"Wir sind Innovationsführer"

Das erste Probesitzen auf dem „Chef-Express“, überreicht von AÜW-Prokurist Jürgen Herrmann (rechts), machte ESK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jüngling (Mitte) sichtbar Spaß, was CEO Joel P. Moskowitz (links), Vorstandsvorsitzender von Ceradyne Inc., persönlich dokumentierte. Foto: Tröger

Ein 90-jähriger, äußerst rüstiger Jubilar, ein rauschendes Fest mit rund 600 Gratulanten und auch der oberste Firmenchef Joel P. Moskowitz, Vorstandsvorsitzender von Ceradyne Inc., hatte es sich nicht nehmen lassen mit Gattin Ann extra aus Kalifornien anzureisen. Gefeiert wurde am vergangenen Wochenende die ESK Ceramics-Erfolgsgeschichte mit Partnern, Mitarbeitern und Ehemaligen.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Keramiken für vielerlei Industrien zwischen A – wie Aluminium- und Autoindustrie – bis W – wie Wehrtechnik und Werkzeugbau – entstehen, gab es Werksführungen. „Keramik ist deutlich schwieriger und aufwendiger zu bearbeiten als Metall“, unter anderem weil „nicht nur die Maschine das Teil bearbeitet, sondern auch das Teil die Maschine“, erklärte ESK-Mitarbeiter Frank Wallmeier. Von der Rohpulverherstellung über die Bauteilfertigung bis zur Beschichtung „sind wir hier sicherlich gut aufgestellt“, meinte Kollege Harry Klein, der eine der Besichtigungstouren führte. Unter den „über 5000 Produkten“ findet sich von ballistischem Fahrzeug-, Körper- und Luftfahrzeugschutz aus schwarzer Keramik über Dichtungskomponenten, unter anderem aus Siliciumcarbid (SiC) – besonders geeignet für den Einsatz mit verunreinigten, abrasiven oder korrosiven Medien –, bis zu Hautkosmetik mit Bornitrid-Pulver ein breites Produktspektrum. Geliefert wird in 63 Länder weltweit, ab Kempten gehen pro Jahr etwa 13 000 Sendungen auf die Reise. Fast acht Jahre gehöre das am 23. Januar 1922 von Max Schaidhauf als Elektroschmelzwerk gegründete Unternehmen nun zur „Ceradyne-Familie“ und habe vom US-amerikanischen Mutterkonzern „viel Unterstützung bei der Entwicklung und dem Ausbau des Standorts Kempten erhalten“, begrüßte Dr. Thomas Jüngling, Sprecher der ESK-Geschäftsführung, die Gäste. Er zeichnete eine bewegte, von innovativ-tatkräftigen Stationen geprägte Firmengeschichte und sprach auch die Parallelen zwischen Schaidhauf und Moskowitz an: Ersterer habe vor 90 Jahren die Bedeutung von SiC für die deutsche Industrie erkannt und ein eigenes Unternehmen gegründet. Letzterem seien vor 45 Jahren „die Arbeiten auf dem Gebiet der technischen Keramiken nicht zielgerichtet vorangetrieben worden“. Deshalb habe er seinen Arbeitgeber verlassen und sich mit seinen „gesamten Ersparnissen in Höhe von 5000 US Dollar“, wie Moskowitz später selbst ergänzte, selbständig gemacht. Jünglings „großer Dank“ galt den „vielen Generationen von Mitarbeitern“, die das solide ESK-Fundament „aufgebaut durch gute und schwierige Zeiten geführt und erfolgreich ausgebaut haben“. Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) versicherte, dass sich die Stadt Kempten der Bedeutung der ESK mit „mehr als 700 Arbeitsplätzen“ für den Standort Kempten „sehr bewusst“ sei und auch in Zukunft alles mögliche tun werde, um „optimale Rahmenbedingungen für eine weiterhin erfolgreiche und zukunftsorientierte Entwicklung bieten zu können“. Moskowitz spricht Bundestagsabgeordneter Stephan Thomae (FDP) verband „eine besondere geographische Note“ mit dem Unternehmen: „Meine Wiege stand auf der anderen Seite der Bahngleise“. Als wichtiger Energielieferant gab Michael Lucke, Geschäftsführer des Allgäuer Überlandwerke (AÜW), zwar augenzwinkernd zu, dass er die „Produkte noch nicht testen konnte“, da er für Kundenbesuche noch keine Schutzweste brauche; dafür rühmte er die „good vibrations“ zwischen den beiden Unternehmen mit „gleichen Wertewelten“. Mit Blick auf das etwa 134 000 Quadratmeter große Firmengelände hatte er ein zweckmäßiges Geschenk dabei: ein „Chef-Express“-Elektroroller von „Tante Paula“. Mucksmäuschen still wurde es im Raum als Moskowitz, der mit seiner Frau die Veranstaltung bis dahin bestückt mit Kopfhörern für die Simultanübersetzungen verfolgt hatte, die Bühne betrat. „Wir sind Innovationsführer, vor allem im Bereich fortschrittlicher technischer Keramik – und es geht uns gut und das in einer konjunkturell schwierigen Zeit“, meinte er. Das ESK habe „die Wirren der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg, den Zweiten Weltkrieg, verschiedene Regierungen und Rezessionen überdauert“. Es sei gewachsen und habe neue Produkte entwickelt, „die darauf hindeuten, dass unsere besten Tage erst noch vor uns liegen“. Seines Erachtens seien dabei nicht nur Zahlen „die Sprache des Business“, sondern „Zahlen, Menschen und Technologie“. Unweit verlaufe die Max-Schaidhauf-Straße, die von der Joel-Moskowitz-Straße gekreuzt werde – „geradezu symbolisch für unsere gemeinsamen Anstrengungen erfolgreich zu sein“, schloss er und erntete tosenden Applaus. Gefeiert wurde noch bis spät in die Nacht, bei Speis und Trank und wechselnder Live-Musik, unter anderem von der von Samuel Joly extra für das Fest ins Leben gerufenen ESK-Blasmusik.

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