BBK-Jahresaustellung in Kempten

Schlicht, aber auffallend

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Aus dem Jahr 2003 stammt der Stahlguss „Katz“ des Bildhauers Winfried Becker, der heuer mit dem BBK-Kollegenpreis ausgezeichnet wurde.

Kempten – Kein farbiger Akzent, keine skurrilen Formen oder Anordnungen fesseln das Auge. Fast ist es versucht,  sich mehr oder weniger achtlos darüber hinwegzusetzen. Am Ende aber ist es dann genau diese in Grautönen changierende Schlichtheit der herabbaumelnden Stahlbetonstäbe, die ihren Sieg davontragen und den Blick zu halten vermögen. „Winterernte 19“ hat der Bildhauer Winfried Becker seine 14-teilige Arbeit genannt, in der sich großflächig am rechten Teil der hinteren Wand im Hofgartensaal Betonstäbe anordnen. 

Jeder der Stäbe eröffnet bei näherer Betrachtung seine individuelle Ästhetik, hebt sich ab von seinen Nachbarn und fügt sich doch ganz unaufgeregt in die Gemeinschaft der „grauen Eminenzen“ ein. Etwa ein ganzer Tag Arbeit stecke in jedem der Stäbe, für die Becker die Schalung in circa zehn Zentimeter langen Abschnitten aufbaue und in einem Stück dann aushärte. Im Rahmen der am vergangenen Wochenende eröffneten Jahresausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) Schwaben Süd wurde Becker mit dem Kollegenpreis ausgezeichnet, der seit 2001 jährlich vergeben wird. „Ganz überrascht“ von der Auszeichnung, bekannte der 46-Jährige im Gespräch mir dem KREISBOTEN, „war mir nicht bewusst, dass meine Arbeit so angenommen wird und ich bei den Kollegen so auf dem ‚Bildschirm’ bin“. Vielmehr empfinde er mit seinen Betonarbeiten eine „größere Anerkennung außerhalb“ der Region, wie in Dortmund, Köln oder jüngst in Hamburg. 

Waren es zuvor insbesondere in Metall gegossene Tierskulpturen, die fast schon wie ein Markenzeichen Beckers Schaffen dominierten, ist seit 2008 beständig zunehmend Beton in puristisch anmutenden Formen sein Ausdrucksmittel der Wahl. „Ich hatte ein starkes Bedürfnis nach Einfachheit“, begründet der gebürtige Hesse, warum er nur Nachgüsse oder Auftragsarbeiten der Metall-Tiere anfertige. „Mit den Betonsachen bin ich viel zufriedener“, bezeichnet er den Umstieg als „Glücksfall“, denn so passe es in seinen Tagesablauf als Architekt, Hausmann und Vater dreier Kinder. „Der Arbeitsprozess macht mir Spaß, die Ausdrucksmöglichkeit passt zu mir“, freut er sich, dass damit „ungebremstes Arbeiten möglich ist“. 

Keine Sonderausstellung

Ein kleiner Schatten schwebt heuer allerdings über der Auszeichnung: Wegen der Sanierung im Fürstensaal kann die sonst übliche Sonderausstellung im Foyer nicht stattfinden. „Aus Platzgründen ist kein echter Querschnitt möglich“, bedauert Becker ein bisschen, dass er sich nur mit insgesamt fünf Werken – vier Tierskulpturen („Das ungleiche Paar“, ein Spatz als „Held der Straße“, „Hase“ und „Katz“) plus eine einzige Arbeit in Beton – unter dem Titel „Besetzung – Taumel – Wandel“ präsentieren kann. Immerhin befindet er sich in guter Gesellschaft, umgeben von 84 Arbeiten – 13 Skulpturen, neun Fotografien sowie 62 Malereien und Grafiken – von insgesamt 65 BBK-Kolleginnen und Kollegen. 

Gleich neben Beckers „Winterernte 19“ setzt der aus Silikon und Pigmenten bestehende, zehnteilige „Spaziergang über Felder“ von Stephan Rustige (Kollegenpreisträger 2011) einen spannenden Kontrast. Mit der Optik von Stangen spielt auch Christian Hörl in seiner großformatigen Siebdruck-Lackarbeit, deren dicht stehende Baumstämme sich je nach Blickwinkel in geometrischen Mustern verlieren. Von den acht neuen BBK-Mitgliedern ist unter anderem Lioba Abrell vertreten, die einen zerbrochenen, wie einen Brotlaib geformten, Flussstein mit rosarotem Nähgarn „verarztet“ hat.


Bis 9. Dezember ist die BBK-Jahresausstellung noch zu sehen: dienstags bis freitags jeweils von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Am kommenden Samstag, 1. Dezember, ist die Präsentation von 12 bis 22 Uhr zu sehen und um 19 Uhr gibt es die Lesung „Morgen Kinder, wird’s...geben!“ von Anna Ottmann mit Texten von Kästner, Brecht & Co.; ab 19.30 Uhr stehen die Künstler Rede und Antwort.   Christine Tröger

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