"Wir sollten bewusster leben"

Ein Thema, bei dem es Dr. Gerd Müller (links) schon mal vom Stuhl reisst – jährlich wandern bei uns bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Auf der Eventbühne debattierte Müller mit Rolf Birmelin dieses Thema. Foto: Spielberg

Es kann einem schon den Appetit verderben, wenn man sich folgende Zahlen vergegenwärtigt: Jeder Deutsche schmeißt im Laufe eines Jahres im Schnitt Lebensmittel im Wert von rund 300 Euro auf den Müll. Um diesen Missstand in das Bewusstsein der Allgemeinheit zur rücken, startete just das Bundeslandwirtschaftsministerium die Kampagne „Teller statt Tonne”. Rolf Birmelin, Betreiber der Eventbühne Kimratshofen, nahm dies zum Anlass, Staatssekretär Dr. Gerd Müller aus dem Bmelv einzuladen, um in einem Gespräch seinen Gästen Einblicke in dieses Thema zu gewähren.

Das Gewicht aller so „entsorgten” Lebensmittel aus den deutschen Haushalten, beträgt geschätzte 20 Millionen Tonnen. Damit ließe sich gut gegen den Hunger in der Welt angehen, gibt es doch Gegenden auf unserem Planeten, in denen Mütter am Morgen nicht wissen, ob sie am Abend genügend Nahrung für sich und ihre Kinder haben werden. Wir hingegen tun es täglich – es landen genießbare Lebensmittel, man könnte auch sagen „Mittel zum Leben” in der Tonne, weil sie knapp über dem Mindesthaltbarkeitsda-tum liegen oder nur, weil ihre angebrochene Packung in unseren Kühlschranken uns nicht mehr zum Verzehr ihres Inhalts einlädt. Um diesen offensichtlichen Missstand in das Bewusstsein der Allgemeinheit zur rücken, startete just das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Bmelv) besagte Kampagne „Teller statt Tonne”. Rolf Birmelin, Geschäftsführer der Birmelin Management Beratung GmbH, und zugleich Betreiber der Eventbühne Kimratshofen, nahm dies zum Anlass den parlamentarischen Staatssekretär Dr. Gerd Müller (CSU) aus dem Bmelv einzuladen, um in einem Gespräch bei freiem Eintritt seinen Gästen Einblicke zu diesem Thema zu gewähren. Hoher Wert „Lebensmittel sind mehr wert, als auf dem Preisschild steht”, so Müller und präsentierte dem Publikum erschütternde Zahlen: 20 Millionen Tonnen landen schätzungsweise bundesweit jedes Jahr auf Müllhalden, rund die Hälfte davon wäre durchaus noch genießbar. Den Hauptanteil an diesen Lebensmittel bilden Obst und Gemüse, die kein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) besitzen und die deshalb oftmals aus Unkenntnis im Müll landen. Zwar geraten auch in der Produktion und der Lagerung Lebensmittel als Abfall in Containern, weil beispielsweise die Kartoffeln nicht rund und klein genug und die Gurken zu krumm sind. Allerdings wird der größte Anteil – nämlich 61 Prozent der Lebensmittel – in den privaten Haushalten als Müll entsorgt. Hier liegt es oft am Unwissen der Verbraucher über das MHD, mit denen die meisten verpackten Lebensmittel ausgezeichnet sind. „Mindest-” heißt hier eben, dass das Lebensmittel bei korrekter Lagerung in jedem Fall bis zu diesem Datum genießbar ist, wohl aber auch über dieses Datum hinaus. Danach sollte man sich seiner eigenen Sinnen bedienen und die Lebensmittel nach ihrer Optik (z.B. Schimmel), Haptik (z.B. Konsistenz), Geruch (Frische), Geschmack (kleine Probehappen) beurteilen. Im Dialog mit Rolf Birmelin, versuchte Staatssekretär Müller aber auch Ansätze aufzuzeigen, wie durch bessere Bildungsangebote bei Schulkindern das Wissen über unsere „Mittel zum Leben” reaktiviert werden kann und den Kindern schon von früh an Wertschätzung für Trinken und Essen vermittelt wird. Denn vor allem fehle es in zu vielen Haushalten im Lande am Grundwissen über unsere täglichen Nahrungsmittel und deren Zubereitung. Da greife die Mutti lieber schon mal gerne zum Convenience-Food, stellt Tomatenketchup und Softdrinks auf den Tisch, während im Hintergrund auf dem Flachbildschirm eine der vielen Kochduelle flimmert. „Wir sollten bewusster leben, bewusster genießen, uns bewusster ernähren und auch bewusster einkaufen”, so das Fazit von Dr. Gerd Müller an diesem Abend auf der Eventbühne in Kimratshofen. Jeder sollte einmal darauf achten, wann er Lebens- mittel wegwirft und ob er es hätte vermeiden können. Wir erwischen uns ja auch nicht dabei, dass wir Sprit in den Ausguss schütten.

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