Rockmusik und der Kampf für mehr Menschlichkeit

Ein Gespräch mit Gitarristin Yasi Hofer über die Kraft von Zielen und ihren Mentor Steve Vai

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Am 7. Dezember kommt Yasi Hofer in die kultBOX.

Kempten/Illerbeuren – Yasi Hofer ist eine Magierin an der E-Gitarre. Mit ihrem Spiel hat sie sogar einen der besten Gitarristen aller Zeiten – Steve Vai – beeindruckt. Am 7. Dezember kommt Yasi Hofer in die kultBOX.

Mit dem ­Kreisboten sprach die mittlerweile international bekannte Illerbeurerin über die Kraft von Zielen, über ihr Engagement als Tierrechtlerin und über Steve Vai, der inzwischen ihr Mentor ist. Mit dem Kreisboten sprach die mittlerweile international bekannte Illerbeurerin über die Kraft von Zielen, über ihr Engagement als Tierrechtlerin und über Steve Vai, der inzwischen ihr Mentor ist.

Yasi, immer wenn ich ein Bild von dir sehe, dann erinnert mich das ein wenig an Lisa Persson von Roxette. Ich hoffe, das ist ein Kompliment für dich.

„Hm, da hab ich grad niemanden vor Augen. Man vergleicht mich auch gerne mit Annie Lennox.“


Roxette ist eine schwedische Band aus den 80ern oder 90ern. Wahrscheinlich bist du zu jung, um sie zu kennen. Du bist 24 oder?

„Seit Neuestem bin ich 25.“


Herzlichen Glückwunsch! Lisa war auf jeden Fall eine Heldin meiner Jugend mit „How do You do“ und „The Look“. Wer sind denn die Helden deiner Jugend?

„Als Kind habe ich natürlich die unvermeidlichen Back Street Boys und solche Sachen gehört. Aber als ich angefangen habe, Gitarre zu spielen, war das gleich der große Steve Vai.“


Du warst also schon früh begeistert für Instrumentalmusik, die du ja auch selber machst.

„Ja, eigentlich sofort, nachdem ich angefangen habe, Gitarre zu spielen. Mein Lehrer hat mir damals eine DVD von Steve Vai gezeigt. Vorher wusste ich gar nicht, dass es Musik ohne Gesang gibt und dass die Gitarre aber klingt wie Gesang und ihn ersetzt. Davon war ich so fasziniert, dass ich gleich in diese Welt eingetaucht bin.“


Siehst du es auch heute noch so, dass die Gitarre den Gesang ersetzt?

„Es ging mir sehr lange so. Ich habe die letzten acht Jahre hauptsächlich Instrumentalmusik gehört. Mich hat der Gesang sogar oft gestört. Über diesen Punkt bin ich Gott sei Dank wieder hinaus. Jetzt habe ich Steven Wilson und Porcupine Tree entdeckt. In den Songs ist der Gesang so platziert, dass er perfekt in das jeweilige musikalische Konzept passt. Da wirkt es echt mega! Es kommt also auch darauf an, wen man gerade hört.“


Auf deinem zweiten Album „Faith“ singst du ja auch mehr als auf deinem ersten.

„Ja. Das kann man so sagen. Es gibt Dinge in der Welt, die mich stören und die ich zu sagen habe. Darüber schreibe ich Texte, die dann eine Weile herumliegen. Dann kommen automatisch auch Songs mit Gesang.“


Was stört dich zum Beispiel?

„Massentierhaltung. Die komplette Landwirtschaft. Dass wir überhaupt Tiere essen, das ist mein Hauptthema. Ich bin seit vielen Jahren vegan und habe mich immer mehr eingelesen, darüber was eigentlich los ist und was hinter verschlossenen Stalltüren passiert. Ich bin jetzt auch aktive Tierrechtlerin. Mir fehlt einfach das Verständnis dafür, dass wir akzeptieren, dass Tiere schlecht gehalten und geschlachtet werden. Es beschäftigt mich jeden Tag, dass viele einfach wegschauen und es verdrängen. Damit verbunden ist ja das Thema Umwelt, die wir gerade zerstören. Dabei ist es aber schwer, alle Schuld von mir zu Weisen. Ich kaufe mir ja auch alle zwei Jahre ein Smartphone, habe einen Holztisch. Es muss ja auch irgendwo herkommen. Ich finde aber, dass wir Menschen probieren müssen, wieder mehr Rücksicht zu nehmen: Auf die Mitmenschen, auf den Planeten, die anderen Lebewesen.“


Glaubst du, dass deine Musik etwas verbessern kann?

