Faktencheck Migration 2017

Handlungsbedarf für gezielte Integrationsarbeit erkennen

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Kempten – Aufgrund des deutlichen Anstiegs der Bevölkerung mit Migrationshintergrund – vor allem durch Geflüchtete sowie Zuzug von Personen aus EU-Mitgliedstaaten und Drittländern

- hat das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Integration nun einen „Faktencheck Migration 2017“ für die Stadt Kempten vorgelegt.

Die darin zusammengetragenen Daten sollen dabei helfen, die „Entwicklungen in der Bevölkerungsstruktur frühzeitig zu erkennen“ und die Integrationsarbeit in Kempten bedarfsgerecht auszurichten, wie Philipp Wagner, Leiter des Amtes für Integration, in einer gemeinsamen Sitzung von Integrationsbeirat und Ausschuss für soziale Fragen erklärte. Wichtig war ihm, dass es sich um „rein quantitative“ Daten handelt. Der Faktencheck 2017 ist eine teilweise Fortführung des ersten Integrationsmonitorings aus dem Jahr 2013, und soll künftig in regelmäßigen Abständen aufgelegt werden. Er liefert einen kompakten Überblick zur demographischen Struktur der Kemptener Bevölkerung und Informationen zu migrationsspezifischen Themenstellungen. Den Inhalt des 31 Seiten starken Heftes, in dem soweit möglich auch innerhalb des Begriffes Menschen mit Migrationshintergrund differenziert wird (siehe Infokasten), stellten Jana Reichel und Priska Hecht, beide Bildungskoordination Amt für Integration, vor. Der Blick auf die Gesamtbevölkerung (Stichtag 31.12.2017) zeigt 70.157 in Kempten lebende Personen, davon 26.064 (37 Prozent) mit Migrationshintergrund von denen wiederum 10.989 keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und demnach als Ausländer geführt werden und 15 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. 

Der beständige Bevölkerungszuwachs Kemptens ist laut Faktencheck weniger in einer „natürlichen Bevölkerungsentwicklung“ zu suchen, als vielmehr in den Zuzügen, die die Wegzüge übersteigen. Zu wissen, dass ein großer Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund im Alter zwischen null und 16 Jahren ist, macht Planungen im Bereich Kita oder Schule und dem möglichen Bedarf an Sprachförderung leichter. Der mit Abstand größte Anteil unserer ausländischen Mitbürger allerdings „ist im erwerbsfähigen Alter“ zwischen 26 und 56 Jahren. Auffällig ist auch die „sehr hohe Wanderbewegung“ der 18- bis 35-Jährigen, was Reichel unter anderem auf Studierende zurückführt. Auch die räumliche Verteilung wurde differenziert unter die Lupe genommen. Während nur wenige Menschen mit Migrationshintergrund im ländlichen Raum Kemptens, beispielsweise Mariaberg, Heiligkreuz oder Hinterbach, zu finden sind, sieht es in Thingers-Nord mit einem Anteil von knapp 74 Prozent ganz anders aus. Da in diesem Stadtteil viele Eingebürgerte und Aussiedler leben, fällt dagegen der Ausländeranteil auf verhältnismäßig geringe 15,8 Prozent ab. Mit 60 Prozent Einwohnern mit Migrationshintergrund liegt ferner der Stadtteil Bühl-Süd weit vorne; zwischen 45 und 60 Prozent entfallen auf die Stadtgebiete Bühl-Nord, Breite, Auf dem Lindenberg, Augarten/Illerstadion, Kottern-Neudorf, Allgäuhalle und in der Reichsstadt unter der Burghalde. In Kempten leben Menschen aus insgesamt 119 Nationen, 46 Prozent der ausländischen Bevölkerung stammt aus EU-Ländern, die restlichen aus Drittstaaten. 

Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind 2013 (Ausländer insgesamt: 8083) wie 2017 (Ausländer insgesamt: 10.955) gleichermaßen die türkische Nationalität (2013: 29,6 Prozent; 2017: 20,4 Prozent) sowie die italienische (2013: 16,1 Prozent; 2017: 14 Prozent). Neu zählen Syrien und Ungarn 2017 zu den zehn am stärksten vertretenen Nationen. Wie lange bleiben die Menschen aus anderen Ländern eigentlich bei uns? Auch diese Frage beantwortet der „Faktencheck Migration 2017“ anhand ausländischer Staatsangehöriger der zehn in Kempten am stärksten vertretenen Nationen (Türkei, Italien, Rumänien, Polen, Syrien, Ungarn, Österreich, Kosovo, Kroatien, Russische Föderation). Vor allem unter den Menschen aus der Türkei und Italien leben demnach sehr viele schon seit 30 Jahren oder mehr hier. Ansonsten zeigt die Statistik überwiegend Aufenthaltsdauern von maximal vier Jahren. Menschen mit Fluchthintergrund sind in Kempten vor allem im Alter zwischen 25 und 34 Jahren (2017: 348), gefolgt von 18- bis 24-Jährigen (258) und 35- bis 44-Jährigen (197). Sie kommen vor allem aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. Auf Grundlage der zusammengetragenen Daten und Fakten, die beispielsweise Auskunft darüber geben, ob es eher Bedarf an mehr Seniorenbetreuung, an Kindergartenplätzen, an Schulen oder auch einer Moschee gibt, sollen künftig Angebote zur Verfügung gestellt und auch den Netzwerkpartnern frühzeitig Hinweise für möglichen Handlungsbedarf aufgezeigt werden. 

Christine Tröger

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