Wer wird hier die Brücke bauen?

Ausstellungskonzept der König-Ludwig-Brücke reißt weiterhin Gräben auf

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Am Ende des Rundgangs würde die Besucher nach dem Konzept von Jangled Nerves ein virtueller Blick aufs ehemalige zweite Gleis der König-Ludwig-Brücke erwarten.

Kempten – Interessant wird es bei den seit Montag laufenden Haushaltsberatungen bei der Frage, ob die König-Ludwig-Brücke das vorgestellte Besichtigungskonzept mit audiovisuellen Elementen, Projektionen und Aufzug erhalten soll (der Kreisbote berichtete).

Das Thema kam im Bauausschuss vor einer Woche wieder auf den Tisch, als es darum ging, die dafür nötigen Mittel dem Haupt- und Finanzausschuss zur Bereitstellung in 2019 zu empfehlen. Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann hatte eine Liste an Baumaßnahmen vorgelegt, deren Umsetzung auf 2019 oder später festgelegt war. Bereits hier kam es zu Diskussionen und nicht ganz unerheblich ist die Zahl der Projekte, die warten müssen.

Weil Erwin Hagenmaier von der CSU einzig die „Bespielung der Brücke als nice to have“ empfindet, wollte er die dafür vorgesehenen 800.000 Euro nicht dem Haupt- und Finanzausschuss ans Herz legen. Nach der Aufstellung von Wiedemann werden aber 400.000 Euro ohnehin fällig, weil die schon beschlossenen Maßnahmen teurer geworden sind und jetzt noch der Wegebau um die Brücke aussteht. Für das eigentlich rund 800.000 Euro teure Konzept rechne er mit circa 50 Prozent Förderung, weshalb er diese Hälfte nicht mit aufgenommen habe.

Das brachte Hagenmaier in Rage: „Wir haben ein kameralistisches System, da sind Förderungen in diesem Zusammenhang irrelevant!“. Er hatte Sorge, dass es bei diesem Objekt so gehe, wie bei der Erasmus-Kapelle, die von der Verwaltung im damaligen Ausschuss als „Cash-Cow“, als Goldesel, bezeichnet worden sei, obwohl jetzt noch nicht mal der Ticketverkauf bezahlt sei. Überhaupt wollte Hagenmaier ohne ein Unterhaltskonzept nicht zustimmen. Seiner Meinung nach spricht das Bauwerk für sich und auch mit einer 3-D-Brille im geschlossenen Raum könne man die angedachte Führung erleben. Man solle das freiwerdende Geld stattdessen in die Renovierung des Carl-von-Linde-Gymnasium stecken, forderte er. Bereits mehrere Fraktionen hatten Anträge gestellt, die Schulsanierung nicht wie in den Plänen der Stadt zu verschieben.

Wiedemann wiederholte, dass kein extra Ticketverkauf nötig sei, da Besucher nur in Begleitung von Stadtführern in die Brücke gelassen würden. Siegfried Oberdörfer von der SPD sah das Thema auch ganz anders. Er hatte die Befürchtung, dass die Bevölkerung kein Verständnis für all die getätigten Investitionen hat, wenn am Ende niemand in die Brücke hineindarf. Der touristische Mehrwert könne nicht nur mit Geld gemessen werden. Auch für Michael Hofer (ÖDP) ist die Erasmuskapelle heute ein „Highlight“. Und Baureferent Tim Koemstedt wies auf personelle Grenzen im Amt für Gebäudewirtschaft hin. „Ein Projekt aus dem Hochbau kann ich ja nicht mit einem Projekt aus dem Tiefbau kompensieren.“ Aber das wollte Hagenmaier mit Hinweis auf Planungsbüros, die man „an der langen Leine“ laufen lassen könne, nicht gelten lassen. Jetzt wurde wiederum Koemstedt etwas lauter. „Es geht hier nicht um den Anbau eines Klassenzimmers. Jeden Planungsauftrag muss ich im Vorfeld ganz genau konkretisieren, Entscheidungen vor Ort treffen!“

Das Votum Brücke ja oder nein wurde schließlich bis zu den Haushaltsberatungen vertagt, in der Hoffnung, dass bis dahin ein noch ausstehendes Gutachten des Arbeitskreises Tourismus mit Aussagen zum Mehrwert des Konzepts vorliegt. Auch die Frage nach Förderungen soll schnell vorangetrieben werden.

Susanne Kustermann

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