Mit Witz und Spielfreude

Für ein volles Kemptener Kornhaus sorgte das „Klangwelten-Festival“ unter anderem mit den Musikern Jatinder Thakur (v.l.) aus Indien, Enkh Jargal aus der Mongolei und Terence Ngassa aus Kamerun. Foto: Tröger

Da haben der Integrationsbeirat der Stadt Kempten und das Haus International mit dem „Klangweltenfestival“ einen wahrlich echten Höhepunkt in die Veranstaltungen des Interkulturellen Herbstes gezaubert: Eine Musikerelite aus sechs Kulturen verstand es nicht nur die Klänge ihrer jeweiligen Heimat zu präsentieren. Sie fügten sie auch zusammen und präsentierten sie dabei mit Witz und großer Spielfreude in einem harmonisch wohlklingenden Miteinander.

Weltmusik eben – so könnte man sagen. Aber es war dann doch mehr. Es war eine Welt verbindende Musik, die zudem die mitwirkenden Kulturen begreifbar und fühlbar machte. Seit 25 Jahren leistet der Harfenist und „KlangWelten-Erfinder“ Rüdiger Oppermann damit seinen Beitrag zur Völkerverständigung. Humorvoll führte er durchs Programm, erklärte Instrumente und kulturelle Hintergründe und plauderte auch mal aus dem Nähkästchen, was das Tourneeleben mit einer so bunt gemischten Truppe angeht. Fremd und archaisch war der Kehlkopfgesang namens „Katajaq“ der beiden aus der kanadischen Arktis stammenden Sängerinnen Cynthia Pitsiulak und Annie Aningmiuq. Wie Oppermann erklärte, habe der an mystische Tier- und Geisterwelten erinnernde Gesang „keine tiefere“ oder gar „esoterische“ Bedeutung, sondern sei einfach nur zum Spaß: „Wer zuerst lacht hat verloren“. Wie ein Zahnrad greifen dabei rhythmische, im Wechsel gesungene hohe und tiefe Töne – oder eher heftige Atemgeräusche – ineinander. Eine ganz andere Welt eröffnete der New Yorker Jazz-Harfenist Park Stickney mit seinen meisterhaften Improvisationen über Henry Purcells „Music for a While“. Die Musik Indonesiens vertraten Agus Supriawan und Wahju Rochewandy, zwei Trommler aus der „Gamelan“- Tradition, die nicht nur durch ein humorvoll vorgetragenes Trommelstück, durchsetzt mit an Urwald erinnernden Schreien, begeisterten. Sie überzeugten im Trio mit Oppermann ebenso auf dem Saron – gleichgestimmte Metallophone – die sie mit atemberaubender Geschwindigkeit bearbeiteten. Steppenklänge aus der Mongolei verströmte Enkh Jargal. Mit der „Morin Khoor“ – einer Pferdegeige – und astreinem Oberton-, Kehlkopfgesang und einem Stimmumfang über fünf Oktaven entfaltete er die gesamte landschaftliche Bandbreite seiner Heimat vor den Abendgästen. Als kleine „Extra-Rarität“ hatte er einen mongolischen Rap im Gepäck. Satten Applaus Für Afrika eher ungewöhnlich, vertrat der Kameruner Terence Ngassa seine Kultur exzellent mit Gesang – und Trompete! Und auch die über Tablas „rasenden Finger“ des Inders Jatinder Thakur, seit 24 Jahren Mitglied der „Klangwelten“, ernteten satten Applaus nicht nur beim amüsanten Trommelwettstreit mit den Indonesischen Perkussionisten. Erhebende Momente gab es ebenso bei den vom Festival-Ensemble gemeinsam gespielten Arrangements, die, wie beim „Glasperlenspiel“, auch einmal besonders „exotisch“, mit auf dem Rand gespielten Weingläsern, daherkamen. Zu entdecken, erhören und erleben gab es viel an diesem, trotz weit über zwei Stunden mit Musik gefüllten, viel zu kurzen Abend im ausverkauften Kornhaus.

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