"Leistungsbilanz" Fürstäbte

Wertvolle Handschrift zur Stadtgeschichte erworben

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Familien- und Herrschaftswappen des Fürstabtes Sebastian von Breitenstein (Regierung 1523-1534), unter dem es 1525 im „Großen Kauf“ zur Ablösung der letzten Rechte des Abtes in der Reichsstadt kam, die dadurch endgültig frei wurde.

Kempten – Die Stadt ist um ein historisches Prachtexemplar reicher. Aus dem Etat der Museen konnte ein Handschriftenband angekauft werden, der ein bedeutendes Dokument für die Stifts- und Stadtgeschichte ist.

Den im April 1823 fertiggestellten sogenannten Fürstenspiegel hatte sich die bayerische Stadt Kempten als Auftraggeberin seinerzeit einiges kosten lassen, wie die Historikerin Birgit Kata vom Stadtarchiv im Kulturausschuss vorstellte. Für knapp 10.000 Euro konnte das Werk nun an seinen Entstehungsort zurückkehren. 

Laut Kata hätte der Vorbesitzer deutlich mehr erzielen können, aber ihm sei es ein Anliegen gewesen, dass der Fürstenspiegel wieder nach Kempten komme. 

Der großformatige Band enthält 78 farbige Illustrationen des Immenstädter Malers Johann Michael Zillenbiller, mehrere Texte zur Geschichte des Fürststifts und ein Verzeichnis alle Äbte zwischen 752 und 1802 – erfundene und reale. Beispielsweise taucht darin ein Conrad Dorn von Kalbsangst auf, der allerdings wie manch anderer frei erfunden wurde, um eine zeitliche Lücke zu füllen. 

Jedem der Kapitel ist das aufwändig gemalte Wappen des jeweiligen Abtes vorangestellt. Am Ende des Textes sind die Zahlungen an den Maler und den Schreiber quittiert. 

„Die Auswertung der Handschrift wird einige neue Erkenntnisse bringen“, betonte Kata, beispielsweise durch Textvergleiche mit den anderen Abtslisten, Analysen der Wappen und der Wasserzeichen der verwendeten Papiere. Letztere „stammen von verschiedenen Chargen“ aus rund zehn Papiermühlen. 

Der aus dem Jahr 1761 stammende Haupttext des Fürstenspiegels sei vom Stiftsherrn Bernhard von Buseck, genannt Brandt, im Auftrag von Fürstabt Honorius von Schreckenstein (1726-1785, reg. ab 1760) zusammengestellt worden. 

Um den Lesern den Überblick über die Leistungen der einzelnen Fürstäbte zu erleichtern, habe Buseck, dessen Vorlagen bis ins späte Mittelalter zurückreichten, Daten aus der Reichsgeschichte oder der Ordensgeschichte eingefügt. 

Einen besonders ausführlichen Abschnitt ist dem letzten Fürstabt Castolus Reichlin von Meldegg (reg. 1793– 1803) gewidmet, da darin auch der Übergang an Bayern geschildert wird. Er ist in der Handschrift mit einem eingeklebten Portraitkupferstich vertreten. 

Der Fürstabtspiegel ergänzt die Liste der Neuerwerbungen, die vor allem von den Freunden Kemptener Museen (fkm) in den letzten Jahren zur Stifts- und Stadtgeschichte zugunsten der Stadt erworben wurden.

Christine Tröger

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