"Wir wollen kein Millionengrab"

Prof. Dieter Buchberger.

Viel vorgenommen hatte sich die Kemptener ödp bei ihrem insgesamt 13. Politischen Aschermittwoch vergangene Woche im „Stift“. Gleich fünf Redner kamen zum Einsatz und sprachen über die „Löcher des Allgäus“, die Umwelt, das Verhältnis von Ökologie zur Ökonomie sowie zur Bundes- und Stadtpolitik. Die Stadträte Michael Hofer und Helmut Hitscherich betonten zudem deutlich ihre Abneigung gegen die Tiefgarage Hildegardplatz.

„Alle Löcher des Allgäus! Von A bis Z“ war das Thema des Kreisvorsitzenden der Kemptener ödp, Michael Hofer. Dabei präsentierte er auch einige Schlaglöcher. Vor dem Königsplatz gebe es eins, das aussieht, wie ein Netz – das sogenannte Netzer-Loch. Für Gelächter sorgte Hofers Erklärung für die Wolke vor dem Stadttheater. „Das ist nicht die TIK-Wolke, sondern der Gipsabdruck des größten Schlaglochs Kemptens.“ Das Z-Loch stand für die Aussage: „Das Loch am Hildegardplatz bleibt zu!“ Einen poetischen Einblick in die Geschehnisse in Oberstdorf und im Kleinwalsertal gab Michael Finger vom Bund Naturschutz. Ebenfalls mit der Umwelt, bzw. mit der Frage „Wie viel Ökologie geht in der Ökonomie?“ beschäftigte sich Prof. Dr. Dieter Buchberger von der Hochschule Ulm. Er kritisierte den enormen Flächenverbrauch in Deutschland. „Alle 18 Monate verschwindet ein Bodensee unter Häusern und Straßen“, gab er zu bedenken. Er regte an, die Städte wiederzubeleben. „Unsere Nachkommen werden es uns irgendwann danken und Flora und Fauna auch“, betonte Buchberger. In Sachen E10 merkte er an: „Früher hat man sich erst bei E605 aufgeregt, aber heute werden wir ja schon bei E10 ganz emotional.“ Im Bezug auf die Gentechnik zeigte er sich froh, „dass es in unserer Region Unternehmer gibt, die sich gegen die Entwicklung stemmen. Ich denke hier an die Mehrzahl der Allgäuer Landwirte, die mit ihrer Bauernschläue und ihrer aufrichtigen Art die Gentechnik-Strategen der Landesregierung in die Ecke gestellt haben.“ Als Schlussbotschaft appellierte Buchberger an die Zuhörer. „Lassen Sie uns alle gemeinsam daran arbeiten Ökologie und Ökonomie zu verbinden und ökologisch vielleicht auch manchmal einen kleinen Schritt vorauszueilen.“ Vor allem sollte für jeden gelten: „Verbrauche nur so viel von der Erde, wie dir als einer von fast sieben Milliarden Menschen auf der Welt zusteht.“ Auf eine Reise durch die Kemptener Stadtpolitik nahm Helmut Hitscherich die Gäste mit. Er bedauerte, dass nicht jedermann die Möglichkeit habe ein Unternehmen zu gründen, in das man Schulden abdrücken kann. Genau das habe die Stadt mit dem Kemptener Kommunalunternehmen (KKU) gemacht. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen, hat eine Menge Schulden von der Stadt übernommen, derzeit sind das rund 115 Millionen Euro. Viel Pulver zu verschießen hatte der Stadtrat im Bezug auf den Hildegardplatz. Sowohl der OB, als auch ein Verkehrsgutachter und ein Experte der Gesellschaft für Marktanalyse gaben in der jüngsten Vergangenheit an, dass Kempten über ein gutes Parkplatzangebot verfüge. „Wozu braucht man dann noch eine Tiefgarage Hildegardplatz“, fragte Hitscherich. „Hier will man sich auf Teufel komm raus ein Denkmal setzen.“ Das oft angepriesene Parkplatzproblem am Hildegardplatz sei übrigens ein Hirngespinst. Aktuell sei der Platz zu 58 Prozent ausgelastet, hieß es in einem Verkehrsausschuss 2009. „Wer baut denn eine Wohnanlage, wenn er weiß, dass nur 60 Prozent vermarktet werden?“, verdeutlichte Hitscherich. Kritik ließ Hitscherich an einigen Falschaussagen der Tiefgaragenbefürworter. Die Behauptung auf einem Flugblatt, dass es von der TG Königsplatz zum Eingang bigBOX genauso weit wäre wie zum Kornhaus sei schlichtweg falsch. Zudem gab es 2010 im Kornhaus 166 und nicht wie von den Befürwortern angeführt über 200 Veranstaltungen. Ferner bezweifelte der Stadtrat, dass es bei den Kosten von 4,4 Millionen Euro bliebe und dass es eine 100-prozentige Sicherheit gebe, dass die Basilika nicht beschädigt werde. Als Resümee sagte er: „Wir brauchen die Tiefgarage nicht und wollen kein Millionengrab im Herzen der Stadt.“ Eine Erklärung, warum die Schlaglöcher in Kempten nicht saniert werden, hatte Hitscherich ebenfalls parat. „Das Denkmalschutzgesetz ist schuld. Die Schlaglöcher und maroden Straßen gehören schon so lange zum Kemptener Straßenbild, dass sie jetzt unter die Rubrik erhaltenswert fallen“, scherzte er. Weiter kritisierte Hitscherich die „unverschämte Erhöhung der Wassergebühren“. Der dritte ödp-Stadtrat, Dr. Philipp Jedelhauser, schweifte kurz in die Bundespolitik aus und „bedauerte“ den Absturz von zu Guttenberg, „dem hoffnungsvollsten bayerischen Politiker seit König Ludwig“. Allerdings glaube er an die Auferstehung. „Er wird politisch auferstehen und sein Glanz wird dann alle seine Zweifler niederwerfen“, so Jedelhauser.

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