Viele Interessierte

Für einen Tag Student sein

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Unterstützt mit seiner Gitarre zog Stefan Rumpel die Teilnehmer vom Musik-Seminar in seinen Bann.

Kempten – Studenten-Atmosphäre schnuppern – auch das hat etwas mit Inklusion zu tun: Bereits zum 6. Male wurde dieses Gefühl durch die Wochenend-Universität für Menschen mit Behinderung vermittelt, findet die Veranstaltung doch stets an der Hochschule Kempten statt. Reinhold Scharpf, Geschäftsführer der Körperbehinderte Allgäu, hatte seinerzeit die Idee, angelehnt an ein ähnliches Modell in München, diese Lernart für den Bereich der Erwachsenenbildung für Menschen mit Handicaps auch hier in der Region zu ermöglichen. 

Der Erfolg über die Jahre hinweg gibt ihm Recht: Mehr als 100 Frauen und Männer mit Behinderung aus Kempten und Umgebung, Ursberg, Peiting, Lindenberg und Bad Waldsee nahmen daran teil und zeigten sich auch diesmal begeistert von der Themenauswahl – der „Schoki-Kostprobe“, dem Leben der Ritter vom Allgäuer Burgenverein, der „hautnahen“ Feuerwehrmontur, den Märchenhelden „vor Gericht“. 

Begeistert erzählte so unter anderem Florian, dass Rumpelstilzchen heutzutage vor einem Gericht wegen Erpressung zu mindestens fünf Jahren Gefängnis „verknackt“ würde. Auch der Müller wäre wegen Betrugs dran, denn seine Tochter konnte ja gar kein Stroh zu Gold spinnen. Interessiert folgten die Märchenfans den Ausführungen von Dr. Thomas Dill. Der Richter zückte dazu immer wieder sein Gesetzbuch und schlug die Vergehen bei Hänsel und Gretel, Schneewittchen, Rumpelstilzchen und Rotkäppchen nach.

„Warum wächst Schokolade auf den Bäumen?“ – Heike Kirsten von der Firma Rapunzel wusste so, dass früher Schokolade als nahrhafte Wegzehrung und Zahlungsmittel verwendet wurde. Sie erklärte anschaulich, wie aus der Kakaobohne schließlich Schokolade wird – und natürlich hatte sie zahlreiche Sorten als Kostproben mitgebracht. „Lecker“, schwärm- ten die Teilnehmer von der Bio-Schoki. Kirsten hatte so reichhaltig mitgebracht, dass auch alle anderen „Schokis“ testen konnten.

„Rote Lippen soll man küssen...“, sang Musikreferent Stefan Rumpel mit seiner Gitarre. Spätestens da war das Eis gebrochen und die Teilnehmer machten beim musikalischen Streifzug durch die Geschichte klatschend und singend mit. Soul-Legende James Cook, die Beatles aber auch Roy Black, Hildegard Knef und viele andere standen auf der musikalischen Zeit-Skala.

Spannende Seminare

Rudi Kraus vermittelte mit Teebeutel und Bumerang den Traum vom Fliegen, Roger Mayrock ließ anhand einer Bilderreihe die Ritter im Allgäu auferstehen und Florian Fastner von der Feuerwehr Kempten animierte Teilnehmer, sich mit Spritzpistole bewaffnet selbst beim Löschen auszuprobieren. 

Insgesamt gab es sechs spannende Seminare und einen Workshop zum Thema „Liebe und so Sachen“. Organisiert wurde die Wochenend-Uni wiederum von Ursula Ullemair von der Körperbehinderte Allgäu und ihrem Helfer-Team. Neun Praktikanten und fünf Hauptberufliche sorgten bei dem Lernevent für einen reibungslosen Ablauf. Die Wochenend-Uni findet in Kooperation von Körperbehinderte Allgäu (als Initiator) zusammen mit den Allgäuer Werkstätten, der Lebenshilfe und der Hochschule statt. 

Neu war diesmal das „Stopp-Schild“ zugunsten einer leichten Sprache, das die Teilnehmer hochhalten konnten sobald die Sprache der Referenten zu fachspezifisch wurde. „Es war ein erster gelungener Test“, war das Fazit von Ursula Ullemair. Das Stoppschild soll bei der Wochenend-Uni im kommenden Jahr erneut eingesetzt werden. Themenvorschläge seitens der Teilnehmer gibt es übrigens auch schon. 

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