Wichtige Prinzipien

546 Absolventen haben heuer ihren Abschluss an der Hochschule gemacht und damit für ein Novum gesorgt: Erstmals musste der Hochschultag am vergangenen Freitag zum zweiten Mal in Folge in der bigBOX stattfinden, anstatt wie jedes Jahr an einem anderen Austragungsort in der Region. „Die bigBOX ist die einzige Halle, die noch groß genug ist“, erklärte Präsident Prof. Dr. Robert E. Schmidt vor dem Hintergrund stetig steigender Studentenzahlen und 1500 gekommenen Gästen. Als Festredner hatte die Hochschule einmal mehr einen namhaften Gast aus der Wirtschaft gewinnen können – Thomas Enders, Präsident und Chief Executive Officer (CEO) von Airbus SAS.

Präsident Schmidt begrüßte den Gast aus Toulouse als einen „der profiliertesten und renommiertesten Vertreter der internationalen Wirtschaft.“ Enders setzte damit eine lange Tradition der Hochschule fort, denn in den Jahren zuvor hatten unter anderem bereits Rolf Breuer von der Deutschen Bank, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking oder Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zu den Kemptener Absolventen gesprochen. „Nachhaltige Werte schaffen – Prinzipien für erfolgreiche Führungskräfte“ hatte Enders seinen Vortrag genannt. Kernpunkt waren einige fundamentale Prinzipien, die sich junge Führungskräfte seiner Meinung nach aneignen sollten. Es seien weniger die materiellen Werte, die über ein glückliches Berufsleben entscheiden würden, ermahnte Enders die Absolventen. „Es geht darum, nachhaltige Werte zu schaffen“, betonte er vor dem Hintergrund der Finanzkrise. „Wir sehen gerade, was passiert, wenn nicht nachhaltiges Arbeiten sondern kurzfristiger Profit im Vordergrund stehen“, sagte er. „Nachhaltigkeit muss wieder in den Vordergrund rücken“, appellierte er an die Anwesenden. Charakter und Willensstärke Um diese Forderung im Job umsetzen zu können, müssen die Kemptener Absolventen jedoch zunächst in Führungspositionen kommen. Welche Vorausetzungen man dafür außer einen guten Ausbildung benötige, daran ließ der Airbus-Chef keine Zweifel. „In erster Linie kommt es auf Charakterstärke und Prinzipien an“, betonte er. „Ein guter Manager braucht Prinzipien, um sich zu orientieren.“ Gerade Prinzipientreue brauche man, wenn es einmal nicht so rundlaufe. Bestes Beispiel sei Airbus selbst, das seit zwei Jahren in der Krise steckt. „Aber Erfolg braucht Zeit – nicht nur in der Luft- und Raumfahrt“, mahnte Enders. Das wichtigste Prinzip sei: „Praktiziere Führung durch Charakter, Mut und Willensstärke“, so Enders in Anlehnung an die Memoiren des amerikanischen Fallschirmjäger-Offiziers Richard Winters. Das zweite Prinzip sei „lead From the front“, also von vorne zu führen, „da, wo es brennt“, so Enders. Die Bedeutung dieses Prinzips habe er im Zusammenhang mit dem Airbus A380 selbst erfahren. „Keine Führungskraft darf sich vor Verantwortung drücken“, appellierte er. Ein weiterer wichtiger Grundpfeiler sei die Fähigkeit zur Teamarbeit. „Ein guter Manager muss seine Leute kennen und fair sein.“ Delegieren gehöre ebenfalls zum Rüstzeug einer erfolgreichen Führungskraft. „Wenn du gute Leute hast – lass sie machen“, gab er den Studenten mit auf den Weg. In gleichem Maße gelte es, Herausforderungen zu antizipieren und sich selbst in Bescheidenheit zu üben. „Macht und Autorität dürfen einem nicht zu Kopfe steigen“, warnte Enders. „Man darf nie den Respekt vor seinen Mitarbeitern verlieren.“ Eine kritische Selbstreflexion sei deshalb genauso wichtig wie die Fähigkeit, niemals aufzugeben. Als Beispiel nannte er den Kampf um einen Milliarden-Auftrag des US-Militärs. Zunächst habe Hauptkonkurrent Boeing den Zuschlag erhalten, dann EADS bzw. Airbus. „Aber wie gewonnen, so zerronnen“, erklärte Enders. Mittlerweile habe das US-Militär den Auftrag bei EADS wieder storniert und neu ausgeschrieben – eine Entscheidung fällt wohl erst im kommenden Jahr. Airbus wolle trotzdem am Ball bleiben. „Nie aufgeben, so lange es noch eine Möglichkeit gibt“, beschrieb Enders diese Haltung. Eine weitere Grundvoraussetzung, die eine Führungskraft mitbringen müsse, sei die körperliche Fitness. „Man muss ab und an den Kopf frei bekommen“, so Enders’ Rat an die Studenten. Außerdem gab er ihnen noch einen weiteren wichtigen Tip mit auf den Weg ins Berufsleben: „Machen Sie etwas, was Ihnen Spaß macht – denn dann sind Sie auch gut.“

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