"Wir nehmen das sehr ernst"

Die Klinik in der Robert-Weixler-Straße kommt nicht zur Ruhe: Wegen der Behandlung ihres Vaters hat eine Allgäuerin nun schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus erhoben. Da offenbar viel zu wenig Pflegekräfte vorhanden gewesen seien, habe sie ihren Vater sogar selbst füttern müssen, beschreibt sie unter anderem die Situation in der Abteilung 2A. Die Klinikleitung hat sich nach eigenen Angaben mittlerweile bei den Angehörigen entschuldigt. Bei den Vorfällen handle es sich um „einen absoluten Ausnahmefall“, erklärte Klinik-Geschäftsführer Andreas Ruland am Freitag gegenüber dem KREISBOTEN.

Mit einer Hüftfraktur musste ihr Vater am 11. Mai ins Krankenhaus eingeliefert werden, berichtet die Frau. Drei Tage später erfolgte außerdem noch ein Magendurchbruch, der eine Notoperation erforderlich machte. „Er war anschließend 14 Tage auf der Intensivabteilung“, so die Allgäuerin, „dann ging es ihm soweit ganz gut.“ Deshalb sei der Senior auf die Station 2A verlegt worden, wo sich die äußeren Zustände bald verschlechtert hätten. So habe sie erst durch Zufall erfahren, dass das Essen auf einem Tablett gebracht werde. Allerdings habe der Vater nicht alleine essen können. Trotzdem habe ihm niemand vom Personal das Essen geben können. „Deswegen mussten wir täglich im Wechsel ins Krankenhaus fahren, um meinen Vater zu füttern“, erklärt sie. Darüber hinaus erhebt sie weitere Vorwürfe: „Er war zum Teil nicht einmal gewaschen und nicht rasiert“, so die Frau weiter. Darauf angesprochen, habe das Personal auf die personelle Unterbesetzung verwiesen. Das gleiche sei ihr gesagt worden, als sie darum gebeten habe, den Vater aus medizinischen Gründen hin und wieder auf einen Stuhl zu setzen. Ein Stationsarzt habe ihr außerdem erklärt, dass vor allem an Wochenenden und Feiertagen gerade einmal zwei Schwestern für 40 Patienten im Einsatz seien. Probleme in den Abläufen Andreas Ruland, Geschäftsführer der Kliniken Kempten-Oberallgäu, betonte am Freitag gegenüber dem KREISBOTEN, dass man die Vorwürfe mit den Angehörigen bereits besprochen und sich entschuldigt habe. „Wir bedauern sehr, dass es uns in diesem Fall nicht gelungen ist, die Angehörigen in ihrer Sorge um den Patienten zu entlasten“, sagte er. Die Klinikleitung nehme den Vorfall sehr ernst, „denn er zeigt uns, dass wir organisatorische Probleme in unseren Abläufen haben.“ Derzeit seien die Verantwortlichen dabei, die Vorwürfe aufzuarbeiten und Schlüsse daraus zu ziehen. Zwar könne es durch Krankheiten immer wieder zu kurzfristigen personellen Engpässen kommen, so Ruland weiter. Aber der geschilderter Sachverhalt stelle dennoch einen „absolute Ausnahmefall“ dar. Dass grundsätzlich zu wenig Pflegepersonal am Klinikum eingestellt ist, wollte Ruland nicht stehen lassen. „Das Klinikum Kempten weist im Vergleich zu Kliniken in vergleichbarer Größenordnung eine höhere Anzahl an Mitarbeitern in der Pflege auf“, erläuterte er.

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