"Wir liegen im Zeitplan"

Klinik-Geschäftsführer Andreas Ruland. Foto: Klinikum

Für die Verantwortlichen im Aufsichtsrat ist er der Hoffnungsträger, bei der Gewerkschaft ver.di werden einige seiner Schritte als Provokation empfunden: Mit dem Ziel, das Klinikum Kempten wirtschaftlich zu sanieren, ist Andreas Ruland angetreten. Der KREISBOTE sprach mit dem Klinikverbund-Chef über die derzeitige Situation in der Robert-Weixler-Straße.

Die Gewerkschaft ver.di befürchtet durch die Ausgliederung bestimmter Servicebereiche eine schlechtere Versorgung der Patienten. Sehen sie diese Gefahr ebenfalls? Ruland: „Den Zusammenhang zwischen der Ausgliederung bestimmter Bereiche und einer damit einhergehenden Verschlechterung der Patientenversorgung kann ich nicht nachvollziehen. Im Bezug auf die Vergütung der in der Tochtergesellschaft integrierten Bereiche bezahlen wir die gängigen Marktpreise, die in unserem Vergütungssystem, dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVÖD), nicht abgebildet werden. Die pauschalen Vorwürfe, dass Einsparungen zu Lasten der Versorgungsqualität gehen, sind also nicht gerechtfertigt.“ Ausgebildete Pflegekräfte werden durch Hilfskräfte ersetzt, Servicebereiche wie Reinigung und Küche sind ebenfalls zum Teil bereits ausgelagert (Allgäuer Klinik Service GmbH). Sind Auslagerungen weiterer Teile der Belegschaft geplant? Ruland: „Wir setzen derzeit elf Pflegehelfer auf unseren Stationen ein, die unsere 300 Mitarbeiter im Pflegedienst unterstützen. Dies entspricht einem Anteil von 3,66%. Weitere Ausgliederungen sind derzeit nicht geplant.“ Bei der Vorstellung des Geschäftsberichts im Kemptener Stadtrat haben Sie die hohen Personalkosten des Klinikums in Höhe von 70 Prozent der Gesamtkosten kritisiert. Bei anderen Kliniken liege der Anteil des Personals an den Gesamtkosten bei 58 bis 60 Prozent. Ist diese Marge auch für Kempten Ihr Ziel? Ruland: „Es gibt Vergleichs-Kliniken, die bei hoher Qualität den Anteil von 58 bis 60 Prozent an den Gesamtkosten erreichen, ohne dass deren Versorgungsqualität darunter leidet.“ Wie wollen Sie die Personalkosten dauerhaft in den Griff bekommen? Ruland: „Für das Jahr 2011 planen wir, unsere Personalkosten um 4,21 Prozent auf 51,932 Millionen Euro zu senken. Wichtig ist mir an dieser Stelle zu betonen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Den Weg der Konsolidierung werden wir moderat weiterverfolgen.“ Welchen Anteil hat die Gesundheitspolitik der Bundesregierung an der derzeitigen Situation des Klinikums? Ruland: „Unsere Gesundheitspolitik übt seit Jahren einen Kostendruck auf unsere Krankenhäuser aus, sodass die Belastungsgrenze mittlerweile erreicht ist. Dennoch ist die ungünstige Situation für alle Kliniken gleich. Insofern ist kein direkter Zusammenhang zwischen der Gesundheitspolitik und der derzeitigen Situation des Klinikums Kempten herzustellen.“ Was müsste die Politik besser/anders machen? Ruland: „Die Krankenhäuser benötigen grundsätzlich langfristige und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen.“ Ver.di erklärte in diesem Zusammenhang, dass Sie Protestaktionen gegen die Gesundheitspolitik unterstützen würden. Ist dem tatsächlich so? Warum? Ruland: „Wir haben – ebenso wie ver.di – ein Interesse daran, dass die gesetzlich festgelegten Tarifsteigerungen sowie die Sachkostensteigerungen in wirtschaftlich angemessener Höhe gegenfinanziert werden. 2008 haben wir beispielsweise Teilnahme unserer Mitarbeiter an der Großdemo in Berlin unterstützt.“ Im Sommer haben Sie den Beginn der Bauarbeiten zur Einhäusigkeit auf Frühjahr 2011 und ein Abschluss für Ende 2012 taxiert. Ist dieser Zeitplan nach wie vor realistisch? Ruland: „Wir liegen mit den Planungen absolut im Zeitplan, insofern gibt es keinen Anlass den Zeitraum der Fertigstellung zu verändern. Bei der Größe dieses Bauvorhabens können dennoch unvorhersehbare Themen auftreten, die eine Veränderung des Plans hervorrufen können.“ Gibt es mittlerweile einen neuen Standort für den Hubschrauber-Hangar? Ruland: „Für die Verlegung des Hangars beziehungsweise für dessen neuen Standort ist der Rettungszweckverband zuständig.“

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