"Wir werden weich geprügelt"

Mühten sich redlich, die Wogen bei den zahlreich erschienen Gegnern des angedachten Hangars in Ursulasried zu glätten: Dr.-Ing. Peter Riedl (v.r.), Dipl.Ing. Andreas Appelt, OB Dr. Ulrich Netzer und Wolfgang Klaus (Geschäftsführer des Zweckverbandes Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung). Foto: Tröger

Die explosive Stimmung war deutlich spürbar, schon bevor die Diskussion um den neuen Standort für den Hangar des Rettungshubschraubers startete. Massive Kritik hagelte es erst einmal wegen des viel zu kleinen Versammlungsortes im Schützenheim Ursulasried, wo selbst nach Umbau der Bestuhlung noch Zuhörer im Vorraum die Ohren spitzen mussten. Mit Unmutsäußerungen bezüglich des beim Bundeswehrsportplatz an der Riederaustraße angedachten Hangars sparten einige der anwesenden Ursulasrieder, Unter- und Oberwanger dann ebenfalls nicht.

Einer der Gründe dafür: Ursulasried liege im Norden, über die Hälfte der Rettungsflüge von Christoph 17 würden aber Richtung Süden gehen, sodass das Stadtgebiet häufig überflogen werden müsse. Warum also nicht den jetzt provisorischen Standort auf dem Flugplatz in Durach beibehalten, fragten sich viele mit Unverständnis. Wie Wolfgang Klaus, Geschäftsführer des Zweckverbandes Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF), erklärte, sei Durach unter anderem aus Sicherheitsgründen und der Emissionen „nicht genehmigungsfähig“. Eigenen Recherchen eines Unterwangers zufolge „spricht nichts gegen Durach“, tat er die erhaltene Auskunft der Bundesluftfahrtbehörde kund. Zudem habe er dort erfahren, dass es in Durach „keine Emissionsmessungen gegeben habe“. Mögliche Probleme sehe man dort eher bezüglich der An- und Abflüge, Segelflieger und Fallschirmspringer. "Nicht so leicht" Einem Dachlandeplatz am bisherigen Standort Klinikum Kempten musste OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) eine Absage erteilen, da eine Landefläche allein nicht ausreiche, sondern auch Einrichtungen wie ein Hangar oder ein Warteplatz erforderlich seien. „So ein Dach haben wir nicht so leicht“, meinte er. Ein großes Problem sah Herbert Singer, Geschäftsführer der als Bauherr und Vermieter fungierenden Sozialbau, zum Beispiel in der ebenfalls erforderlichen Tankanlage. „Es ist ein Blumenstrauß von Problemen“, meinte er daher zur Option Klinikum. Netzer räumte auf hartnäckige Nachfrage aus dem Publikum ein, dass es unter anderem „auch ein finanzieller Grund“ sei, warum das Klinikum ausscheide. Schließlich gehe es um Steuergelder und Kosten müssten von den Krankenkassen refinanziert werden. Keine Addition Die Frage, ob bei der Lärmbelastung Gewerbegebiet und Nordspange mit berücksichtigt worden seien konnte Dr.-Ing. Peter Riedl, zuständig für Akustik und Lärmschutz, nicht positiv beantworten, denn das Bundesemissionsschutzgesetz hat hier einen Haken, wonach ich diese „nicht einrechnen darf“. Eine schlichte Addition der Werte jedenfalls sei nicht korrekt, erklärte er dass zwei verschiedene Lärmquellen à 50 Dezibel nicht 100 Dezibel ergäben, sondern nur 55. Für den Rettungshubschrauber liege die so genannte „Abwägungsschwelle“ in Ursulasried bei 50 Dezibel und damit weit unter der gesundheitlichen Gefährdung, die für normal empfindliche Menschen ab 70 Dezibel beginne. Er nannte eine Größenordnung von fünf Flugrettungseinsätzen pro Tag, von denen statistisch drei in den Süden gehen würden. Ein Zuhörer wunderte sich darüber, dass er beim Hausbau keine Gaube genehmigt bekommen habe, da, so die Begründung, „die Dieselstraße lärmmäßig am Anschlag ist“, der Hubschrauber aber nun doch noch draufgesetzt werden könne. „Wir haben die Verantwortung, in der Region einen Standort für die Luftrettung zu finden“, erklärte Netzer. Nach zweijähriger Suche habe man nur diesen einen Standort, „mit dem wir ins Genehmigungsverfahren gehen können“. Wenn die Bevölkerung es nicht wolle, „dann gibt’s hier keinen Hubschrauber“, nannte er auch die Konsequenz. Den Standort könne man nämlich „nicht irgendwo hin versetzen, weil sonst die Rettungszeiten nicht mehr eingehalten werden können“, mahnte er die „Gesamtverantwortung“ an. Publikumsäußerungen wie „wir werden hier doch nur weich geprügelt“ oder „ich traue niemandem, denn Geld regiert die Welt und das sind Sie“ zeigten am Donnerstagabend ein generelles Misstrauen einiger Bürgerinnen und Bürger gegenüber den Experten und Entscheidern. Als konstruktiven Schritt in Richtung kritischer Bürger versprach der OB: „Wir müssen die Widersprüche zwischen den privaten Recherchen und unseren Expertenaussagen im Verfahren aufklären“.

Auch interessant

Meistgelesen

Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare