Plätze zur Überbrückung

KiTa Hirschdorf: Uneinigkeit über angekündigten Einzugstermin

Das ehemalige Schulgebäude in Hirschdorf, in der die Kindertagesstätte untergebracht werden soll.

Kempten – Als eine „heiße Kartoffel“ zeigte sich bei der Bürgerversammlung in Hirschdorf das Ungemach über die noch nicht beziehbare Kindertagesstätte in der ehemaligen Schule in der Laubener Straße 4, in der früher auch die KiTa der Freien Schule Albris untergebracht war

Bereits bei der Sitzung des Ausschusses für Schule und Sport am vergangenen Montag hatte Stadtrat Hans-Peter Wegscheider (ÜP/FW) darauf hingewiesen, dass Hirschdorfer Eltern in Erwartung der neuen KiTa, „ihre Plätze gekündigt“ hätten und jetzt ohne Betreuung dastünden.

„Als ich mich bei der Stadt nach einem Platz in der Kindertagesstätte Hirschdorf erkundigt habe, wurde mir zugesichert, dass die KiTa im September aufmacht“, sagt die in dem Ort wohnende Mutter Neval Jung. Mit dem Betreuungsplatz in Hirschdorf hat es zum September allerdings nicht geklappt. Die Frau hat ihre Arbeit bisher nicht wieder aufgenommen, um bei ihrer Tochter zuhause zu bleiben. Eine Freundin habe ihr zwar einen Krippenplatz angeboten, sagte sie auf telefonische Anfrage des Kreisboten, der sei aber „zu weit weg“ gewesen. Jetzt hofft die Familie auf die Eröffnung im Januar.

Diesen Termin peilt die Stadt nun an, wie ihre Vertreter bei der Bürgerversammlung sagten: „Wir rechnen mit einer Nutzung der neuen Kindertagesstätte zum Jahreswechsel“, so Oberbürgermeister Thomas Kiechle, „allen Eltern, die bedingt durch die Verzögerung ihr Kind nicht in Hirschdorf in die Kita bringen können, bieten wir für diese Zeit Alternativen an“, so ein um Ausgleich bemühtes Stadtoberhaupt.

Nach Schließung des Kindergartens der Freien Schule Albris im fraglichen Gebäude hatten die Verantwortlichen im Angesicht der Flüchtlingswelle 2015 beschlossen, die Liegenschaft zukünftig als Unterbringungsmöglichkeit für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge zu nutzen. Hierfür wurde ein Brandschutzgutachten angefertigt. Hernach wurde das das Haus für die neue Nutzung bezugsfertig gemacht. Weil die Bewohner ausblieben, wurde es aber doch nicht als Flüchtlingsunterbringung genutzt. Die Stadt beschloss, den ehemaligen Kindergarten in eine Kindertagesstätte umzuformen.

Das war im April dieses Jahres. „Uns war damals schon klar, dass der Termin eine sportliche Herausforderung werden würde und dass nichts schiefgehen dürfe, um ihn einzuhalten“, sagt Marion Haugg, Amtsleiterin für Kindertagesstätten, Schulen und Sport beim Telefonat mit dem Kreisboten. „Es könnte sein, dass damals im Ausschuss ein Datum genannt wurde, das fälschlicherweise als fix verstanden wurde.“ Über Mund-zu-Mund-Propaganda der Eltern sei in Umlauf gekommen, am 1. September würde sicher eröffnet, erklärt Haugg weiter.

Auch Benedikt Mayer, Referatsleiter für Jugend, Schule und Soziales beteuert: „Von meiner Seite ist nichts bekannt, dass der 1. September zugesichert wurde.“ Er sei zweimal mit den betroffenen Eltern vor Ort gewesen. „Es war ganz klar, wie die Sache abläuft“, sagt er.

In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Juli legte das Amt dar, dass die KiTa am 1. September nicht bezugsfertig sein kann. Die Suche nach einem Träger hatte sich als langwierig erwiesen, weil wenig Interesse bestanden habe. Es sei völlig klar gewesen, dass der Träger mehr als einen Monat Zeit braucht, um Personal zu finden. Auch habe eine Nutzungsänderung beantragt werden müssen. Es würde noch gewartet, bis das Amt für Hochbau das erstellte Nutzungs- und Raumkonzept absegne, bevor der Bau ausgeschrieben werde, hieß es damals.

Von der Sache betroffen ist auch Familie El Haussaire Quasson. Die zweieinhalbjährige Tochter ist derzeit „Gastkind“ in Lauben. „Da die Laubener die Plätze jetzt aber für Kinder aus der eigenen Gemeinde brauchen, kann unsere Tochter dort jetzt nicht mehr hingehen“, sagt der Vater, „deshalb brauchen wir den Platz in Hirschdorf.“ Die Laubener hätten die Frist schon bis Ende Dezember verlängert, weil es Hirschdorf noch keinen Platz gebe, erklärt er weiter. Was hält er von dem Angebot der Stadt, alternative Plätze für die Zwischenzeit anzubieten?

„Als klar war, dass September nicht klappt, wurde uns schon Mitte Juni schon ein Platz in Durach angeboten, aber das ist für uns nicht praktikabel: Zuerst quer durch die ganze Stadt, dann zur Arbeit, danach wieder nach Durach und zurück nach Hirschdorf“, sagt er. Für ihn spielen auch die vielen Wechsel eine Rolle, die für die Kinder schwer seien. „Die Kinder sind immer erst fremd, vier Wochen dauert die Eingewöhnung“, sagt er, „das möchten wir unserer Tochter nicht zumuten.“ Die Stadt hilft ihnen nun, mit der Gemeinde Lauben zu verhandeln, um ihren dortigen Platz zu verlängern.

Derzeit hängt die Causa „Kita“ am Brandschutzgutachten. Obwohl das Gebäude bereits als Kindergarten genutzt worden war, musste der Brandschutz neu bewertet werden. „By-pass-Türen­ wurden rückgebaut, Wände verändert, das sieht der Brandschutz kritisch“, erklärte Amtsleiterin Haugg.

Referatsleiter Mayer erklärt, dass das ein ganz normaler Vorgang ist. „Auch bei bestehenden Einrichtungen kommt regelmäßig der Brandschutzgutachter und überprüft den Schutz“, sagt er.

Ende der vergangenen Woche wurde das Gutachten erstellt. Anfang dieser Woche sollte es im Amt eintreffen. Auf seinem Ergebnis fußt nun das weitere Vorgehen. Wenn die Möbel bestellt sind, kann die Lieferfrist bis zu 14 Wochen betragen. „Für zwölf Kinder kann man aber eine Übergangslösung finden“, ist sich Mayer sicher. Auch er berichtet, dass bei der Bürgerversammlung an seinem Forentisch die Fertigstellung der Kita das Thema des Abends gewesen sei. Mayer sicherte den Betroffenen zu, die Dinge schnellstmöglich zu sortieren und Eltern für die Zeit der Überbrückung, Stichwort „Jahreswechsel“, Alternativen anzubieten.

Dass das klappt, darauf verlassen möchte sich Neval Jung nicht. „Wir gehen auf Nummer sicher. Wir haben unsere Tochter auf der Halde angemeldet, demnächst gebe ich die Papiere auch in Leubas ab, wo ich den Kindergarten auch schon angeschaut habe“, sagt sie. Ihre Hoffnung: ab Januar wieder arbeiten gehen zu können.

Jörg Spielberg/Susanne Kustermann

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