4600 Suchende auf 6200 angebotene Stellen

2017 deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber

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Bei den Jugendlichen gefragt war dieses Jahr vor allem der Beruf des Industriemechanikers. Im Angebot waren aber mehr Ausbildungsplätze zur/zum Kauffrau/mann im Einzelhandel.

Kempten/Oberallgäu – „Auch in diesem Jahr ist der Ausbildungsmarkt wieder ein Bewerbermarkt.

Rein rechnerisch betrachtet besteht für die gemeldeten Jugendlichen ein deutliches Überangebot an gemeldeten Lehrstellen, sodass die Chancen für einen gelungenen Einstieg in die Berufswelt sehr gut sind. Gleichzeitig wird es für bestimmte Branchen und insbesondere für kleine Betriebe immer schwerer, geeignete Nachwuchskräfte zu gewinnen“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Das Beratungsjahr der Berufsberater umfasst stets den Zeitraum 1. Oktober bis 30. September des jeweiligen Folgejahres. Danach zieht die Agentur für Arbeit gemeinsam mit IHK und Handwerkskammer Bilanz.

Im zu Ende gegangenen Beratungsjahr meldeten sich etwas mehr als 4600 junge Menschen bei der Arbeitsagentur, die sich für eine Ausbildung interessierten. Dies waren nahezu gleich viele wie im Vorjahr. Etwa 70 Prozent davon haben in diesem Jahr die Schule verlassen, etwa 30 Prozent bereits in den Vorjahren. Deutlich über 80 Prozent der Interessenten um einen Ausbildungsplatz sind unter 20 Jahre. Hingegen sind auch fast vier Prozent (182) der Bewerber 25 Jahre und älter.

Während sich die Berufswünsche der Bewerber vor allem auf die Berufe Industriemechaniker (304), Industriekaufmann/-frau (206), Kauffrau/-mann im Büromanagement (257), Kauffrau-/mann im Einzelhandel (241), Verkäufer/-in (225) und Kfz-Mechatroniker/-in, PKW-Technik (176) konzentrieren, sind die häufigsten angebotenen Stellen Kaufmann/-frau im Einzelhandel (450), Hotelfachfrau/-mann (278), Koch/Köchin (272), Kauffrau/-mann im Büromanagement (235) und Industriekaufmann/-frau (228) sowie Industriemechaniker/-in (224).

Von Seiten der Betriebe wurden mit circa 6200 Ausbildungsstellen insgesamt wieder annähernd gleich viele Lehrstellen gemeldet wie im Vorjahr.

Zwölf Prozent mehr offene Stellen als 2016

Zum Bilanzstichtag am 30.9.2017 suchten noch 81 Jugendliche einen Ausbildungsplatz – ähnlich viele wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Gleichzeitig waren aber noch gut 750 offene Lehrstellen zur sofortigen Besetzung gemeldet – gut zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei den 81 Ende September noch suchenden Jugendlichen handelt es sich bei 37 um unter 20-jährige Bewerber, 31 waren zwischen 20 und 24 Jahre alt, 13 waren über 25 Jahre. Nur elf Bewerber verfügten nicht über einen Schulabschluss, die anderen konnten mindestens den Mittelschulabschluss vorweisen, neun sogar die Allgemeine Hochschulreife.

Während bei den Ausbildungssuchenden insgesamt die männlichen Bewerber die deutliche Mehrheit darstellen (2720 Jungen, knapp 1900 Mädchen), kehrte sich zum Bilanzzeitpunkt das Verhältnis um: noch 52 männliche und 29 weibliche Jugendliche befanden sich weiter auf der Suche nach dem gewünschten Ausbildungsplatz.

Die Ende September noch auf Lehrstellensuche befindlichen 81 jungen Menschen wollten folgende Berufe erlernen: Verkäufer/-in (8), Bürokauffrau/-mann (7), Friseur/-in (4), Medizinische(r) Fachangestellte(r) (4), Industriekauffrau/-mann (4), Kaufmann/-frau im Einzelhandel (4), Fachlagerist/-in (4), Maler/-in Lackierer/-in, Gestaltung/Instandhaltung (3), Industriemechaniker/-in (3), Gärtner/-in, Garten- und Landschaftsbau (3).

