"Es wird eine Regierung geben"

Ja, was ist er denn jetzt eigentlich? Bundestagsabgeordneter? Designierter Abgeordneter? „Nein, ich bin derzeit noch gewählter Bundestagskandidat“, schmunzelt Stephan Thomae. Ändern wird sich dieser Zwischenzustand erst am kommenden Dienstag, 27. Oktober. Dann findet in Berlin die konstituierende Sitzung des neuen Bundestags statt und erst danach darf sich der FDP-Mann auch ganz offiziell Bundestagsabgeordneter nennen. Nichts desto trotz hat Thomae der KREISBOTEN-Redaktion schon am Freitag seinen Antrittsbesuch abgestattet.

Aufgekratzt und Energie geladen wirkt Thomae, wenn er von seinem Mandat spricht. Kein Wunder, denn immerhin ist er der erste Allgäuer Liberale, der seit über 25 Jahren wieder den Sprung in den Bundestag geschafft hat. Doch der Erfolg hat bei aller Freude über das Wahlergebnis auch eine andere Seite. „Man spürt das Gewicht der Erwartungen und des Vertrauensvorschusses“, sagt er. Deshalb sei die Stimmung unter den Berliner FDP-Abgeordneten in den ersten Tagen nach der Wahl eine Mischung aus Freude und Ernst gewesen. Drei Wochen nach der Wahl ist der erste Triumph vorüber und während sich die Parteispitzen ein zähes Ringen um einen Koalitionsvertrag liefern, haben die Berliner Neulinge wie Thomae andere Sorgen. Ein eigenes Büro in Berlin hat er derzeit noch nicht, ebenso wenig ein eigenes Mitarbeiterteam. Beides muss jetzt bald organisiert werden. „Das ist eine ungeheure Herausforderung“, so Thomae. Dazu kommt noch, dass jetzt die Ministerien und die dazugehörigen Fachausschüsse gebildet werden müssen – und jeder Abgeordnete möchte natürlich in den Ausschuss, der seinen persönlichen Interessen am meisten entgegenkommt. Dabei gilt der Innen- und Rechtsausschuss als die Kür. „Das ist eine Art Ritterschlag“, erläutert der Sulzberger. Eine Mitarbeit im Europaausschuss kann er sich aber genauso gut vorstellen. „Man kann sich überall einbringen“, ist sich Thomae sicher. Auf Wohnungssuche Davon abgesehen gilt es nun für den künftigen Abgeordneten, sein Privatleben zwischen Berlin und Allgäu zu managen. Zunächst muss er eine Wohnung in Berlin finden. Penzlauer Berg oder Berlin-Mitte würden ihm schon gefallen, gibt er zu Protokoll. Und groß genug sollte sie sein, damit auch die Familie mal zu Besuch kommen kann. „Meine Familie ist sehr stolz“, berichtet er, auch wenn er während der Sitzungswochen häufiger in Berlin als im Allgäu sein wird. "Regierung wird kommen" Und was sagt Thomae zu den schleppenden Koalitionsverhandlungen? Darin sieht er überhaupt kein Problem. „Wir haben keinen Zeitdruck“, betont er. „Gründlichkeit geht vor. Denn wir müssen nicht die schnellste Regierungsbildung in der Geschichte der BRD hinbekommen.“ Dass die Verhandlungen doch noch scheitern, hält er für ausgeschlossen. „Es ist völlig klar, was der Wähler wollte – Union und FDP sollen eine Regierung bilden. Und es wird eine Regierung geben.“ Er selbst will sich in der neuen Legislaturperiode vor allem für die Belange des Allgäus einbringen. „Die Probleme der Landwirtschaft müssen wir lösen“, mahnt er. Die Tourismusbranche gelte es durch den reduzierten Mehrwertsteuersatz zu entlasten.

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