Arbeiten immer und überall

New Work: IHK stellt Arbeitsmodelle der Zukunft vor

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Für Markus Stoll, Geschäftsführer der Stoll Gruppe, ist New Work kein Selbstzweck.
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Für Leo Peter Dobler, Prokurist bei der Bauunternehmung Dobler, bedeutet New Work, sich den wandelnden Bedürfnissen zu stellen.

Kempten – „New Work – zwischen Trend und Tradition“ unter dieser Überschrift stand der Allgäuer Fachkräftekongress im bigBOX Hotel in Kempten.

Die Kooperationsveranstaltung der IHK Schwaben mit der Allgäu GmbH fand im Rahmen der deutschlandweiten Fachkräftewoche 2018 „Menschen in Arbeit – Fachkräfte in den Regionen“ statt. Ein verändertes Selbstverständnis seitens der Arbeitnehmer und die Sicherung von Arbeitskräften durch die Unternehmen bringen als Konsequenz einen grundlegenden und strukturellen Wandel in die Arbeitswelt. New Work, Neue Arbeit, beschreibt diesen Wandel, mit dem sich auch mittelständische und kleinere Betriebe auseinandersetzen müssen.

Warum die Veranstaltung? Dazu Gerhard Schlichtherle, Vorsitzender IHK Regionalversammlung Kaufbeuren und Ostallgäu: der Fachkräftemangel ist definitiv im Allgäu angekommen, Unternehmen sehen diesen als Risiko für ihre Firma. Er ziehe sich durch alle Branchen, ganz besonders die Bereiche Pflege und Gastronomie sind davon betroffen. Aus wissenschaftlicher Sicht und mit Best Practice Beispielen näherten sich fünf Referenten dem Trend New Work. Dass man im Allgäu bei der Fachkräftesicherung die Kombination von guten Arbeitgebern und die Lebenswerte in die Waagschale legen könne, ist für Bernd Joachim, Vorsitzender der Allgäu GmbH, fast schon ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich punkten lässt. Aber es bedürfe auch weiterer Werkzeuge.

Expertin für New Work und Bloggerin Inga Höltmann, Gründerin von accelerate-academy.de, sowie der Wirtschaftsinformatiker Jan Schulze-Siebert, Businessblogger, näherten sich mit Impulsvorträgen den Themen Kulturwandel in Unternehmen, New Work und Digital Leadership. Höltmann möchte bei der von Frithjof Bergmann entwickelten Bewegung New Work nicht mehr von einem Trend reden, sondern nach ihrer Überzeugung findet in der Arbeitswelt ein totaler Wandel statt. Das „Home Office“ kennt man ja schon länger. Aber Jan Schulze-Siebert brachte auch das Modell „Workation“, Arbeit und Urlaub fließen zusammen, ins Gespräch. Solche digitalen Nomaden arbeiten überall, wo es ein verlässliches Wlan gibt, allein oder im Team. Für beide Redner schafft die aktuelle Entwicklung durch zeitliche, räumliche und organisatorische Flexibilität neue Freiräume für Kreativität und Entfaltung.

Führungskräfte dreier Allgäuer Unternehmen berichteten, wie New Work in ihren Häusern bereits erfolgreich umgesetzt wurde, welche Prozesse man in Gang bringt, die in der Wertschätzung ihrer Mitarbeiter münden. Für Peter Leo Dobler, Prokurist bei der Bauunternehmung Dobler GmbH & Co. KG heißt New Work: „Stell dich den wandelnden Bedürfnissen des Unternehmens und den Mitarbeitern“. Als Familienunternehmen, im Bauhauptgewerbe aktiv, legt man ein besonderes Augenmerk auf die Regionalität. Die Wertschöpfung aus dem eigenen Nachwuchs besitzt hohe Priorität. Am Standort Penzberg entsteht gerade ein neues Bürogebäude. „Wir wollten ein Bauwerk schaffen, was hoch flexibel ist“, so Dobler. Das wurde mit einer Konstruktion erreicht, die im Innern Wände im Modulbausystem aufweist, um auf neue Situationen schnell reagieren zu können.

Bei der Stoll Gruppe GmbH, so Geschäftsführer Markus Stoll, ist das System „Integriertes Miteinander“ installiert worden, um den Aufbau und Erhalt einer wertschätzenden Unternehmenskultur zu verstärken. „Ohne ein funktionales Netzwerk würde das Unternehmen nicht mehr existieren“, ist Stoll überzeugt. Lösungen werden in interdisziplinären Teams gefunden, die Zeit eines „Oberbestimmers“ sei vorbei. New Work ist für ihn kein Selbstzweck.

2011 hat man bei dem Unternehmen Soziale Dienste Vinzenz von Paul gGmbH die großen Pflegestationen auf familiäre Wohngruppen umgestellt. Dahinter stand die Intention, für Mitarbeiter ein angenehmes Arbeiten und gleichzeitig den Bewohnern ein schönes Zuhause zu schaffen, präzisierte Christina Pirker, Referentin Marketing und Kommunikation. New Work bedeute in ihrer Einrichtung, den Menschen zu sehen, wertzuschätzen und die Bereitschaft, ihm Wege und Räume dafür zu eröffnen. Neue Arbeit heißt für Pirker auch: „Unser Job hat Sinn“. Bei der Teamentwicklung verwendet man Prozesse aus der Industrie, angepasst auf die Pflege. Auf einem Whiteboard werden – alles händisch auf Kärtchen notiert – die drei Werkzeuge der Teamarbeit zusammengefasst: Qualifikations- und Nachfolgemanagement, laufender Verbesserungsprozess und Definition der Teamziele. Diese Umsetzung sei einfach, bringe hohe Akzeptanz und positives Feedback aus dem Team, sowie zeitnahe Ergebnisse.

Fazit New Work: jedes Unternehmen verfolgt eine eigene Philosophie, den einen Königsweg gibt es nicht. Bei New Work entstehen individuelle Lösungen für jedes Unternehmen. 

Hildegard Ulsperger

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