„Ich spreche das Tierleid und die Massentierhaltung auf meinen Konzerten an. Und es kontaktieren mich immer mehr Leute, die wegen meiner Worte Vegetarier oder sogar Veganer geworden sind. Viele recherchieren dann selbständig im Internet und denken darüber nach. Es freut mich natürlich, zu wissen, dass ich da was erreicht habe. Selbstverständlich könnte zum Beispiel Robbie Williams noch mehr Menschen ansprechen. Aber ich bin froh um jeden, der sich meine Worte anhört und darüber nachdenkt.“


Wie groß sind deine Konzerte?

„Es kommt darauf an. Zwischen 100 und 200 Leuten sind es meist. Ausnahmen mit 600 gibt es aber auch oder noch viel mehr, wenn wir auf Festivals spielen dürfen. Ich hoffe natürlich, dass möglichst viele in die kultBOX kommen.“ (lacht)


Ich habe gelesen, dass du in Illerbeuren wohnst.

„Ja genau. Seit vier Jahren wohne ich dort. Geboren bin ich in Dornstadt bei Ulm, dann war ich in Stuttgart und Boston und dann hat es mich ins schöne Allgäu verschlagen. Und das ist sehr gut!“


Warum?

„Zum einen wollte ich aus Dornstadt wegkommen. Wegen Stuttgart 21 wurden dort alle Tunnel dichtgemacht. Ich habe zwei Hunde, mit denen konnte ich dann nicht mehr wirklich Gassi gehen. Und ich habe Abstand gesucht – einen Ort, an dem ich mich komplett zurückziehen kann, wo ich Wald um mich habe und morgens erst einmal zwei Stunden in der Natur laufen kann. Das habe ich hier gefunden.“


Inspirieren dich deine Spaziergänge für deine Musik?

„Es ist nicht so, dass ich durch den Wald laufe und ein Baum mich auf eine Songidee bringt. Ich glaube zwar, dass die Ruhe in der Natur die Kreativität grundsätzlich unterstützt. Konkrete Ideen bekomme ich aber meistens, wenn ich eine Gitarre in den Händen habe. Es ist aber auch schon passiert, dass mir eine Melodie gekommen ist, als ich während einer Sternschnuppennacht draußen saß. Die habe ich gleich auf mein Handy aufgenommen und zu dem Song Cosmic Stars (auf Faith) gemacht.“


Das klingt schön. Damit verbindest du dann gleich eine bestimmte Stimmung.

„Genau. Das sieht man meistens an den Songtiteln. Bei Instrumentalmusik ist es manchmal nicht so einfach, den Hörern zu suggerieren, welche Stimmung man vermitteln möchte. Der Titel ist dann ein Hinweis darauf.“


Wie gehst du beim Schreiben genau vor?

„Meistens fängt es wie gesagt mit einer Melodie an. Ich mache dann kleine Videos – ich habe bestimmt 2000 mit lauter kleinen Ideen, die ich ausarbeite, wenn ich Zeit habe. Manchmal komme ich super weit und mache einen halben Song innerhalb von zwei Tagen und manchmal liegt die Idee ein halbes Jahr da. Wenn ich die Videos durchschaue, bemerke ich dann manchmal, dass Ideen zusammenpassen, es ist ganz unterschiedlich. Letzte Woche habe ich zum Beispiel innerhalb von drei Tagen zwei Songs geschrieben. Sonst arbeite ich meistens Stück für Stück über ein Jahr.“


Der Titel deines aktuellen Albums heißt „Faith“. Verbindest du eine Botschaft damit?

