"Immer konzentriert und zielorientiert"

Werner Greschner geht nach 31 Jahren an der Technikerschule Allgäu in den Ruhestand

Studiendirektor a.D. Werner Greschner (2.v.l.) freut sich bei seiner Verabschiedung mit den Festrednern Landrat Anton Klotz (l.), Richard Geßwein, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Technikerschule (2.v.r.), und Oberbürgermeister Thomas Kiechle (r.) auf seinen neuen Lebensabschnitt.

Kempten – Mit den Worten „Was für eine Symbolik“ schloss Studiendirektor Werner Greschner a.D., der langjährige Leiter der Technikerschule Allgäu (tsa) am Dienstag bei seiner offiziellen Verabschiedung.

Am Montag, 10. September, dem ersten Schultag nach den Sommerferien, sollten seine ehemaligen Kollegen um 8 Uhr zur Anfangskonferenz in der Schule zusammenkommen. Exakt um 6.59 Uhr, zu der Zeit habe er immer das Haus verlassen, sei seine Armbanduhr stehen geblieben. Und auch nicht mehr zu reparieren gewesen.

Werner Greschner betonte in seiner Abschiedsrede, dass nach 31 Jahren an der Technikerschule für ihn ein erfüllter Abschnitt zu Ende gegangen sei, in dem er seinen Beruf als Ingenieur und Lehrer leben durfte. Das Positive habe in all der Zeit das Negative überwogen und als vorausschauend denkender Mensch trauere er der Zeit nicht nach, sondern freue sich auf die neue Lebensphase.

Dass er die Schule zu dem machen konnte, was sie heute ist, habe er nicht zuletzt vielen Mitstreitern zu verdanken. Er dankt hier ganz besonders seinen ehemaligen MitarbeiterInnen, allesamt „gestandene Ingenieure und Akademiker“, die sich voll mit ihrer Tätigkeit identifizieren. Es seien ausnahmslos Fachleute, die sich gerne in neue Technologien einarbeiten, um stets up to date zu sein. Schließlich seien die Unterrichtsinhalte hoch innovativ. Oft würden den Schülern Technologien vermittelt, über deren Einführung in den Unternehmen noch diskutiert würde.

Ohne die Unterstützung der über 60 regionalen Unternehmen, die sich im Verein zur Förderung der Technikerschule zusammengeschlossen haben, „wäre meine Tätigkeit sicher nicht so erfolgreich gewesen“, so Greschner. Als Geldgeber habe seit den 1980er-Jahren der Zweckverband Berufliches Schulzentrum als Schulträger die finanzielle Hauptlast zu stemmen gehabt. An dieser Stelle wandte sich der scheidende Schulleiter an seinen ehemaligen Dienstherrn Landrat Anton Klotz. Der sehe zwar auch die Kosten, habe aber stets eine „positive Einstellung zu meiner, zu unserer Arbeit“ gehabt. Klotz brachte stets zum Ausdruck, dass die Gelder in Bildung gut und nachhaltig angelegt seien.

Seinen Dank richtet Greschner auch an seinen Nachfolger, Michael Renner, der 17 Jahre lang „mit mir auf gleicher Wellenlänge die Technikerschule geleitet hat, mich auch manchmal aushalten musste“. Ihm wünscht er viele innovative Ideen, um die Schule weiter voranzubringen, damit sie auch in Zukunft der Wirtschaft die besten TechnikerInnen des Allgäus anbieten könne. Vor allem wünscht er Renner „ein dickes Fell und viele Argumente“, die Selbstständigkeit der tsa zu bewahren.

Gerade die Eigenständigkeit der Schule war für Greschner ein wesentlicher Baustein seiner Arbeit. Sie ermöglichte ihm, sich voll auf die Aus- und Weiterbildung junger, hochmotivierter Erwachsener zu konzentrieren. Dabei hatte er immer den Anspruch vor Augen, den regionalen Unternehmen Staatlich geprüfte TechnikerInnen zur Verfügung zu stellen, die neben vielen anderen Aufgaben auch Ingenieursaufgaben übernehmen können, ohne aber den Ingenieur zu ersetzen. Was den besonderen Charme seiner Tätigkeit ausgemacht habe, sei auch der Tatsache geschuldet, dass an der tsa kein anonymer Hochschulbetrieb herrsche und junge Menschen auf die Berufstätigkeit vorbereitet werden, die weder Schüler noch Studenten seien. Sie haben eine Erstausbildung, waren teils schon im Ausland oder haben bereits Verantwortung in der Familie übernommen.

