Wirtschaftlichkeit auf dem Bau

Lindenbergs Stadtbaumeister Kurt Kirschenmann erklärt, welche Auswirkung die neuen Richtlinien „wirtschaftliches Bauen“ in Lindenberg haben. Foto: cut

Unlängst hat sich der Lindenberger Stadtrat 20 Seiten dicht beschriebenes Papier als neue Handlungsvorgabe auferlegt: „Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen“. Was ändert sich dadurch in der Stadt? Wir fragten bei Stadtbaumeister Kurt Kirschenmann nach.

Kirschenmann glaubt nicht, dass durch die neue handlungsvorgabe die ganze bisherige Baupraxis umgekrempelt wird. „Das sind primär keine Leitlinien für die Verwaltung, sondern für Planer und Architekten”, so der Fachmann. „Wir werden bei Ausschreibungen künftig die Richtlinien an die Fachleute zur Beachtung weitergeben“, erklärt er. Die Verwaltung im eigenen Aufgabenbereich sei vor allem bei der Aufstellung von Bebauungsplänen betroffen. „Wichtig sind bei Bebauungsplänen Modelle, die die mögliche Verschattung von Gebäuden aufzeigen. Das werden wir künftig überprüfen“, so der Stadtbaumeister. Der Begriff „wirtschaftliches Bauen“ ist gar nicht so eindeutig und klar umrissen wie er klingt: Wenn wirtschaftlich zu bauen in letzter Konsequenz ausgeführt würde, dürften keine Hanggrundstücke mehr zur Bebauung freigegeben werden, deutet der Stadtbaumeister an. Kompliziertes Werk Die neue Leitlinien enthalten viele Selbstverständlichkeiten, etwa gut belichtete Räume, aber auch viel Fachchinesisch. Originalton: „Die Sollnachhallzeiten der DIN 18041 Nr. 4.3.2. sind einzuhalten, ohne die thermische Speichermasse in den Decken von den Räumen abzukoppeln …“ oder „Für die Farbtongebung sind folgende Mindestreflexionsgrade der Innenflächen einzuhalten, sofern die Nutzungsanforderungen dem nicht entgegenstehen: Decke > 0,8, Wände > 0,5, Fußboden > 0,3 (Berechnung nach DIN 5036, AMEV-Beleuchtung 2006)“– Alles klar? Für Laien nicht. Und wohl auch für die Lindenberger Stadträte nicht. Eines aber verdeutlicht dieser kleine Vorgeschmack des künftigen Aufwands: Es wird mehr zu berechnen geben. Für Planungen und Architekturleistungen entstehen möglicherweise höhere Kosten. Und die Nachprüfung lässt auf sich warten. Wirtschaftliches Bauen Das Bauamt Lindenberg verfügt jedenfalls nicht über Personal und Spezialkenntnisse, diese detaillierten Anforderungen zu überprüfen. Sollen künftige Planungen auf Einhaltung abgeklopft werden, sind zusätzliche Prüfingenieurleistungen zu bezahlen. Der Stadtbaumeister macht zudem klar: „Es geht nicht ums ökologische Bauen, sondern ums wirtschaftliche Bauen, das heißt möglichst wenig Folgekosten.“ Und er deutet an, dass Bauen unter ökologischen Gesichtspunkten in Teilbereichen andere Anforderungen bedingen könnte. „Doch die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht“, lautet sein Fazit. Im eigenen Aufgabenbereich wird sich die Stadtverwaltung an die Richtlinien halten, konkret bei Gebäudereparaturen. Was allerdings bei denkmalgeschützten Gebäuden wie dem Rathaus davon umgesetzt werden kann, dürfte letztlich das Amt für Denkmalschutz entscheiden.

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