Würdigung mit Bild

Inge Nimz – Frau mit Durchsetzungskraft und vielen Erinnerungen

+
Seit vergangener Woche schwebt nicht mehr nur der Geist von Inge Nimz durch das Haus International, sondern sie schwebt auch darüber. Im Rahmen einer Gedenkfeier für die Hausgründerin enthüllten Künstlerin Ildokó Titkó, HI-Vorsitzende Gaby Heilinger und HI-Geschäftsführer Lajos Fischer das Bild im Saal des HI.

Kempten – „Sie wollte Brücken bauen zwischen unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Traditionen. Sie hat es geschafft“, sagte Gaby Heilinger, Vorsitzende Haus International (HI) beim Abend zum Gedenken an eine so zierliche wie energisch-beharrliche Frau, die Ideen und Überzeugungskraft hatte; an eine Frau, die „dem allgemeinen Bedürfnis nach Begegnung und Verbundenheit unterschiedlicher Menschen und Kulturen“ mit „Hingabe, Liebe und Gottvertrauen“ nachgekommen sei. Wie die vor knapp zehn Jahren im Alter von 84 Jahren verstorbene Inge Nimz, erste evangelische Pfarrerin im Allgäu, Gründerin des Haus International und des Burghaldefestes und so vieles mehr gewirkt hatte, davon berichteten an diesem Abend zahlreiche ihrer WeggefährtInnen, die auch die Ecken und Kanten der Gewürdigten nicht aussparten. 

Und neben der vielfach beschworenen Anwesenheit ihres Geistes im Hause, ist dieser nach Enthüllung eines Bildes im Saal auch sichtbar geworden. Angeregt hatte das Gemälde Lajos Fischer, seit August 2015 HI-Geschäftsführer, der fand „man könnte sagen, dass sie als Hausheilige hier in allen Räumen schwebt“. Zwar habe er sie nie kennengelernt, aber auch er spüre ihre Anwesenheit. Für das von der ungarischen Künstlerin Ildikó Titkó auf Holz gemalte Bild, hatten diverse Fotografien als Vorlage gedient. Es zeigt eine unverkennbare Inge Nimz, die mit ihrem markanten schlohweißen Haar selbstbewusst lächelnd auf einer Wolke schwebt. Lediglich eines ihrer Markenzeichen fehlt zugunsten der farblichen Komposition: ein knallbunter Schal. Kreative Gottesdienste und religiöse Dialoge waren der Germanistin und Theologin, die es nach Krieg und Vertreibung aus ihrer Geburtsstadt Königsberg schließlich nach Kempten zu den Großeltern gespült hatte, ein Anliegen. Inhalte ihrer Arbeit waren unter anderem Taizé, Liturgische Nächte, theologische Meditationen und Frauengottestdienste; aber auch sozialpolitische Probleme anzupacken, beispielsweise in ihrem Einsatz für die Bolivienhilfe. Dann, Anfang der 1970er Jahre, startete Nimz einen Arbeitskreis sowie eine Hausaufgabenbetreuung für Migrantenkinder in ihrem Wohnzimmer und legte damit die Basis für das heutige Haus International. 

In Rudi Goschler hatte sie einen Mitstreiter „der ersten Stunde“, so Heilinger, der das HI bis zu seinem Ruhestand 2015 lang geleitet hat. Schmunzeln machte sich im Saal breit, wenn die Sprache auf Gewohnheiten der tatkräftigen Frau kam, mit denen die meisten Anwesenden so ihre eigenen Erfahrungen gemacht hatten: beispielsweise ihre chronische Unpünktlichkeit, schon fast gefürchtet ausgedehnte Telefonate oder dass sie kein Blatt vor den Mund nahm, wenn Gelder für ihre Projekte nicht in gewünschter Höhe flossen. Dass die Zusammenarbeit mit Nimz immer „ein starker Wellengang“ gewesen sei, bescheinigte 3. Bürgermeister Josef Mayr; eine erste Welle: „wo bekommen wir Raum, wer baut um“ und „wann das heute vom Künstlercafé genutzten Gebäude in der Beethovenstraße bezogen werden könne.“ 

