Fit für die Zukunft?

"Black-out gewünscht!"

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Auf einer Leinwand wurden die Gäste der Live-Demonstration zeitgleich über alle Schritte des Experimentes informiert. Dipl.-Ing. (FH) Alexander Hammer (M.) von der Siemens AG und mit in der Leitung des Projekts IREN2 erläuterte das Vorgehen während des „Schwarzstarts“.

Wildpoldsried – Im Jahr 2011 beschloss die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel die Energiewende. Aus Sicht der Bundesregierung war eine Abkehr von der Stromerzeugung durch Atomkraft im Angesicht der Atom-Katastrophe von Fukushima vom März 2011 zwingend erforderlich.

An Stelle der atomaren Stromerzeugung soll bis 2022 solche durch Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft treten.

Da Strom durch Wind ertragreicher im Norden Deutschlands und Strom durch Wasserkraft nur in den Mittelgebirgen und im Vorlapenland generiert werden kann, muss der Strom quer durch Deutschland transportiert werden oder durch Pumpspeicherkraftwerke am Ort der Erzeugung gespeichert werden. Beide Vorhaben liessen sich aufgrund von massivem Widerständen der Bevölkerung, insbesondere in Süddeutschland, nicht durchsetzen.

Dezentrale Stromerzeugung

Nun soll eine andere Methode die Energiewende voranbringen. Zukünftig könnte die Energieversorgung auf vielen kleinen, dezentralen Stromerzeugern basieren. Stromnetze können dadurch kleinteiliger werden und zeitweise unabhängig voneinander als Inselnetze funktionieren. Hierzu wurde durch ein Konsortium das Forschungsprojekt IREN2 in die Praxis umgesetzt. Dem Konsortium angeschlossen hatten sich die Siemens AG Deutschland, das AÜW, AllgäuStrom, die Hochschule Kempten, die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen University und ID.KOM. Ziel des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projektes war es, den Inselbetrieb eines Niederspannungsnetzes in Wildpoldsried, das vollständig aus regenerativen Energien versorgt wurde, zu realisieren. Zur finalen Live-Demonstration zum Betrieb dieses Inselnetzes hatten die Verantwortlichen nun nach Wildpoldsried geladen.

Leuchtturm Wildpoldsried

Zur Live-Demonstration erschienen unter anderem der Geschäftsführer des Allgäuer Überlandwerks (AÜW), Michael Lucke, Alexander Hammer und Dr. Arvid Amthor von der Siemens AG, Andreas Armstorfer von der Hochschule Kempten und Arno Zengerle, Bürgermeister der Gemeinde Wildpoldsried, der am vergangenen Mittwochabend die rund 60 Gäste der Veranstaltung begrüßte. „Technik, die in Wildpoldsried produziert wird, kann der Welt helfen“, so formulierte es Zengerle, der einer der bundesweit fortschrittlichsten Gemeinden in punkto erneuerbarer Energien vorsteht. „Das was am heutigen Abend in der anstehenden Live-Demonstration getestet wird, kann unter anderem Menschen in Afrika helfen, fernab von großen Kraftwerken Strom zu generieren“, fuhr Zengerle fort. Auch AÜW-Geschäftsführer Lucke lobte das Engagement der Gemeinde Wildpoldsried und attestierte, den „Strompionieren des Allgäus“, vorbereitet zu sein für den Fall eines „Black-outs“. „Wildpoldsried hat in Bezug auf die Anwendung erneuerbarer Energien eine riesige Strahlkraft und in puncto angewandter Energiewirtschaft bleibt es auch in Zukunft vor Ort in Wildpoldsried nicht ‚spannungslos‘“, so der Geschäftsführer des AÜW.

"Schwarzstart" gelingt

Beim eigentlichen Microgrid-Test (Deutsch.:Mikro-Netz), der über einen Beamer und eine Live-Kamera im Leitstand zeitgleich für die Gäste des Abends auf eine Leinwand projiziert wurde, wurde zuerst das Inselnetz in Gestalt von zwei benachbarten Straßenzügen vom Niederspannungsnetz des öffentlichen Stromnetzes abgetrennt und stromlos gelegt. Selbiges kann im Realbetrieb bei einer Störung oder bei einem „Black-out“, verursacht zum Beispiel durch ein Unwetter, passieren. Nun wurde der „Schwarzstart“ des Inselnetzes getestet. Dies bedeutete, dass das abgekoppelte Stromnetz mit eigenen regenerativen Energieerzeugungsanlagen in den Regelbetrieb übergehen konnte. Die elektrotechnische und digitale Herausforderung bestand darin, hierbei den Gleichstrom der Batterie des Inselnetzes der Wechselstrom-Frequenz des öffentlichen Stromnetzes mit 50 Hz durch digital gesteuerte Wechselrichter zeitnah anzupassen. Als dies sowohl beim „Schwarzstart“ als auch beim erneuten Andocken an das öffentliche Stromnetz geschah, kam bei den Verantwortlichen große Erleichertung auf und der geglückte Versuch wurde mit viel Applaus bedacht.

Mikrogrids – Garant für Energiewende

„Das Ergebnis ist ein wichtiger Meilenstein. Es zeigt uns, dass Mikrogrids künftig helfen werden, eine stabile und sichere Stromversorgung im Netz zu ermöglichen – sie sind ein Baustein für das Gelingen der Energiewende in Deutschland, aber auch in der ganzen Welt“, freute sich angesichts der gelungenen Live-Demonstration Lucke. Alle Konsortialpartner des Prokekts IREN2 sind sich einig, dass auch die Stromnetze künftig zellularer werden, diese untereinander verstärkt kommunizieren und zeitweise unabhängig voneinander funktionieren müssen. Alle sehen in autarken Inselnetzen den doppelten Boden auf dem eine Energiewende zum Gelingen geführt werden kann.

Jörg Spielberg

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