Alles begann beim Ringen

Ein "wilder Frickenländer" und eine Kotternerin feiern ihr 60-jähriges Ehejubiläum

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Es war ein großes Hallo, als Bürgermeister Josef Mayr seinen Freunden Erna und Engelbert Steiger zur Diamantenen Hochzeit die Glückwünsche der Stadt überbrachte. Im Bild freut sich auch Tochter Ingrid mit ihren Eltern.

Kempten – „Der Bertl hat mir schon von Anfang an gefallen“, sagt Erna Steiger über ihren Mann. Als die beiden 1958 geheiratet haben, war Engelbert ein erfolgreicher Ringer beim TSV Kottern und so etwas wie eine Ikone, auch wenn es „Stars damals nicht gegeben hat“. Erna teilte seine Passion und begleitete ihren Mann fortan auf die Kämpfe bis zu den Deutschen Meisterschaften, kümmerte sich um die Mannschaftstrikots, ging auf Kampfrichter-Lehrgänge und kochte an Wettkampftagen Tee für alle Kämpfer.

Die Begeisterung für das Ringen und der familiäre Zusammenhalt, das sind für beide der Grund für ihre lange und harmonische Ehe. „Es hot oifach immer basst“, sagt die gebürtige Kotternerin. Kennengelernt haben sich die beiden auch bei einem Ringkampf, auf den Erna eine Freundin in den Stiefel-Saal mitgenommen hatte. Nach dem Kampf sind alle beieinandergesessen und so kamen sich Erna und Engelbert näher. Ab da hat der bekannte Ringer Erna immer auf die Kämpfe mitgenommen. Am 17. Mai 1958 wurde in der Himmelfahrtskirche geheiratet.

Mit dem Vereinskameraden Bürgermeister Josef Mayr erinnern sich die beiden gerne an die schöne Zeit. Als er am letzten Donnerstag die Glückwünsche der Stadt überbrachte, tauschten sie so manche Anekdote aus. „Er war ein junger, wilder Frickenländer auf dem Olymp der Ringer“, sagt der Bürgermeister.

Engelbert stammt aus Eizisried. Nach seiner Ausbildung zum Schlosser hat er bei der Firma Ruku als selbständiger Monteur gearbeitet. Erna hat den Beruf der Frisörin gelernt, arbeitete dann aber in der Spinnerei und Weberei Kottern. „Als die Kinder da waren, konnte ich natürlich nicht mehr auf jeden Kampf mit“, sagt die 80-Jährige. Aber die Begeisterung für den Kampfsport hat sich auch auf den Nachwuchs übertragen. Während es Sohn Peter eher zum Fußball zog, hat Tochter Ingrid bei den Ringkämpfen Getränke verkauft. Reiner, der Jüngste der drei Kinder, ist in die Fußstapfen des Vaters getreten. Weil ihm als kleiner Bursche noch keines der Trikots gepasst hat, strickte ihm Erna ein passendes Hemd in den Vereinsfarben.

Legendär ist auch Ernas Tee, den sie beim „Wurzelsepp“ gekauft hat, und an Kampftagen für ihren Mann gekocht hat. „Die Mannschaftskollegen haben nur immer vorher getrunken, sodass Engelbert nichts mehr übriggeblieben ist“, erzählt sie. „Da habe ich halt zwei große Pumpkannen gekauft, damit der Tee für alle reicht.“

Neben dem Ringen und Engelberts langjähriger Trainertätigkeit waren das Skifahren, Radeln, eigene Bienen und Tauben und auch Wohnwagenreisen gemeinsame Hobbys. „Die Hobbys werden immer weniger“, sagt Engelbert. Aber dafür steht Enkelin Lea an oberster Stelle.

Susanne Kustermann

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