Wildpoldsried feiert Einweihung des Windstützpunktes

Die letzten ihrer Art?

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Beeindruckend: Ein Blick in das Innere der künftigen Anlagen.

Wildpoldsried – Auf dem Höhenzug nordöstlich von Wildpoldsried ragen derzeit neben neun Windrädern auch zwei halbfertige Windradtürme, noch ohne Rotoren, sowie ein mächtiger Kran aus dem Wald. Kürzlich hatte die Bevölkerung die Gelegenheit, diese Baustellen im Rahmen des „Wildpoldsrieder Windradfestes“ aus der Nähe zu begutachten.

Ursprünglich hatte das „Energiedorf“ Wildpoldsried gemeinsam mit den Nachbargemeinden Kraftisried, Unterthingau und Günzach den Bau von insgesamt zehn neuen Windkraftanlagen geplant. Nur zwei davon wurden letztlich genehmigt. Und auch das nur nach zähem Ringen mit dem Luftfahrtbundesamt. Grund dafür ist zum einen die Problematik bezüglich des Kemptener Funkfeuers – dieses ist ein Instrument der Deutschen Flugsicherung zur Luftfahrtnavigation, das in einem Radius von 15 Kilometern nicht durch Windkraftanlagen gestört werden darf –, zum anderen die bayerische Abstandsregelung 10 H. Der zufolge muss der Abstand zwischen Windrad und Wohnbebauung das Zehnfache der Höhe der Anlage betragen. Dass die beiden aktuellen Anlagen trotzdem gebaut werden dürfen, liegt allein an der Tatsache, dass sie die zwei alten Windräder des Allgäuer Überlandwerkes ersetzen, die im Juni gesprengt wurden. Nach diesen neuen Anlagen wird es wohl bis auf weiteres keine weiteren geben.

Anlässlich der Einweihung des Windstützpunktes Wildpoldsried hatten die Gemeinden Wildpoldsried, Kraftisried, die Wildkraft GmbH & Co.KG sowie die Fuchsbau GmbH & Co.KG nun zum „Wildpoldsrieder Windradfest“ eingeladen. Bei eisigem Wind begingen Hunderte von Besuchern auf dem Höhenrücken, zu Füßen der Windräder „Fuchsbau“, zunächst einen Gottesdienst, ehe sie einen faszinierten Blick ins Innere einer der Anlagen warfen, sich mittels Führungen, Kurzvorträgen und Filmen über das Thema Windkraft informieren ließen und sich zu Fuß oder per kostenlosem E-Mobil-Shuttle über Waldwege und holperige Pistenabschnitte zu den Baustellen „In der Höll Nord“ und „Albratsmoos“ aufmachten. Dort sind gigantische Bagger und Kräne mit dem Aufbau der Anlagen vom Typ Enercon E-115 beschäftigt, die jeweils eine Nabenhöhe von 149 Metern und einen Rotordurchmesser von 115,7 Metern aufweisen werden, womit sich eine Gesamthöhe von 206,86 Metern ergibt.

Vermeidung von CO2-Emissionen 

Jedes der Windräder, die voraussichtlich im Dezember ans Netz gehen sollen und deren Nutzungsdauer auf 30 bis 40 Jahre angelegt ist, hat eine Nennleistung von 3000 Kilowatt (kW) und erzeugt im Jahr circa sieben Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom. Das ist mehr, als im gesamten Gemeindegebiet von Wildpoldsried verbraucht wird (Verbrauch 2014: 6.323.000 kWh). Gleichzeitig tragen beide zur Vermeidung von circa 6,5 Millionen Kilogramm CO2-Emissionen bei. Die Kosten für beide Anlagen zusammen belaufen sich auf rund 10,5 Millionen Euro. Drei Millionen Euro Eigenkapital flossen aus der Region in das Projekt. Neben den Gemeinden und der BioEnergie Allgäu beteiligten sich mehr als 200 Bürger aus Wildpoldsried und Kraftisried (über die eigens gegründete Gesellschaft WildKraft GmbH & Co. KG) an der Investition.

In seiner Begrüßungsrede wählte Wildpoldsrieds Bürgermeister Arno Zengerle offene Worte: Das Thema Windkraftanlagen habe sich in Bayern erledigt. „Sowohl Bürgerinitiativen als auch vermeintliche Naturschützer bis hin zu Lobbyisten der alten Energiewirtschaft haben es geschafft, üble Stimmung gegen die Windkraft zu schüren.“ Hierzulande sei mit der Novellierung des „Erneuerbare Energiegesetzes“ im Jahr 2014 „definitiv alles unternommen worden, um den großen Energieversorgern, die ja überwiegend in öffentlicher Hand sind, ein Überleben in der Kuschelecke sicherzustellen“, so Zengerle. Nichtsdestotrotz werde die Gemeinde nicht akzeptieren, dass eine „unsinnige Abstandregel zu Flugnavigationsanlagen uns den Bau der weiteren Anlagen verhindert und dass die Energiewende in Deutschland abgesagt worden ist.“ Vielmehr werde man bei Strom, Wärme und Mobilität „zusammen mit Partnern aus der Wirtschaft, dem AÜW, sowie Forschungseinrichtungen und Hochschulen den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen“.

Raimund Kamm, Landesvorstandsmitglied des Bundesverbandes WindEnergie e.V. in Bayern, mahnte: „Wir verbrennen in jedem Jahr so viel Kohle, Öl und Gas wie in einer Million Jahren Erdgeschichte gewachsen sind. Dementsprechend steigt er CO2 Gehalt in unserer Luft.“ Hinzu komme der Müll aus den Atomkraftwerken, „der eine Million Jahre sicher eingeschlossen werden muss, weil er sonst Pflanzen, Tiere und Menschen tötet. Unsere heutige Energiewirtschaft ist für unsere Nachkommen ein Fluch. Windräder sind ein Segen.“

Mit den Einnahmen aus den beiden neuen Windkraftanlagen will die Gemeinde den Krankenpflegeverein Haldenwang-Betzigau-Wildpoldsried unterstützen, so Rathauschef Zengerle. „Dieser hat uns hierfür eine Einlage in Höhe von 100.000 Euro zugesagt, die über den Weg Gemeinde und Dorfentwicklungs-GmbH in diese Investitionen fließt. Genauso wie bei unseren Photovoltaikanlagen, die zum großen Teil der Jugendarbeit in den großen Vereinen zukommen, wird hier sauber erzeugter Strom einen wichtigen sozialen Zweck erfüllen.“

Sabine Stodal

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