TiK: Das neue Programm ist da

"Alles fließt" in der Jubiläumsspielzeit

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„Alles fließt“ im Spielplan 2017/18.

Die Wünsche des Publikums bleiben im TiK nicht ungehört. Sichtbar zum Beispiel im neuen und deutlich übersichtlicheren Programmbuch, dessen Inhalt diese Woche der Presse vorgestellt wurde.

Statt der zum Teil heftig kritisierten Fotos von Grusel-Masken aus einem der Maskenbildner-Workshops im noch aktuellen Jahrbuch, zieren es diesmal friedvolle Fotos, die „Töchter Kemptens beim Unterwasser-Shooting“, ebenfalls nach einem Maskenbildner-Workshop, zeigen. „Panta rhei“ eben – „alles fließt“ – auch hier. 

OB Thomas Kiechle freute besonders ein Ergebnis aus der „kontinuierlichen Aufbauarbeit“ über „sehr gewinnbringende Jahre“ hinweg: Das Angebot im TiK werde nicht als etwas Elitäres angesehen, sondern sei „in allen Schichten der Bevölkerung verankert“ und spiele „eine unglaubliche Rolle“ für die Attraktivität der Stadt. „Panta rhei – dafür, dass immer etwas Neues entsteht“, meinte er.

Eingeflossen ist natürlich nicht nur Kritik, sondern auch das, was das Publikum in der zu Ende gehenden Spielzeit schätzte. So kann sich die Künstlerische Leiterin Silvia Armbruster unter anderem über ein Auslastungs-Plus von rund zehn Prozent, vor allem im Bereich Kinder- und Jugendtheater, freuen. Hier wurde deshalb das Angebot weiter ausgebaut. Neben Theateraufführungen von Klassikern wie „Schneewittchen“ bis zur Heldengeschichte „Herakles hat frei“ gibt es erstmals die neue, wenn auch noch recht kleine, Reihe „Musik für Kinder“, die dem Nachwuchs die Welt der klassischen Musik nahebringen soll; heuer durch „Nussknacker und Mäusekönig“ (für Kinder ab fünf Jahren) sowie „1001 Nacht“ (für Kinder ab acht Jahren). Regelrecht „überrannt“ worden sei man bei den Schulvorstellungen, nannte Sandra Schmidbauer, zuständig für die Reihe „Junges TiK“ über 1000 Schüler mehr als im Jahr davor. Auch hier wurde deshalb aufgestockt und neu: das mobile Klassenzimmerstück ­„Chica Chica“ von Maarten Bakker, eine Eigenproduktion mit Erika Ceh und Jasmin Herzhoff (bekannt aus „An der Arche um Acht“), das von Schulen für Aufführungen im eigenen Haus gebucht werden kann.

„Wirtschaftlich zwar nicht optimal“, aber im Sinne des Publikums werden auch weiterhin einige Produktionen nicht auf der großen Bühne, sondern im TheaterOben gezeigt, dafür öfter. Aus den bereits erfolgreich gelaufenen Stücken werden wieder zu sehen sein „Die Marquise von O.“, die beiden auch auf anderen Festivals erfolgreich gespielten Stücke „Malala – Mädchen mit Buch“ und „Dschihad – One Way“ sowie der Publikumsrenner „An der Arche um Acht“. Fortführen will Armbruster auch die zahlreichen und weiter ausgebauten Kooperationen, das Workshop-Angebot.... – alles fließt.

Als Besonderheit zur Eröffnung der Jubiläumsspielzeit ist eine Doppelpremiere geplant: Zwei Frauen aus der griechischen Mythologie, zwei Blickwinkel auf den Krieg. Einen ernsten Ansatz gibt es bei „Kassandra“ nach Christa Wolf (Theater Wahlverwandte und Staatstheater Kassel) und einen satirischen bei „Die schöne Helena – Plädoyer für eine ‚Schlampe’“ von Miguel del Arco mit der Diseuse Georgette Dee (Renaissance-Theater Berlin). Ein Wiedersehen gibt es mit der Familie Flöz und ihrem „Hotel Paradiso“ und für „Ehepaare in der Krise“ empfiehlt die Theater-Chefin das Beziehungskabarett „Sex & Reden“. Weitere Empfehlungen: „Die Päpstin – Das Ballett“ (Mainfranken Theater Würzburg), eine Choreographie von Anna Vita, die „ganz aus dem klassischen Bereich“ komme; das Theatercafé Spezial „Reformation & Rebellion“ mit von Dorothea Grießbach für „Die lange Nacht der Weltreligionen“ des Thalia Theater Hamburg zusammengestellten Texten; Frau Luther bzw. Katharina Bora (Barbara Kratz/ Freies Werkstatt Theater, Köln) plaudert aus ihrer Ehe, während sie Originalrezepte kocht – für die Zuschauer.

