Die ganze Welt hat sich geändert

"Wir sind die Neuen" in einer gelungenen Bühnenfassung

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Zum Ende kommt alles verblüffend in Ordnung

Isny – Das Württembergische Landestheater Esslingen war wieder einmal in Isny zu Gast und hatte die Bühnenfassung des Westhoff-Films „Wir sind die Neuen“ im Gepäck. Wie sehr sich die Welt und die Menschen seit den 68er Jahren gewandelt haben war das einfühlsam und genau beobachtete Thema dieser Aufführung.

Drei in die Jahre gekommene ehemalige Studenten aus der Zeit der Studentenbewegung finden sich wieder zusammen, um miteinander zu versuchen, die Zeit zurückzudrehen und noch einmal in einer WG einzuziehen, so wie sie es in ihrer Erinnerung haben. Einen Teil ihrer damaligen Mentalität haben sie sich über die Jahre gerettet und wollen es aufgekratzt und euphorisch noch einmal angehen. Der Einzug in die WG gestaltet sich entsprechend. Ein gealteter Frauenheld, eine Biologin, die sich als „Eulenaktivistin“ einen Namen gemacht hatte, und ein Rechtsanwalt, der sein ganzes Berufsleben für Leute da war, die sich eigentlich keinen Rechtsanwalt leisten können, haben sich nach Jahrzehnten wieder gefunden und eine passende Wohnung angemietet. Nachbarn hat man in der Regel ebenfalls und das sind drei Studenten, die sich mit der lockeren und aufgedrehten Art ihrer neuen Nachbarn absolut nicht anfreunden können. Nein, sie wollen lernen und demnächst ihre Examina machen, für Nachbarn, Partys und „Rumgetue“ haben sie keine Kapazitäten frei – und außerdem ziehe man die Schuhe aus, wenn man in eine Wohnung kommt. Die drei 68er ziehen sich wieder in ihre eigenen vier Wände zurück und sitzen dann zusammen, hören extra laut ihre alten Platten und haben auch den nötigen Vorrat an Rotwein mitgebracht. Der nächste Morgen zeigt sich dementsprechend, und als die jungen Nachbarn gegen die laute Musik protestieren und erst einmal auf das zu putzende (blitzblanke) Treppenhaus hinweisen, hängt der Haussegen endgültig schief. Ein Generationenkonflikt, der sicher gar nicht so selten vorkommt. Irgendwann geht Rechtsanwalt Johannes aber doch zu seinen Nachbarn hinauf. Als er zurückkommt, ist er aus dem Gleis geworfen: „Stellt euch vor, sie essen kaum was, können kaum noch lernen und zur Uni gehen sie auch nicht!“ – „Na und“, sagt Eddi, „das haben wir doch auch gemacht?“ Langsam kristallisiert sich dann heraus, dass die Jungen Hilfe brauchen, allerdings ebenfalls, dass die alten 68er voller angesammelter Probleme stecken. Wie man sich nun annä- hert und doch zu Gemeinsamkeiten findet, ist in der Bühnenfassung von Jürgen Popig das Thema, mit dem man wieder versöhnlich gestimmt wird. Die Fülle an Slapsticks und passenden Bemerkungen bilden den Reiz des Stücks. Das Ensemble war geradezu ideal für die Rollen und das Bühnenbild eine Sache für sich. Wie man es schaffen kann, mit ein und der derselben Couch zwei Wohnungen gleichzeitig darzustellen, und wie es die Schauspieler dazu dann noch schaffen, gleichzeitig aufzutreten, ohne sich zu verheddern, war für sich schon ein Erlebnis. Ende gut, alles gut? Im Prinzip ja. Wer sich dabei nicht doch irgendwo selbst gefunden hat, war wohl nicht so ganz bei der Sache. Manfred Schubert

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