Wissenschaftler im Wettstreit

Beim Science-Slam bringen Forscher ihr Wissen unterhaltsam an Mann und Frau

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Die Kandidatern des Science- Slam mit Moderatorin Vera Engelbart.

Isny – Zum dritten Mal kamen die Veranstalter und ihre Kandidaten nach Isny, um den Science-Slam mit wissenschaftlichen Themen auszutragen. Bei rund 200 Zuhörern war der Austragungsort in der nta Isny offensichtlich richtig gewählt. Jedem „Slammer“ waren gerade einmal zehn Minuten eingeräumt, um sein Wissensgebiet und sein Thema in Forschung und Entwicklung vorzutragen.

Zehn der Zuhörer bekamen dann Tafeln in die Hand gedrückt, auf denen stilistisch die beiden Hirnhälften abgebildet waren, und auf denen mit Kreide bei jedem Durchgang die erreichten Noten zwischen eins und zehn einzutragen waren. EQ stand für Unterhaltungswert und IQ für das Rüberbringen des Wissensgebietes, um das es jeweils ging. 

Den ungeliebten ersten Vortrag musste Thomas Bissinger halten, der sich zurzeit mit seinen Untersuchungen irgendwo zwischen Schwarmbewegungen und Quanten bewegt und als Quintessenz feststellte, dass Quantenkram eben Quantenzeugs macht (78/90). 

Dem schloss sich Dr. Matthias Mader an, der sich gerade mit Versuchen beschäftigt, Insekten mit Licht zu belauschen, das Wort „Lasermolekülspektrografie“ geht ihm wie Öl über die Lippen. Noch ist er mit seinen Versuchen nicht zu einem positiven Abschluss gekommen, wird aber auch am darauffolgenden Montag erhobenen Hauptes in sein Labor zurückkehren, denn irgendwann kommt der große Erfolg. (Sieger des Science Slam 84/97) 

Die Siegerin des Vorjahres, Dr. Ulrike Neumann, ist als Ernährungswissenschaftlerin auf der Jagd nach essbaren Algen, ein Thema, das sie ernsthaft umzutreiben scheint. Machen Algen schlank? In ihren Mäuseversuchen stellte sie fest, dass zu viel Algen auch dick machen, ihre Mäuse gingen gewaltig auseinander. So warf sie sich anderen Ernährungswissenschaftlern zum Fraß vor, weil sie andere Ergebnisse erhielt und auf die Frage aus dem Publikum, wie Algen denn schmecken, lapidar feststellt: „So wie ein Aquarium riecht.“ (85/85). 

Dr. Andy Blessing ist in der Neurologie zuhause und beschäftigt sich mit dementem Erinnerungsvermögen und wie unser Hirn zum Wiedererkennen auch demenzerkrankt noch in der Lage ist. Wie man so ein Thema mit einem gewissen Unterhaltungswert versehen kann? Fragen Sie Blessing, der bringt auch das noch fertig. (77/80) 

Theresa Lang kam als angehende Wirtschaftsinformatikerin am Schluss an de Reihe. Sie stand zu ersten Mal vor Publikum im Fokus. Fragen der Verhältnismäßigkeit und warum die Welt trotzdem eine Kugel ist, werden sicher noch ausbaufähig sein. Nur Mut, das Zeug dazu hat sie, etwas frecher kann sie ruhig werden. (50/53) 

Natürlich kann man den Wissensstoff, mit dem man sich monate- wenn nicht jahrelang beschäftigt, kaum in zehn Minuten vermitteln, aber das Interesse zu wecken, ist allemal möglich.

Manfred Schubert

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