Die gut 750 noch zur Verfügung stehenden Stellen konzentrierten sich hingegen auf folgende Berufe: Köchin/Koch (76), Hotelfachfrau/-mann (67), Hotelfachmann/-frau (71), Restaurantfachmann/-frau (42), Verkäufer/-in (34), Fachverkäufer/-in Lebensmittelhandwerk, Fleischerei (34), Anlagenmechaniker/Sanitär/Heiz-Klimatechnik (31), Maurer/-in (24), Fachverkäufer/Lebensmittelhandwerk, Bäckerei (21), Elektroniker/-in, Energie-/Gebäudetechnik (19).

„Um den offensichtlichen Bedarf der Betriebe zu decken, unterstützen wir Betriebe auch bei der Suche nach möglichen Alternativen zur Gewinnung von Fachkräften für die Zukunft, zum Beispiel über die betriebliche Umschulung von Erwachsenen oder durch die Qualifizierung von Beschäftigten“, so Amtmann.

Stets gilt es zu berücksichtigen, dass es sich bei diesen Ergebnissen auf Bewerber- und Stellenseite lediglich um eine Stichtagsbetrachtung zum 30. September 2017 handelt. Auch nach diesem Zeitpunkt setzten und setzen die Berufsberaterinnen und Berufsberater im Rahmen von Nachvermittlungsaktionen alles daran, den verbliebenen Bewerbern eine Einmündungsmöglichkeit in Ausbildung zu eröffnen. Auch werden die Jugendlichen in die Vermittlungsaktivitäten einbezogen, die die Ausbildung bereits wieder abgebrochen haben.

Handwerk punktet bei den Jugendlichen

Die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) zieht für das Ausbildungsjahr 2017 eine positive Bilanz. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist gegenüber dem Vorjahr um 8,3 Prozent gestiegen. Damit liegt Schwaben deutlich über dem bayerischen Schnitt von 2,1 Prozent und dem Bundesschnitt von 2,9 Prozent. Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben (HWK), nennt dafür folgende Gründe: „Ganz offensichtlich findet momentan ein Umdenken in Richtung handwerkliche Ausbildung statt. Eltern erkennen immer öfter, dass ihren Kindern mit einer Berufsausbildung alle Wege offen stehen – und zwar passend zu ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten. Die Jugendlichen entscheiden sich für eine Ausbildung, weil sie im Handwerk attraktive Karrieremöglichkeiten erkennen.“

Hinzu kommt, dass viele Betriebe nach einer Pause wieder in die Ausbildung einsteigen oder das erste Mal ausbilden. Nach wie vor steht die Fachkräftesicherung ganz oben auf der Agenda der Firmen. Der Nachwuchs wird immer stärker im eigenen Haus qualifiziert und für verantwortungsvolle Aufgaben vorbereitet. Bis zum Jahresende kann noch mit einer Ausbildung gestartet werden. In der Lehrstellenbörse der HWK Schwaben werden aktuell noch 343 Stellen angeboten.

Naturgemäß prägen Eltern die Berufsentscheidung ihrer Kinder und favorisieren eine akademische Laufbahn, selbst wenn das Kind gerne eine duale Ausbildung angehen würde. Erfreulicherweise ist inzwischen eine Trendwende erkennbar und es steigt das Bewusstsein, dass mit einer Berufsausbildung alle Wege offen stehen. Dabei spielen die persönlichen Fähigkeiten und Talente eine große Rolle. Dies bestätigt auch das Plus an Abiturienten, die eine Ausbildung beginnen und ihre Berufsperspektive im Handwerk sehen. 47 Prozent der Verträge wurden von Mittelschul-Absolventen abgeschlossen; 34 Prozent von Besitzern eines Mittleren Schulabschlusses, neun Prozent von Abiturienten und sieben Prozent von Menschen ohne Mittelschulabschluss. Dabei punktet das Elektro- und Metallgewerbe mit rund 45 Prozent aller Verträge. 19 Prozent der Verträge wurden im Baugewerbe geschlossen.Aufgeschlüsselt nach Regionen liegt das Unterallgäu mit einem Plus von 27 Prozent mehr abgeschlossenen Handwerks-Ausbildungsverträgen klar vorn. Im Oberallgäu sind es 9,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

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