"Wie sieht die Realität aus?"

„Milchmarktkrise – Von Kopf bis Fuß auf Illusionen eingestellt?“ Wie sieht die Realität wirklich aus? Antworten auf diese Frage, als Thema der Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft ( AGL ) der CSU formuliert, erhofften sich die zahlreichen Besucher vergangene Woche in der Festhalle Dietmannsried.

Als Karl-Dieter Specht, ehemaliger Milchbauer und Bürgermeister seiner Heimatgemeinde in Schleswig Holstein, zum Ende seiner Ausführungen kam, herrschte erst mal Stille. Was man da gehört, trotz fremden Dialekt meist verstanden und teilweise sogar auf kleingedruckten Overheadfolien lesen konnte, würde man als Katholik so umschreiben: Das Totenglöckchen der Allgäuer Milchviehhalter läutet noch nicht, aber in der Sakristei richtet der Mesner schon mal alles für die letzte Ölung her. Specht beleuchtete die Situation auf nationaler Ebene, in dem er die Lage der Bauern im nördlichsten Bundesland mit der im südlichsten verglich. Die Vorteile für die „Nordlichter“ sah er in der besseren betrieblichen Organisation und optimierter Strukturen. Im europäischen Vergleich lautete das Ergebnis Überproduktion in Deutschland, und global zog er das ernüchternde Fazit: Die anwesenden Landwirte sollten sich angesichts der Globalisierung keine Illusionen machen. Wie also sieht die Realität aus? Das Höfesterben wird weitergehen, weil die Bauern, die nicht rechtzeitig den Mut oder das Geld für Investitionen hatten und sich kein zweites Standbein aufbauen konnten, nach dem Abschmelzen ihrer Rücklagen vor dem Ruin stehen. Den 40 Cent pro Liter Milch, als fairer Preis auf vielen Plakaten im ganzen Land gefordert, steht ein marktwirtschaftlich reell kalkulierter Ertrag von 22 bis 24 Cent gegenüber. Politisch gewollt Da kam der Verdacht auf, dass dies politisch so gewollt sei: Ein Gesundschrumpfen auf Kosten der Schwächsten, mit der verringerten Zahl von landschaftspflegerisch tätigen Bauern aber auch auf Kosten der typischen Allgäuer Landschaft. Über die Folgen für den Tourismus wurde kein Wort verloren. Da nahmen dann auch Maria Heubuch, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, und der inzwischen auch in Berlin bestens bekannte BDM-Chef Romuald Schaber kein Blatt vor den Mund. Von anderer Seite war zu hören, dass sich die Bauern bei den Koalitionsverhandlungen verraten und verkauft fühlen, ihre Interessen und Meinung nicht gefragt seien. Als Beispiele wurden die Milchquote oder die Gentechnik angeführt. Der neue Vorsitzende der AGL, Erwin Reinalter, sah das Problem darin, dass Einzelunterstützungsmaßnahmen nicht hilfreich seien und außerdem den Bauern die Zeit davon laufe. „ Wie lange halten Sie und ihre Familien dieser Belastung stand, wenn die bäuerliche Landwirtschaft auf dem Altar politischer Interessen geopfert wird?“, fragte er in seinem Schlusswort in die Runde. Immer dran bleiben Das Schlusskommunique könnte so formuliert werden: Die Bauern müssen zusammenstehen und ihre Interessen und Argumente ruhig, aber beharrlich immer und immer wieder an den entscheidenden Stellen vorbringen. Eine realistische Einschätzung der eigenen Lage ist dazu erforderlich. Zitat Specht dazu: „ Wie viele Bauern wollen die Wahrheit wissen? In meinem Bereich machen nur vier von 1900 Landwirten eine betriebswirtschaftliche fundierte Kalkulation!“

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