Wieder bestattet

Unter den Augen von Dekan Jörg Dittmar (li.) wird ein Sarg hinter der Friedhofskapelle in die Erde gelassen. Foto: Läufle

Im Vorfeld der Neugestaltung des St.-Mang-Platzes wurden in den Jahren 2003, 2008 und 2009 Skelette und Skelettreste von etwa 1500 Toten archäologisch geborgen. Am vergangenen Mittwochnachmittag fand nun die Wiederbestattung der menschlichen Gebeine auf dem Evangelischen Friedhof unter der Burghalde statt.

Dekan Jörg Dittmar von der evangelischen St.-Mang-Kirche und Kaplan Dr. Florian Kolbinger von der katholischen Pfarrei St. Lorenz gestalteten gemeinsam die ökumenische Trauerfeier in der Aussegnungshalle des Friedhofs. „Mit den Menschen, die dort am St.-Mang-Platz begraben waren, verbindet uns einiges“, meinte Dittmar. Mancher Weg, den man in Kempten geht, sei bestimmt noch gleich wie früher und die Menschen hätten damals schon in Gebäuden gearbeitet, die es auch heute noch gibt. „Der Akt der Wiederbestattung ist für mich ein wichtiger. Es ist ein Akt der Pietät der Stadt und ein aufmerksamer, würdevoller Umgang mit dagewesenem Leben“, so Dittmar. Wie Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber erläuterte, stammen die gefundenen Gebeine von etwa 1500 Toten aus der Zeitspanne 7. Jahrhundert bis 1535, dem letzten Jahr der Nutzung des großen reichsstädtischen Friedhofs um die St.-Mang-Kirche und ihre Vorgängerbauten. In diesem seinerzeitigen Friedhof fanden bereits 50 Tote ihre letzte Ruhestätte in einem Hohlraum unter dem Chor der ehemaligen Michaels- und Erasmuskapelle. „Das Gefühl, wenn man Menschen ausgräbt ist immer ein anderes, wie wenn man Gegenstände aus zum Beispiel Keramik ausgräbt“, betonte Dr. Weber. Daher sah er es als würdevollen Anlass, dass das Gros der menschlichen Gebeine nun hinter der Friedhofskapelle wieder begraben wurde.

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