„Ja, auf jeden Fall. Der Titel ist vielschichtig für mich. Hoffnung ist etwas, das alle Menschen brauchen. Die Songs sind alle zustandegekommen, als ich so richtig als Tierrechtlerin aktiv geworden bin. Das Ganze hat mich überfordert. Ich war niedergeschlagen und habe mir überlegt, dass der einzige Weg, diese Arbeit durchzuhalten, der Glaube und die Hoffnung daran ist, dass ich etwas verändern kann. So muss man alles angehen. Ohne Hoffnung, dass sich etwas bessert, wird man auch nicht schaffen, etwas zu ändern. „Faith“ heißt ja auch ein Song auf dem Album, mit dem ich probiere, die Stimmung rüberzubringen. Das Lied war für mich das stärkste und so hat sich automatisch der Albumtitel ergeben.“


Auf dem Album spielst du auf einer siebensaitigen Gitarre. Wie unterscheidet sich das vom Spielen eines sechssaitigen Instruments?

„Durch eine zusätzliche tiefe H-Saite hat man ein größeres Notenspektrum zur Verfügung, kann tiefer und „heavier“ spielen. Im Heavy-Metal-Bereich würden, glaube ich, die meisten Musiker 7-Saiter spielen. Und das Instrument war eine neue Art, mich zu inspirieren.“


Das klingt nach einer großen Umstellung.

„Ja das ist es. Ich habe die Gitarre seit 2013. Daran sieht man, wie lange es gedauert hat, das Instrument zu beherrschen. Es verändert einfach alles, wenn man sechs Jahre lang mit sechs Saiten spielt und dann plötzlich eine siebte Saite dazukommt. Die Umstellung ist heftiger, als ich es mir vorgestellt hatte. Meine Hand ist ja nicht so groß. Aber ich nehme die Herausforderung gerne an und hoffe, dass es bald so läuft, wie auf der anderen Gitarre.“


Es hört sich auf jeden Fall gut an. Du warst ja auch auf dem renommierten Berklee College of Music in Boston, allerdings nur ein Jahr. Möchtest du noch einmal auf die Schule gehen?

„Ich möchte natürlich sofort. Auf dem Berklee hatte ich jeden Tag 20 Stunden Zeit für Musik. Und man hatte das Instrument gefühlt zehn Stunden am Tag in der Hand. Dadurch war ich natürlich fit. Heute bin ich dankbar, wenn ich noch fünf Stunden am Tag Zeit zum Üben habe. Andererseits will ich mir jetzt etwas aufbauen und freue mich, zu touren. Insofern ist ein Schulbesuch jetzt erst einmal nicht drin.“


Du kommst nach Kempten. Hast du dort schon einmal gespielt?

„Ja, mit voXXclub und früher schon mit Helter Skelter. Mit meiner eigenen Musik bin ich zum ersten mal da. Ich freue mich, weil die kultBOX schon was Besonderes ist. Es gibt so ein paar Locations, die ich als Ziel habe.“


Was ist noch so eine Location?

(Lacht) „Ich stecke mir immer große Ziele und so möchte ich gerne einmal in der Royal Albert Hall in London spielen.“


Na ja gut, du hattest dir ja auch vorgenommen, Steve Vai zu treffen – und es hat geklappt.

„Ja. So geht es mir mit vielen Dingen. Auch das Studium am Berklee war über viele Jahre mein Traum. Ich bin ein bisschen spirituell und glaube, dass man mit der Kraft der Gedanken viel erreichen kann. Auf meine Ziele arbeite ich gezielt hin – und dann: Mal schauen.“

Na dann, wünsche ich viel Erfolg und viel Spaß in Kempten!

Karten fürs Konzert sind auf www.bigboxallgaeu.de, in der ticketBOX der bigBOX Allgäu, bei den Vorverkaufsstellen von Kaufmarkt (Isny, Allgäuer Bilderdienst im Fenepark), beim Kreisboten, aufwww.eventim.de oder in der ticketBOX telefonisch unter 0831/57 055 33 erhältlich.

Susanne Kustermann

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