Droht ein Verkehrskollaps? 

Wie soll das neue Quartier »Gerhardingerweg« angebunden werden? 

Nord-Ost Ansicht der geplanten Wohnanlage am Gerhardinger Weg 4.
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Nord-Ost Ansicht der geplanten Wohnanlage am Gerhardinger Weg 4.

Kempten/Lenzfried – Auf dem ehemaligen Gelände der Maria-Ward-Schule im Gerhardingerweg 4 wird in naher Zukunft ein neues Wohngebiet entstehen, dessen Häuserreihen nicht nur untereinander durch Gassen verbunden sein werden, sondern auch an die Lenzfrieder Straße angeschlossen werden müssen. In der Nachbarschaft des künftigen Quartiers, in der Herz-, Henkel- und Althausstraße, machen sich Hauseigentümer und Bewohner Sorgen wie die Verkehrsführung im Ortskern funktionieren soll, wenn auch die neuen Anwohner eine Zufahrt zur zentralen Verkehrsachse brauchen. 

Deshalb haben sie sich mit einem Brief an das Stadtplanungsamt gewandt, in dem sie ihre Bedenken zum Ausdruck bringen bezüglich des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Gerhardingerweg“ für den Bereich zwischen Lenzfrieder Straße, Wettmannsberger, Gerhardinger Weg und Friedhof. Sie sind irritiert, dass die Planungsunterlagen „keinerlei Aussagen“ zu den „verkehrstechnisch notwendigen Erfordernissen enthalten“. Sie befürchten, dass das vorgesehene Wohnquartier vom Wettmannsberger Weg aus „ausschließlich“ über den Parkplatz des Edeka-Supermarkts erreichbar sein wird. Zudem beunruhigt sie die Vorstellung, dass die geplante Zufahrt zum neuen Wohngebiet „in unmittelbarer Nähe“ zu einigen viel besuchten öffentlichen Einrichtungen einmünden soll, und listen u.a. die Konrad-Adenauer-Schule, den Kindergarten, die Feuerwehrgebäude und Sportanlagen sowie die Bushaltestelle auf. Ohnehin empfinden die Verfasser des Schreibens den zunehmenden Verkehr in ihrer Nachbarschaft offenbar als Belastung: Immer mehr Fahrzeuge wählten den Wettmannsberger Weg als Abkürzung, um vom „stark gewachsenen Gewerbegebiet“ über die B12 zum Berliner Platz und zur A7 zu gelangen. Daher fordern sie, „vor Beginn des Bauvorhabens eine für alle Verkehrsteilnehmer sichere und funktionierende Verkehrsführung“, die insbesondere die Erschließungsstraße des neuen Quartiers geeignet einbinden sollte.

Überrascht sind die Nachbarn auch darüber, dass dem Bebauungsplan eine „Machbarkeitsstudie“ beiliegt, die eine mögliche „Aufstockung des Edeka-Gebäudes“ untersucht. Die in der Studie skizzierte Idee, das Supermarktgebäude abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, auf dessen Flachdach „Stadthäuser“ für zusätzlichen Wohnraum sorgen, missfällt ihnen: „Diese Bebauung“ würde die Struktur der Ortsmitte, die von „Gasthof, Kirche und Kloster“ geprägt sei, empfindlich stören.

Um ihrer Kritik Nachdruck zu verleihen, haben die Initiatoren des Protestschreibens mehr als 66 Unterschriften gesammelt.


Tim Koemstedt, Leiter des Referats für Planen, Bauen und Verkehr, versichert, dass die Stadt sich der Herausforderungen wohl bewusst sei und kein Grund zur Sorge bestünde: In einem Bebauungsplanprozess und bei der Schaffung von Baurecht untersuche das Amt für Tiefbau und Verkehr stets die Verkehrssicherheit und Leistungsfähigkeit des zugehörigen Verkehrskonzepts. Denn die äußere Erschließung eines neuen Wohngebiets, die Anbindung an öffentliche Straßen und Knotenpunkte, gehöre ebenso selbstverständlich zum Verfahren wie die innere Erschließung. Sowohl Bauausschuss als auch Stadtrat haben sich bereits damit befasst, dass die Verkehrssituation in der Lenzfrieder Ortsmitte verbessert werden sollte – unabhängig vom Bebauungsverfahren. Die laut Koemstedt „von vielen Anwohner monierte Sicherheit der Kindergarten- und Grundschulkinder“ zu stärken, ist ein wichtiger Bestandteil der Verkehrsplanung; jedoch kommt es „überall im Stadtgebiet zu Massierungen“, wenn die Eltern ihre Kinder abholen oder hinbringen.

Ein neues Supermarktgebäude werde allenfalls langfristig verwirklicht werden, „vielleicht in zehn, 20 Jahren, das ist noch offen. Die Machbarkeitsstudie zur Aufstockung sollte lediglich feststellen, ob die Neuerschließung die Aufstockung verunmöglicht“ – was nicht der Fall ist.

Antonia Knapp

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