Reden statt Handeln auch im Verkehrsausschuss

Kronenstraße in der Endlosschleife

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Nächste lange Debatte – wieder keine Lösung für die Kronen- straße.

Inhaltlich praktisch identisch wie die Diskussion in der letzten Sitzung des Stadtrats, wurde vergangenen Montag einmal mehr – diesmal im Verkehrsausschuss – ausgiebig debattiert. Thema: Kronenstraße. Und auch diesmal blieben alle Fragen offen und Lösungen bzw. vor allem deren Umsetzung in Ferne.

Zur Erinnerung fasste Volker Reichle vom Tiefbauamt die gesammelten Anträge nochmals zusammen:

Bündnis 90/Grüne: Vollsperrung der Kronenstraße und Ausweisung als Fußgängerzone zwischen Gerberstraße und Grünbaumgasse (Antrag aus 2012, der im August 2016 wiederholt wurde). Alternativ probeweise Vollsperrung der Kronenstraße zwischen Gerberstraße und Grünbaumgasse von 19-6h

SPD: Ausweisung Rathausplatz zwischen Kronenstraße und Heinrichgasse als Fußgängerzone. Dabei soll die Zufahrt zum Rathaus in Einbahnregelung bis Wachtgässele erhalten bleiben. Einbahnregelung in der Kronenstraße zwischen Gerberstraße und Grünbaumgasse (Fahrtrichtung Nord nach Süd). Vollsperrung ab der Theaterstraße bis Grünbaumgasse von 22-6 Uhr, ausgenommen Anwohner. Den gesamten Straßenbereich zwischen Illerstraße, Kronen- und Burgstraße als verkehrsberuhigten Bereich ausweisen.

Freie Wähler: Einbahnregelung in der Kronenstraße zwischen Theaterstraße und Grünbaumgasse (Fahrtrichtung Nord nach Süd) mit Neugestaltung der Kronenstraße zwischen Theater- und Gerberstraße. Lkw über 7,5 Tonnen mit Fahrverbot von 10-5 Uhr belegen mit zugelassener Anlieferung zwischen 5 und 10 Uhr. Vollsperrung zwischen Theaterstraße und Grünbaumgasse von 20-6 Uhr. Neue Kursgestaltung für die Buslinie 6 in Zusammenarbeit mit der mona GmbH. Empfehlung an den Haupt- und Finanzausschuss, die notwendigen Haushaltsmittel für 2018 bereitzustellen.

Stadtrat Jedelhauser: Prinzipielle Entscheidung bzgl. Der Maßnahmen in der Kronenstraße bis Jahresende, ob Einbahnregelung (Nord nach Süd) ggf. mit Vollsperrung in der Nacht oder Totalsperrung.

Ein Antrag der Altstadtfreunde stimmt im Wesentlichen mit den hier genannten Anträgen überein.

Sowohl Reichle als auch Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann wiesen im Verlauf der Diskussion darauf hin, dass die Kronenstraße nicht losgelöst, sondern nur in Zusammenhang mit Iller-, Burg- und Salzstraße gesehen werden dürfe sowie im Kontext mit dem derzeit entstehenden Mobilitätskonzept 2030. Darin würden auch ähnliche Vorschläge für die Umgestaltung der Kronenstraße enthalten sein. Fraglich sei, so Reichle, ob eine verkehrsberuhigte Zone bei „5000 bis 6000 Fahrzeugen pro Tag“ in diesem Bereich überhaupt sinnvoll sei.

Laut Wiedemann ist der südliche Bereich mit 3000 bis 5000 Fahrzeugen pro Tag belastet, der nördliche mit täglich bis zu 7000 und der Rathaus-Bereich mit circa 5000 Fahrzeugen am Tag. Allerdings räumte er ein, dass die Zahlen aus dem Jahr 2012 nicht auf einer Zählung, sondern auf einem Rechenmodell beruhen und deshalb „ungenau“ seien. Noch auszuwerten sei eine genauere Zählung mit Videokamera vom vergangenen Freitag, von der sich die Verwaltung insgesamt belastbare Erkenntnisse zur Verkehrssituation in der Kronenstraße erhofft. Zudem sei, so Reichle, die ganze Woche über das Parken überwacht worden, was rund 1800 Brezel-Parker ergeben habe. Verwarnt worden seien allerdings nur Parksünder, die ihr Fahrzeug länger als zehn Minuten abgestellt hätten, insgesamt 47 (siehe nebenstehender Artikel). Also einen Parkautomaten mit „Brezl-Taste“?, wie Dominik Spitzer (FDP) anregte?

Thomas Hartmann (Grüne) merkte an, dass die Verkehrs Consult Dresden-Berlin (VCDB) GmbH sowohl die Möglichkeit der Einbahnregelung als auch der Vollsperrung untersucht und als „verträglich“ eingestuft habe. Für Spitzer stellte sich da aber die Frage, wie diese Fachmänner „ohne konkrete Zahlen“ zu einem abschließenden Ergebnis kommen können. Er warnte mit Blick auf Waltenhofen vor einer Sperrung, wo „der Verkehr aus dem Dorf verschwunden ist“ – und die Geschäfte auch.

Besonders irritiert aber zeigten sich einige Ausschussmitglieder darüber, dass für einen Bauherrn in der Kronenstraße wegen der Verkehrsbelastung keine Wohnbebauung möglich sei, wie dieser (der Kreisbote berichtete) bei der Jahreshauptversammlung der Altstadtfreunde erklärt hatte. Damit, brachte Lothar Köster (SPD) es auf den Punkt, „machen wir unsere Altstadt lebensunwert“.

Helmut Berchtold (CSU) sah schon viel gewonnen, wenn man die Touristenbusse – immerhin einige hundert im Jahr – „herausnimmt“ und den dafür geplanten Parkplatz am Klecks umsetzt. „Das wird eine gewisse Entspannung bringen“ und Zeit für das nötige Gutachten schaffen.

Das käme auch dem Wunsch von OB Thomas Kiechle entgegen, der die Mitglieder des Arbeitskreises für das Mobilitätskonzept nicht vor den Kopf stoßen möchte, indem eine vorgezogene Maßnahme umgesetzt wird, die zudem im Gesamtgefüge isoliert dastünde. Die Ergebnisse des Arbeitskreises werden noch in diesem Jahr erwartet.

In der „Vorzugsvariante“ (derzeitiger Stand) wird über eine Erweiterung der Fußgängerzone um den westlichen Bereich des Rathausplatzes nachgedacht sowie über die Einrichtung eines absinkbaren, ferngesteuerten Pollers südlich der

Gerberstraße (Zulieferer, Anwohner, Bus- und Radverkehr sowie Einsatzfahrzeuge können jederzeit passieren). Klar war nicht nur für Kiechle: „Nichts tun geht nicht“.

Christine Tröger

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