"Wir haben doch kein Geld"

Für eine rasche und bezahlbare Umgestaltung des Hildegardplatzes haben sich am Dienstagabend vergangener Woche Stadträte der Grünen und der UB/ödp sowie Kemptener Bürger im Haus Hochland ausgesprochen. Viele der rund 50 Zuhörer bei der Veranstaltung, zu der die beiden Gruppierungen eingeladen hatten, fürchteten vor allem die hohen Kosten und baulichen Risiken einer Tiefgarage und sprachen sich mehrheitlich gegen das unterirdische Bauwerk aus.

So wie er jetzt ist, „sieht der Platz bescheiden aus“, begründete Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ödp) sein generelles Ja zu einer Platzsanierung. Zusammen mit Michael Hofer, Eduard Bühler, Hans Mangold und Thomas Hartmann sprach er sich allerdings gegen eine Tiefgarage aus. Dafür sei ohnehin kein Geld da, meinten die Grünen-Stadträte Bühler und Mangold. Parkplätze direkt auf dem Platz wollten die Gastgeber ebenso nicht. 90 am Kirchberg und um den Platz herum seien genug. Wenn man die Parkplätze um den Marstall, in der Eberhardstraße, am Kaufhof, am Hofgarten, der Sparkasse und am Pfeilergraben zusammenzähle, stehen auch für die Besucher von Veranstaltungen im Kornhaus genug Parkplätze zur Verfügung, erklärte Hitscherich. Die Möglichkeit eines kleinen Parkhauses in der Prälat-Götz-Straße warf Stadtrat Ullrich Kremser (FDP) in den Raum. Die hatte sein Parteikollege Bruno Steinmetz kürzlich ins Gespräch gebracht (der KREISBOTE berichtete). Für eine Tiefgarage sprach sich allein der Wochenmarkt-Händler Robert Liebenstein aus, der sich von der unterirdischen Parkmöglichkeit Vorteile für das Marktgeschäft versprach. Auch er drängte auf eine schnelle Lösung und die müsse vor allem bezahlbar sein, meinten Gastgeber und Gäste. Explodierende Kosten? Größte Sorge bei den Anwesenden der Diskussionsrunde waren die drohenden Kosten. „Wir sind doch arm, wir haben kein Geld“, meinte eine Bürgerin, die die Idee unterstützte, den Platz gar so zu lassen, wie er jetzt ist. Die Platzgestaltung ohne Garage soll 2,6 Millionen kosten – warum eigentlich so viel? „Das kann ich nicht beantworten“, meinte Stadtrat Bühler, „das erscheint uns auch zu hoch“. „Wir wollen auf der sicheren Seite sein“, rechtfertigte Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann den hohen Kostenansatz. Es handle sich schließlich um einen Platz mit 10500 Quadratmetern Fläche, den es umzugestalten gelte. Einsparmöglichkeiten sahen die Grünen etwa beim Kirchberg, den man so lassen könne, wie er ist. Auch um die Lorenzkirche machten sich die Diskutanten Sorgen. Der Untergrund des Hildegardplatzes, so Stadtrat Hofer, bestehe aus See-Sedimenten, die nicht stabil seien. „Ich werde nicht zufrieden sein, bis ein kompetenter Wissenschaftler mit seiner Unterschrift dafür grade steht“, pochte Mangold auf die Sicherheit der Lorenzkirche. Wiedemann kündigte detaillierte Informationen von Gutachtern für die Bauausschusssitzung an, die am gestrigen Dienstag, nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe, stattfand. Ein ausführlicher Bericht darüber lesen Sie im nächsten KREISBOTE. Und wie soll der Platz künftig aussehen? Nach der Vorstellung von Stadtrat Bühler soll er keine Steinwüste werden, er sprach sich für mehr Grün aus. Auch der Wunsch nach einem Brunnen wurde laut. Den, so Stadträtin Ingrid Vornberger (SPD), hätten die Bürger aber bereits in einer frühen Planungsphase abgelehnt. Und die Kemptener, so Wiedemann, würden auch weiterhin mit einbezogen, der Planungsprozess sei noch nicht zu Ende. Am 7. Oktober finde eine erneute Bürgerversammlung statt. An der „Salamitaktik“, einzelne Gruppen wie die Siftstadtfreunde oder die Anwohner und Ladenbesitzer am Platz in getrennten Veranstaltungen zu informieren, übten Hofer und Bühler harsche Kritik. „Ich bin der Meinung, dass solche Einzelgespräche den Entscheidungsprozess nur befruchten“, erklärte hingegen Wiedemann.

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