Die zweite Welle dann der Umzug in „die alte Hütte“ in der Poststraße – eine Bemerkung, die Fischer nutzte um auf den auch jetzt schlechten Zustand des Gebäudes hinzuweisen. Immer in Eile, aber „wenn ich sie schon gerade sehe“, habe sie keine Gelegenheit ausgelassen, ihre Anliegen zu platzieren, schmunzelte Mayr. „Sie wirkte auf den ersten Blick sehr sanftmütig“, erinnerte er sich auch an ihre Durchsetzungskraft.

Wolf Hennings, Pfarrer in der ev. Markuskirche, erzählte, wie die schwerkranke Nimz ihn im Krankenhaus gebeten hatte sie zu segnen. „Da lag sie mit ihren schneeweißen Haaren“ und sei ihm vorgekommen, wie ein Engel – aber dieser Engel sei einer gewesen, „der gleich die Aufgaben verteilt“, lachte er. Die Kirche habe es nicht gut mit ihr gemeint und es sei „ein hartes Brot“ für sie gewesen, sich durchzusetzen und bis zum Schluss auch ein Ärgernis für sie, „dass wir nicht zusammen Kommunion feiern“. Dass Nimz „eine Ökumenin tief im Herzen“ gewesen sei, bestätigte auch die ehemalige katholische Diözesanreferentin Ida-Anna Braun. Nimz habe zudem einen „Blick für Menschen, die benachteiligt sind“ gehabt, „nie verurteilt“, aber unter ihren mehreren Gesichtern „auch schwierige“ gehabt. Helmut Doll, kath. Pfarrer in Mariä Himmelfahrt, erzählte von den ökumenischen Pfarrunden, in denen Inge Nimz „damals die einzige Frau in dieser schwarzen Männergesellschaft“ gewesen sei. 

Sie habe zwar keine eigene Pfarrei gehabt, aber dafür „die Felder beackert, um die sich die anderen nicht gekümmert hätten. „Wenn man alle schönen Worte zusammen nimmt, wäre die Summe Inge Nimz“, würdigte Özkan Gönültas von Türk Sport. Er hatte einst unter ihrer Aufsicht seine Hausaufgaben gemacht und erklärte, dass hinter dem ins Leben gerufenen Inge-Nimz-Cup die Idee stecke, dass Kinder verschiedener Nationen zusammen spielen. „Für Frieden und Verständigung zu arbeiten, war genau das Richtige“, brachte der ehemalige Kirchenvorstand der St. Mang-Kirche Gerhard Heinlein, das Phänomen Inge Nimz auf den Punkt. Und so war das Schlussgebet auch eines, das die beiden Pfarrer zusammen mit dem türkischen Imam Hayati Sögüt und Zafer Simsek, Vorstand der Ditib-Mosche in Kempten, gestalteten. Mit wohlklingender Klaviermusik gab Ikumi Masubuchi der Gedenkfeier einen musikalisch feinen Rahmen.

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Tausende Kinder amüsieren sich beim Sport- und Familientag
Tausende Kinder amüsieren sich beim Sport- und Familientag
Der "neue" Kemptener Bahnhof wird 50 Jahre alt
Der "neue" Kemptener Bahnhof wird 50 Jahre alt
Unser Gewinnspiel zum Jubiläum: Der Kemptener Kreisbote wird 50 und verlost tolle Preise
Unser Gewinnspiel zum Jubiläum: Der Kemptener Kreisbote wird 50 und verlost tolle Preise
Die KunstNacht Kempten steht zu ihrem 5. Jubiläum unter dem Motto „Licht und Schatten“
Die KunstNacht Kempten steht zu ihrem 5. Jubiläum unter dem Motto „Licht und Schatten“

Kommentare