Und damit erinnert er sich an die Worte des Schulleiters Hans Baumberger, der ihm damals bei seiner Anstellung mit auf den Weg gab: „Für einen Lehrer gibt es keine bessere Tätigkeit als die, mit jungen motivierten Erwachsenen an einer Technikerschule zu arbeiten. Und der schönste Job, den man im Allgäu als Lehrer haben kann, ist der des Leiters der Technikerschule Allgäu.“ Greschner schmunzelt: „Es war mir vergonnt, diese Schule 17 Jahre lang zu leiten.“

Michael Renner, Greschners Nachfolger, würdigte den scheidenden Schulleiter als einen Kollegen, der stets einen freundlichen und offenen Dialog sowohl mit Lehrern als auch mit Schülern führte. Er habe konzentriert und zielorientiert agiert und dabei immer den Bildungsauftrag und die damit verbundene hohe Qualität einer Technikerausbildung vor Augen gehabt. „Diesen Qualitätsanspruch hast du immer eingefordert“, wandte er sich direkt an seinen Vorgänger. Von Haus aus Elektroingenieur, seien Greschners Entscheidungen nie „elektrotechnisch-lastig“ gewesen. Er habe allen drei Fachrichtungen – Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauwesen – seine Wertschätzung entgegengebracht, sich nie als autoritären Big Boss, sondern als Teammanager gesehen.

Eine Sache habe Greschner zuweilen doch die Ruhe geraubt. Nämlich dass mit jedem scheidenden Teammitglied Ersatz gesucht werden musste. Dabei standen und stehen die Vorgaben fest: Der Ersatz müsse fachlich und menschlich kompetent sein. Trotz der kursierenden Nachrichten, dass „im beruflichen Schulwesen in den kommenden elf Jahren etwa 60.000 Lehrer benötigt“ würden, zeigt sich Renner zuversichtlich. Um die Qualität der Schule und der Ausbildung sicherzustellen, werde man auch in Zukunft kompetente und qualifizierte Kräfte fürs Team gewinnen können.

Landrat Anton Klotz überbrachte als Vorsitzender des Zweckverbandes Berufliches Schulzentrum als auch vom Landkreis Oberallgäu und namens der Stadt Kempten den Dank für das, was Greschner in den Jahren als Schulleiter geleistet hat. Er habe die Technikerschule geprägt und „zu einer guten Marke gemacht, die deutlich über das Allgäu hinaus einen sehr guten Ruf genießt.“ Es habe sich herumgesprochen, dass Absolventen der Schule beste Karten in der Tasche haben. Die Vermittlung von soliden Grundlagen und Spezialwissen gleichermaßen trügen zum hohen Niveau und nicht zuletzt zum guten Renommee der tsa bei. Dem Fach- und Führungskräftemangel entgegenzuwirken sei unbedingtes Ziel und mit der hohen Qualität der tsa-Allrounder die mittelständischen Unternehmen, vor allem auch in der Region, voranzubringen.

Als Vertreter der regionalen Wirtschaft und gleichzeitig Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Technikerschule Allgäu sprach Richard Geßwein. Er dankte Greschner ausdrücklich für den „unermüdlichen Einsatz“. In diesen 17 Jahren habe er weit mehr als 1000 Schüler auf deren Weg zum/r Staatlich geprüften TechnikerIn begleitet, sie gefordert und geformt. Ganz „nebenbei“ habe er selbst als Lehrer agiert und sich um Finanzierung des laufenden Betriebs und darüber hinaus um Förderer bemüht. Rückblickend erläutert Geßwein, dass der Förderverein 2001, als Greschner die Schulleitung übernommen hatte, 30 Mitglieder stark war. Heute zähle er rund 60 Mitglieder. Als eines der letzten Highlights in Greschners Karriere nennt Geßwein die Kooperationen mit der TU in Clausthal, der Hochschule Aalen, der Universität Wrexham in Wales und der Hochschule in Kempten.

Und Geßwein spricht über Visionen. Schon 1997 habe das damalige Vorstandsmitglied Dr. Karl Schwiegelshohn die Vision gewagt, dass Softwaregenerierung bald eine große „Bedeutung für die berufliche Zukunft der Techniker“ haben werde. Schwiegelshohns Vision ging auf. 2017 brachte der Förderverein zusammen mit der Schulleitung das Projekt Digitalisierung und Industrie 4.0 in trockene Tücher. Der Zweckverband Berufliches Schulzentrum Kempten habe diese Initiative finanziell unterstützt. Großer Dank gebühre Greschner, der zusammen mit seinem Stellvertreter Michael Renner – der nun als Schulleiter die Geschicke der tsa verantwortet – „diesen Weg in die Zukunft mitgestaltet hat“. 

Susanne Duschek

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