Auch Eigenproduktionen stehen wieder auf dem Spielplan. Einmal „Das Original“ von Stephen Sachs, in Kooperation mit der Württembergischen Landesbühne Esslingen, in dem es um den Kunst- und Fälschermarkt geht; einen „bösen satirischen Text“, der das „Verhältnis von Ösis, Ossis und Wessis beleuchtet“ verspricht Armbruster bei ihrer Inszenierung von „Cordoba – Das Rückspiel“, ein Titel, bei dem es mindestens bei Fußballfans klingeln dürfte; einen wahren Allgäuer nimmt sich Armbruster in der Inszenierung „Heinrich von Kempten“ vor, nach einem Text aus dem 13. Jahrhundert. „Wie wir damit umgehen, dass nackte Männer aus dem Zuber springen, kann ich Ihnen noch nicht sagen“, kokettierte sie. Und unter der Regie von Johanna Hartmann nehmen sich Mitglieder des Interkulturellen TiK-Theaterclubs die Inszenierung von „Story: Troja! ­Telling....“ vor.

Opulente Meisterkonzerte

Die Saison des für ihn nunmehr 54. Jahres der Meisterkonzerte bezeichnete Organisator Dr. Franz Tröger als „vielleicht nicht die Beste, aber die opulenteste“. Was normalerweise finanziell gar nicht machbar sei, habe sich für diese Saison günstig gefügt und so wird es drei Symphoniekonzerte geben, eines davon mit dem Shanghai Philharmonic Orchestra.

Den Wunsch, neben zwei chinesischen Stücken unter anderem auch die 5. Sinfonie von Beethoven spielen zu wollen, habe es damit begründet, dass ihnen „der revolutionäre Charakter“ des Stückes liege, wie Tröger schmunzelnd erzählte.

Freuen dürfen sich Klassikliebhaber ferner einmal mehr auf ein Konzert mit dem Geiger Benjamin Schmid und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, die unter anderem ein Violinkonzert von ­Ermanno Wolf-Ferrari spielt, das laut Tröger „so gut wie nie aufgeführt wird“. Weitere Termine – auch immer wieder mit Raritäten – bestreiten das Linos Ensemble mit Mezzosopranistin Marion Echstein, der Cellist Christian Poltéra mit Alasdair Beatson am Klavier, die Pianistin Lisa Smirnova mit dem Kammerorchester Arpeggione..... und das Danel-Quartett mit dem Pianisten Oliver Triendl, vielen bekannt als Künstlerischer Leiter des Kammermusikfestivals „Classix“, das, so Tröger, in diesem Jahr das Thema „Komponistinnen“ beleuchte. Ein Konzert mehr gibt es in der Klavierreihe „Solopiano Reciaval“, sodass neben einem Abend mit Kevin Kenner, einem mit Janina Fialkowska auch das Klavierduo „Ariadita“ zu hören sein wird, bestehend aus Ariane Haering – Gattin des Geigers Benjamin Schmid – und Ardita Statovic.

Wie „Classix“ erfreut sich auch der Kemptener Tanzherbst im Oktober wieder der Kooperation mit dem Theater. Auch in diesem Jahr will Organisator und Künstlerischer Leiter Richard Klug nicht nur Hochkaräter aus der nationalen und internationalen Tanzszene präsentieren, sondern auch für die „Semi-Profi-Tanzszene aus der Region“ Plattform sein.

Zwölf Konzerttermine dazu zwei für Kinder, 23 Produktionen in der Sparte Schauspiel und Komödie, 20 in der Rubrik Kinder- und Jugendtheater, zwölf klassische Konzerte plus zwei für Kinder; allein mit den jährlichen Festivals „Classix“, „Tanzherbst“ und „Jazzfrühling“ drei große Kooperationen, nicht zu vergessen die vielen kleineren und/oder einmaligen – eine reiche Auswahl, um sich dem Fluss, dem Entstehen von immer wieder Neuem, hingeben zu können. „Panta rhei!“

Christine Tröger

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