"Es wird keinen Kahlschlag geben"

Etwa 80 Interessierte informieren sich am Freitag vor Ort über die weitere Entwicklung des Hoefelmayrparks im Kemptener Südwesten. Foto: Kampfrath

In der Hektik der Städte bieten Parks Ruhe und Entspannung. Doch sie bedürfen der Pflege. Die Stadt Kempten möchte den Hoefelmayrpark wieder attraktiver gestalten. Da es noch keine konkreten Pläne gibt, ist auch die Meinung der Bürger gefragt. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und Fachleute veranstalteten deshalb am Freitag eine Begehung der Grünanlage im Südwesten.

Treffpunkt war das Jägerdenkmal, wo sich rund 80 Interessierte einfanden. Schon vor Beginn musste sich OB Dr. Ulrich Netzer wegen der vorgesehenen Baumfällungen Kritik anhören. „In den letzten Jahren gab es aus der Bürgerschaft unterschiedlichste Wünsche zur Entwicklung der Grünanlage mit großen Differenzen“, sagte der Rathauschef. Die Vorstellungen reichten von der Entfernung allen Buschwerks bis hin zur Erhaltung alles Grünen. Die Erholungsfunktion des Parks solle wieder verstärkt werden. „Andererseits wollen wir in solch einer großen Fläche Lebensraum für die Natur haben“, so Netzer. Beides müsse in Einklang gebracht werden. Noch sei nichts entschieden. „Es gibt zwar Vorschläge, aber keine Pläne.“ Laut Betriebshofleiter Uwe Gail sei der Bereich Jägerdenkmal in die Jahre gekommen. Man denke über eine Zurücknahme des Buschwerks nach, um einen offeneren Charakter zu erreichen. „Die Einzelbäume, die gestiftet wurden, stellen wir frei.“ Das heißt, sie bleiben bestehen. Der Sportplatz solle eventuell durch eine Feldgehölzhecke abgegrenzt werden, wofür Bäume weichen müssten. Durch den Schneepflug werde der gekieste Weg beim Jägerdenkmal im Winter oft durchgepflügt. „Deshalb ist eine Asphaltierung angedacht“, so Gail. Möglicherweise werde es auch mehr Sitzplätze geben. „Die Hecke soll eventuell in größeren Teilen weggenommen werden“, erklärte Gail. „Ich empfinde die Hecke nicht als Sichtbehinderung. Sie bietet einen gewissen Windschutz“, meinte dagegen eine Frau. „Die Hecke ist wichtig als Trennung zwischen Jägerdenkmal und Grünanlage“, betonte ein anderer. Netzer schlug vor, dass die Hecke zwischen den beiden Bäumen bei der Bergpanoramatafel wegkommt, aber sonst erhalten bleibt. Mit dieser Idee konnten sich viele anfreunden. „Die Hecke könnte gewaltig gestutzt werden“, rief eine Frau. Da sie vollständig durchwachsen sei, müsse die Hecke ohnehin ausgetauscht werden, so Netzer. An der Panoramatafel berichtete Uwe Gail, dass die Birken mit Blick in Richtung Zugspitze eventuell gefällt werden. Das gleiche gelte für die Ahorne beim Spielplatz und die Baumgruppe südlich davon. Nächste Station der Begehung war der Spielplatz. „Wir stellen uns einen Verbindungsweg vom Spielplatz bis hinunter zum Gebirgsjägerweg vor. Das ist bereits ein Trampelpfad“, so der Landschaftsarchitekt Thomas Geiger vom Büro Geiger und Waltner. Der Gedanke sei, relativ eben um den Platz herumlaufen zu können. Angedacht sei ein fester Belag, sodass der Weg räumbar wäre. „Mein Vorschlag ist, Wegbeziehungen am Rande des Parks einzurichten und auf solche mittendrin zu verzichten“, erläuterte Netzer. Der Weg solle für Rollstuhlfahrer, aber nicht für Radfahrer geeignet sein. Dafür erntete der OB viel Zustimmung. „Man sollte den Querweg zum Gebirgsjägerweg nicht befestigen, sondern dort lieber zweimal öfter im Jahr mähen“, sagte eine Frau. Eine andere Dame wünschte sich, dass es im Vindelicierweg eine klare Trennung von Geh- und Radweg gibt. „Auf dem Spielplatz ist die Wegnahme der Rutsche angedacht“, so Gail. Stattdessen solle dort ein modernes Spielgerät und eine andere Rutsche stehen. Keine Rennstrecke „Es werden erst neue Gehölze angepflanzt, wenn die letzte amerikanische Roteiche gefällt werden muss“, erläuterte Gail vor der Waltenbergerallee. Denn man strebe hier einen gleich alten Baumbestand an. Bei der Entwicklung neuer Gehölze gebe es in der Waltenbergerallee große Probleme, da wegen der Staunässe schlechte Bodenverhältnisse herrschen. In der Hieberstraße meinte Gail, dass aufgrund der Verkehrssicherheit Pflegemaßnahmen bei den Schwarzkiefern nötig seien. Nächster Halt war der westliche Hoefelmayerpark am Zugang des Vicariwegs. Hier gebe es laut Gail zwei Möglichkeiten. „Entweder wir nehmen alle nicht mehr verkehrssicheren Gehölze weg, oder wir fällen alle Bäume und bepflanzen die Fläche neu.“ Die marode Treppe könne durch eine barrierefreie Rampe ersetzt werden. „Ich denke nicht, dass die Anlieger etwas dagegen haben, wenn die Fichten wegkommen. Aber ich habe wegen der Rampe Bedenken, dass es eine Rennstrecke für Radfahrer und Skater wird“, beklagte ein Anwohner. „Wir können es vom Belag her so steuern, dass es keine Spielfläche wird“, versprach Gail. Man werde schauen, welche Gehölze vom Baumkronenbestand her eine Zukunft haben. Diese würden dann freigestellt. „Es wird definitiv keinen Kahlschlag geben.“ Der Weg führte rund einhundert Meter weiter nördlich an eine Lichtung. „Hier ist ein Sitzplatz mit Bewegungsgeräten für Senioren angedacht“, teilte der Betriebshofleiter mit. Für so etwas sei aber kein Bedarf da, signalisierten viele der mitgelaufenen älteren Menschen. Schlusspunkt der Begehung war die Haubenschlossanlage, wo laut Gail viele exotische Bäume stünden. „Hier sollte öfter gemäht werden. Mindestens zweimal im Jahr“, forderte eine Frau. Dies befürwortete Gail, da durch die zahlreichen Biogasanlagen das Gras auch wegkomme. „Heuer werden wir noch am Spielplatz etwas tun. Die Pflegemaßnahmen erfolgen in den nächsten ein, zwei Wintern“, merkte Netzer an.

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