Präsentation und Diskussion

Mobilitäts-Planungswerkstatt

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Erst die Pflicht, dann die Kür, so verlaufen die Konvents der Planungswerkstätten zum Mobiltätskonzept 2030. Die beauftragten Büros Urbanes Wohnen, VCDB und SVU präsentieren Ergebnisse der Bestandsaufnahmen und zeigen Verbesserungsmaßnahmen auf. Hernach werden die Dinge ausführlich mit Besuchern diskutiert.

Wie von den Verantwortlichen angekündigt, kam es vergangene Woche zum Treffen der zweiten Planungswerkstatt im Rahmen des Mobiltätskonzeptes 2030 der Stadt Kempten.

Eingeladen zu Präsentation und Diskussion hatten die Wohn- und Verkehrsplanungsbüros Urbanes Wohnen aus München und VCDB und SVU aus Dresden. Im Fokus der abendlichen Anhörung mit Diskussion stand diesmal die Inaugenscheinnahme der Verkehrssituation auf dem Hauptstraßennetz und dem Stadtring. So waren unter anderem die Verbindung des Hauptbahnhofs mit der Innenstadt und die Situation am Adenauerring in Höhe des ehemaligen Bundeswehrlazaretts Themen des Abends. Etwas ausgeklammert und auf einen späteren Termin verschoben wurde die Situation an Kemptens nordöstlicher Einfahrt, dem Berliner Platz. Mit dem Verweis, dass dort derzeit noch viele Einflussfaktoren wirken, wurde eine Erörterung der dortigen Situation auf die nächste Zusammenkunft verschoben.

Verantwortliche erschienen

Von politischer Seite waren mehrere Stadträte sowie Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Bürgermeister Josef Mayr anwesend, seitens der Verwaltung der Leiter des Amtes für Tiefbau und Verkehr, Markus Wiedemann. Ebenso waren Vertreter von Umwelt- und Fahrradverbänden und Verkehrsunternehmen unter den Besuchern des Abends, die Geschäftsstellenleiterin des City Managements, Katinka Zimmer, und auch die Vorsitzende des Behindertenbeirates der Stadt Kempten, Michaela Rathmacher. Ergebnis der vorangegangenen Planungswerkstatt 5.1 war es, mehr Verkehr von der Innenstadt, für die zukünftig ein Tempolimit von 30 km/h angedacht ist, auf den Stadtring zu verlagern. Dort sind allerdings schon jetzt täglich 20-25.000 Fahrzeuge unterwegs und das dortige hohe Verkehrsaufkommen bereitet ohnehin an vielen Stellen Probleme.

Bestandsaufnahme

Eine Bestandsanalyse ergab folgende Mängel: Barrierewirkung des Stadtrings, der südlichen Bahnhofsstraße im Bereich der Hochschule und im Bereich Lindauer Straße/Salzstraße; erhöhte Geschwindigkeit auf dem Adenauerrring auf der Höhe des ehemaligen Bundeswehrlazaretts sowie zwischen Oberstdorfer Straße und Hauptbahnhof; viele unattraktive Radwege entlang des Stadtrings; beengte Situationen für Fußgänger und grundsätzliche Defizite bei der Organisation des Radverkehrs. Zudem wurde eine unzureichende und uneffektive Ausgestaltung des Bahnhofsvorplatzes festgestellt. Die Bestandsaufnahme führte zu den fünf ausformulierten Maßnahmekomplexen: Achse Hauptbahnhof – Zentrum, Bahnhofsvorplatz, Berliner Platz/Kaufbeurer Straße, Adenauerring-Lazarett und Verkehrsberuhigte Umgestaltung im Nebennetz.

