Wunschzettel für Europa

Etwas skeptisch war Patricia Blumrich schon, als im Februar eine Frau von der Universität Bamberg bei ihr anrief und sie fragte, ob sie sich für Europa interessiere. Sie blieb skeptisch, als die Dame sie fragte, ob sie nicht an der Europäischen Bürgerkonferenz in Berlin teilnehmen möchte. Die Vorbehalte fielen jedoch nach und nach und am letzten Märzwochenende hat die Kemptnerin sich ins Flugzeug gesetzt und zusammen mit 145 weiteren Bürgern Ideen für die Zukunft Europas gesammelt. Das Ziel war, einen Katalog mit Empfehlungen für die Europapolitiker zu erarbeiten, der direkt von den Bürgern aller EU-Länder kommt.

Das Auswärtige Amt, die Robert-Boschstiftung und die IFOK GmbH sind die Veranstalter der Konferenz in Deutschland. In allen europäischen Ländern waren jedoch die Bürger zum Mitmachen aufgefordert. Zufällig wurden Kandidaten jeden Alters und Berufsstands ausgewählt. „Die Jüngste war 18, der Älteste Jahrgang 1929“, so Blumrich. Sie trafen sich im Auswärtigen Amt in Berlin, um Ideen zu sammeln, was man in Europa besser machen könnte. Eine kleinere Delegation wird die dann im Mai nach Brüssel bringen und mit den Vertretern der übrigen EU-Länder einen endgültigen Empfehlungskatalog erarbeiten, den sie dann den Spitzen der Parteien im Europaparlament übergeben werden. Der Weg zu einem deutschen Katalog war kein leichter, erzählt Blumrich dem KREISBOTE. Konstruktive Diskussionen Am Samstagmorgen teilten sich die 146 Vertreter auf 15 Tische auf und diskutierten über das, was sie in Europa gerne ändern würden. Vor allem die Themen Bildung, Umwelt und Integration lagen Blumrich am Herzen. „Mein Tisch war toll“, erzählt sie. In sachlicher Atmosphäre gaben die Diskutanten ihre Ideen weiter an den Moderator des Tisches, der sie wiederum an eine Redaktion weiterleitete. Die stellte die Ideen dann zusammen. Nach einem gut zwölfstündigen Ideenprozess stand letztendlich eine Liste von so genannten „Ideenclustern“. Bildung stand ganz oben darauf, einheitliche Schulabschlüsse wünschten sich viele. Auch mehr Transparenz und eine europäische Lösung für die Wirtschaftskrise. Eine Videoschaltung zu den Konferenzen in Portugal und Lettland lockerte auf. „Die Letten haben uns sogar etwas vorgesungen“, erzählt die studierte Gymnasiallehrerin. Am nächsten Tag bildeten sich dann Gruppen, die die verschiedenen Themengebiete konkret ausformulierten. Ganz glücklich war die 47-jährige Kemptenerin mit ihrem Thema nicht, sie musste zusammen mit anderen ein Konzept für Wissenschaft und Forschung formulieren. Mehr Fördermittel, die Einrichtung von EU-Forschungszentren und ein verbindlicher Ethik-Kodex waren die Eckpunkte der Empfehlung, die am Ende des zweiten Tages standen. „Gerade das Thema Ethik zog sich wie ein roter Faden durch alle Themen“, erinnert sie sich. Zehn Punkte umfasste der Katalog. Am Ende wurde über jeden einzelnen abgestimmt. Rund 91 Prozent der Bürger hießen die Forschungsideen von Blumrich und ihren Mitstreitern gut. Über 98 Prozent waren der Meinung, die EU solle die Finanzmärkte regulieren. Auch einige EU-Parlamentarier, darunter Schwabens Vertreter Markus Ferber (CSU) und Experten aus der Wissenschaft, standen den Bürgern Rede und Antwort. Für Blumrich war es keine verschwendete Zeit. „Meine Ideen habe ich im Ergebnis wieder gefunden“, resümiert sie zufrieden. Zu der Zehnerdelegation, die die Empfehlungen mit denen der anderen 26 EU-Länder zusammenbringen soll, wird die Kemptenerin nicht gehören. Sie fand es jedoch „faszinierend, dass wir so viele Verschiedene Meinungen hatten und jeder das Gefühl bekam, das auch seine Meinung zählt“.

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