Wirrwarr um das Wasser

Zum Jahreswechsel steigen die Preise für Wasser und Abwasser in Kempten (Der KREISBOTE berichtete). „Mit den neuen Preisen läge Kempten im Vergleich bayerischer Städte ähnlicher Größe im Mittelfeld“, heißt es in einer Pressemitteilung des KKU. Allerdings hat das KKU bei seinem Vergleich andere Allgäuer Städte ausgeklammert. Stadtrat Dr. Philipp Jedelhauser möchte Klarheit und stellt nun selbst den Vergleich mit anderen Südbayerischen und Allgäuer Städten an.

Hof, Bayreuth, Coburg, Aschaffenburg, Landshut. Bamberg, Passau und Erlangen sind die Städte, in die das KKU Kempten einreiht. Am drittgünstigsten sind Wasser und Abwasser unter diesen neun, rechnet das Kommunalunternehmen vor. Jedelhauser sieht das jedoch aus einem anderen Blickwinkel. Seiner Ansicht nach könne man Kempten schwer mit diesen Städten vergleichen, denn viele andere Städte hätten im Gegensatz zu uns kein bestes Quellwasser zur Verfügung, dass nicht kostspielig aufbereitet werden müsse. „Im alpenländischen Bereich kostet die Wasserbeschaffung fast nichts“, ist er sich sicher. Er stellte daher seine eigene Liste auf, in der lediglich Südbayerische Gemeinden berücksichtigt sind, auch wenn diese weniger Einwohner haben als Kempten. Beim Frischwasserpreis ist nach seiner Rechnung Kempten sogar die Viertteuerste. Nur Füssen, Bad-Reichenhall und Traunstein verlangen mehr. Die benachbarten Städte Memmingen und Kaufbeuren, beide zählen etwas mehr als 40000 Einwohner, sind nach Jedelhauser beide günstiger. Abwasser hat er mit Absicht nicht einberechnet, denn hier fällt der Vergleich noch schwerer. Jede Stadt bittet hier auf andere Weise zur Kasse. Kempten erhebt seit 1. Januar eine Abwassergebühr von 1,90 Euro pro cbm und verlangt 46 Cent pro Quadratmeter und Jahr für das Oberflächenwasser. Andere Städte und Gemeinden erheben hier wie beim Frischwasser eine Grundgebühr oder Verzichten auf das Entgelt für Oberflächenwasser. Manche Stadt teilt Abwasser in eine Schmutzwasser und eine Mischwassergebühr auf. Diese Modelle werden häufig auch kombiniert. Somit ist ein Vergleich der Abwassergebühren nur schwer möglich. In Memmingen etwa fallen laut Jedelhauser die 46 Cent für Oberflächenwasser weg, dafür beträgt der Abwasserpreis stolze 2,50 Euro. Kaufbeuren hat hingegen das selbe Modell wie Kempten, aber mit günstigeren Tarifen. 1,53 zahle der Kaufbeurer pro cbm Abwasser, 44 Cent fürs Regenwasser. Ganz problemlos sei die Wasserbeschaffung in Kempten allerdings nicht, erklärte Andreas Gnoth, Abteilungsleiter Wasserversorgung im KKU, gegenüber dem KREISBOTE, schließlich müsse über 80 Prozent des Wassers erst an die Oberfläche gepumpt werden, anders als etwa in München. Mit ein Grund für die Höhe der Gebühren sei auch, dass, anders als in anderen Städten, seit dem 1. Januar 2000 alle Grundstücksanschlüsse im Eigentum der KKU seien. Hausbesitzer müssen seitdem nicht mehr für deren Unterhalt aufkommen und Häuslebauer sparen sich die Anschlusskosten, die Gnoth auf rund 5000 Euro bezifferte. Leitungen werden erneuert Das Geld aus der Erhöhung fließe zudem in die Sanierung der Leitungen. Bisher habe man meistens dort die Leitungen erneuert, wo das Tiefbauamt ohnehin den Boden für Bauarbeiten aufgerissen habe, sofern eine Sanierung notwendig war. Fehler seien zudem in sechziger Jahren gemacht worden, als man vermeintlich robuste Duktilguss-Leitungen verlegt habe, die sich dann doch als rostanfälliger erwiesen als gedacht. Diese seien oft in einem schlechteren Zustand als Leitungen aus der zwanziger Jahren, so Gnoth. Über ein Prozent seiner Wasserleitungen wolle das KKU künftig jährlich erneuern.

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