Die Einzelmaßnahmen

Zu den einzelnen Maßnahmekomplexen wurden die folgenden Einzelmaßnahmen vorgeschlagen: Achse Hauptbahnhof – Zentrum: Verbesserung der Querungsmöglichkeiten für Fußgänger, Umgestaltung der Bahnhofstraße zwischen Albert-Ott-Straße und Fischerösch, mehr Kreisverkehre, Reduzierung der südlichen Bahnhofstraße von vier auf zwei Spuren, Umwandlung der Bahnhofstraße vom August-Fischer-Platz bis zu Hirnbein-/Kotterner Straße in eine Fußgängerzone mit ÖPNV und Radverkehr. Ein besonderer Fokus liegt auf der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Hier sollen die Buslinien signifikant näher an das Bahnhofsgebäude rücken und durch eine durchgehende Bedachung aufgewertet werden. Es sollen qualitätsvolle Räume für das Abstellen von Fahrrädern geschaffen werden und der MIV gegebenenfalls durch den Neubau einer Parkpalette neue Stellplätze erhalten.

Adenauer Ring – Lazarett/Carl-von-Linde-Gymnasium: Reduzierung des Geschwindigkeitsniveaus: Aufhebung Tempo-60-Regelung auf Höchstgeschwindigkeit von 30 bis 50 km/h, Stärkung der Fußverbindung über den Adenauerring im Bereich des ehemaligen Bundeswehrlazaretts, Reduzierung der Fahrbahnflächen und Kurvenradien an den Knotenpunkten Adenauerring mit Post- und Herbststraße, grundsätzliche Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für Fußgänger und Radfahrer. Da es aufgrund mangelnden Raumes im Bereich des Adenauerrings auf Höhe des ehemaligen Lazaretts einen unlösbaren Flächenkonflikt gibt, wurden auch die Extremlösungen einer Untertunnelung und eines Rückbaus der angrenzenden Wohnbebauung angedacht. Das führte allerdings zu Protesten bei den Anwesenden. „Wir können keine Heimatvertriebenen an dieser Stelle der Stadt schaffen“, formulierte es Bürgermeister Mayr, der sich in der anschließenden Diskussionsrunde häufiger einbrachte.

ÖPNV mit Neuerungen

Auch der ÖPNV der Stadt Kempten war zentrales Thema des Abends. Kritisch hörten Stadträte wie Helmut Berchtold den Ausführungen der Planungsbüros zu und gelegentlich kam es zu Einwürfen. „Ein Mehr an ÖPNV-Verbindungen vom Hauptbahnhof zur Innenstadt von den bestehenden 220 Linien in beide Richtungen ist nicht realistisch und zudem unrentabel“, so Busunternehmer Berchtold. Auch einer angedachten Bushaltestelle am Gleis 1 stand nicht nur er kritisch gegenüber. „Das alles ist Bahngelände und ohnehin ohne deren Mitwirken nicht zu realisieren.“ Aufgeschlossen aber zeigten sich viele gegenüber einer räumlichen wie zeitlichen Umstrukturierung des ÖPNV-Liniennetzes. Das Verkehrsnetz des ÖPNV wird zukünftig aus Grundachsen und Ergänzungsachsen bestehen, das heißt, die starre Ausrichtung auf ein Anfahren in Richtung ZUM entfällt. Auch die Bedienzeiten werden den im vergangenen Jahr ermittelten Bedürfnissen der Kunden aus einer umfangreichen Fahrgastbefragung angepasst. Im Grundnetz werden die Busse zukünftig in der Zeit von 6 bis 9 Uhr und 12 bis 17 Uhr viertelstündlich verkehren. In der Regel werden zur gleichen Zeit im Ergänzungsnetz die Busse halbstündlich eingesetzt. Neu ist in beiden Netzen ein Frühbus um 5 Uhr und eine Ausweitung der Fahrtzeiten bis einschließlich 22 Uhr.

Viele Anregungen

Wie in den bisherigen Planungswerkstätten wurden die Besucher aufgefordert ihre Anregungen zu den Einzelmaßnahmen auf Zettel aufzuschreiben und auf einer ausgebreiteten Karte zu verorten. In der abschließenden Diskussion waren es vor allem die Themen Geschwindigkeitsbegrenzungen, Stärkung des Radverkehrs, ÖPNV und die Erweiterung der Fußgängerzone hin zum August-Fischer-Platz, die lebhaft diskutiert wurden.

Jörg Spielberg

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