Wildpoldsrieder "Versuchskaninchen"

Welches Elektroauto wird wohl meines sein? 31 Wildpoldsrieder erwarten gespannt die Ankunft ihrer lautlosen Gefährte. Sie wurden vom AÜW, Siemens, der Hochschule Kempten und der Universität Aachen ausgewählt, die Alltagstauglichkeit über einen Zeitraum von drei Monaten zu erproben. Foto: Würzner

Die oberallgäuer Gemeinde Wildpoldsried arbeitet mit Hochdruck an ihrem Image als Renergie-Zentrum Deutschlands. Sie hat für Schlagzeilen gesorgt als der Ort, der mehr Solar- und Windenergie erzeugt, als verbraucht wird. Da verwundert es absolut nicht, dass Bürgermeister Arno Zengerle und seine Bürger auserkoren wurden, einen großangelegten Feldversuch zu machen, mit dem die Alltagstauglichkeit der „Stromer“ getestet werden soll.

31 bunte Elektroautos werden in den kommenden drei Monaten das Straßenbild prägen. Die damit verbundene Gefährdung der Fußgänger, die öfters nach Gehör die Straßenseite wechseln und sich vielleicht ordentlich erschrecken, wenn plötzlich ein Auto ungehört hinter ihnen steht, hat Bürgermeister Zengerle erkannt und in seiner humorigen Art gleich heruntergespielt: „Wir haben ja einen Malteser Hilfsdienst am Ort.“ Nicht als Versuchskaninchen wie Zengerle, sondern als Pioniere bezeichnete AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke die Frauen und Männer des Ortes, der wie ein Leuchtturm im Allgäu stehe und die Signale von „Irene“ ins Land hinausschicke. Integration regenerativer Energien und Elektromobilität, so „Irene“ in voller Länge, hat sich auch Siemens zur Aufgabe gemacht und ist von Anfang an mit im „Elektroboot“. Eckhard Günther hat sich in der Nürnberger Dependance mit intelligenten Netzen befasst und ist bei Reisen quer durch Deutschland des öfteren auf die rührigen Wildpoldsrieder angesprochen worden. Wo Erfolge zu verzeichnen sind, liegt das Argument für Förderung durch Staat und Wirtschaft auf der Hand. Glücksfall für Hochschule Was kann einer Hochschule besseres passieren als Forschungsprojekte ohne Rücksicht auf ein schmales Budget realisieren zu können? Der Vizepräsident der Hochschule Kempten, Professor Andreas Rupp, gab unumwunden zu, dass „Irene“ für seine Uni ein Glücksfall ist. Nicht nur für Kempten, denn auch Memmingen als Zentrum für Batterieforschung und Kaufbeuren für Leitertechnik können raus aus dem Labor und ihre Ideen in der realen Welt erproben. GPS zeichnet auf Das Testen der Stromer begann gleich nach der Übergabe der Schlüssel durch Dr. Michael Fiedeldey vom AÜW mit einer Einweisung auf dem Parkplatz. Während der dreimonatigen Nutzung werden die Fahrtstrecken durch GPS-Sensoren aufgezeichnet samt Energie- verbrauch und Batteriekapazität. Geladen wird der Akku auf eigene Kosten, bei Havarien hilft der ADAC, alarmiert über eine Hotline. Bei eventuellen Unfallschäden wird die Eigenbeteiligung der Vollkaskoversicherung fällig. Damit ist garantiert, dass die Gefährte pfleglich behandelt werden. Dass sie den richtigen Pioniergeist mitbringen, war an den Gesichtern der 31 Testfahrer bei der Abfahrt jedenfalls deutlich zu erkennen.

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