wikipedia) Was hier so theoretisch klingt, wird in Lindenberg praktiziert: „Jeder darf bleiben, wie er ist. Nicht der Mensch wird verändert, sondern die Lebenswelt wird umgestaltet“, erklärt der Musiklehrer. „Die Idee, dass alle einen Platz in der Gesellschaft haben und niemand mehr am Rande steht, treibt mich an, ist meine persönliche Motivation, mich zu engagieren.“ Jeder könne etwas dafür tun, dass sein Umfeld humaner werde.

"Konstruierte Inklusion"

Eine „hürdenlose Gesellschaft“ fängt damit an, geeignete Räumlichkeiten zu gestalten, rollstuhlgerechte Gebäude zu bauen, Theater und Kulturveranstaltungen jedem zugänglich zu machen oder eben eine Tischharfe zu konstruieren, auf der Menschen mit Behinderung spielen können. „Das ist sozusagen konstruierte Inklusion“, freut sich Kondzialka, der genau dieses Instrument für die Werkstattband entwickelt hat. Seit zehn Jahren bereits musiziert die Gruppe mit Tischharfe, Gitarre, Xylophon und Rhythmusinstrumenten und hat in Lindenberg inzwischen bereits einen großen Bekanntheitsgrad. Sie spielen Lieder von den Beatles, von Bob Dylan. „Wichtig ist der Erfolg. Musik darf kein negatives Erlebnis sein, weil die Stücke vielleicht zu schwer sind.“ Für die Zweitklässler steht seit diesem Schuljahr alle zwei Wochen die Unterrichtseinheit „Musik mit der Werkstattband“ auf dem Stundenplan. Begonnen wird mit einem gemeinsamen Rhythmus, damit alle in der Bewegung auf die „Eins“ kommen.

Das Gelächter ist groß, als das „Rap Huhn“ auf dem Bauernhof die anderen Tiere nervt. Der Takt jedoch wird fleißig mitgeklopft, es wird geklatscht oder geschnippst. „Normalerweise spielt die Band keine Kinderlieder“, schmunzelt Otto Kondzialka, „doch für die Kleinen wird schon mal eine Ausnahme gemacht.“ Und die wissen es zu schätzen, denn der Spaß steht in dieser Musikstunde im Vordergrund.

Auch bei „Paule Puhmanns Paddelboot“. Der Gitarrenlehrer gibt den Takt vor, spielt die Begleitung und tippt mit dem Fuß auf die groß auf dem Boden ausgelegten Zettel, auf denen die anzuschlagenden Akkorde vermerkt sind. Am Ende gelingt das Lied hervorragend. Die musikalische und rhythmische Begleitung passt und die Kinder singen lautstark mit – ein Stück geglückter Inklusion.   zita/cut

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