Historische Schätze geborgen

Zeitkapsel der Kemptener Basilika geöffnet

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Die Leiterin des staatlichen Hochbauamtes Kempten Cornelia Bodenstab und Stadtpfarrer Mon- signore Dr. Bernhard Ehler präsentieren den Inhalt der Zeitkapsel aus der vorletzten Jahrhundertwende.

Kempten – Zeugnisse aus dem Jahr 1899 kamen nun bei Sanierungsarbeiten der Basilika St. Lorenz ans Licht, nachdem die Zeitkapsel aus der Turmzier geborgen und geöffnet wurde.

Ein Stadtplan, das Adressbuch von 1899, die Bauplanung für die um die vorletzte Jahrhundertwende aufgestockten Türme, kunstvolle Fotografien sowie der Spendenaufruf und die Spenderliste zur Finanzierung der seinerzeit 82.000 Mark teuren Baumaßnahme waren in dem verlöteten Kupferzylinder enthalten.

Die Leiterin des staatlichen Hochbauamtes Kempten Cornelia Bodenstab und Stadtpfarrer Monsignore Dr. Bernhard Ehler präsentierten am Donnerstag den Inhalt. Gleichzeitig stellten sie vor, welche Zeitzeugnisse der neuen Zeitkapsel beigegeben werden. „Dass die Türme der Basilika erst 120 Jahre alt sind, und nicht zurückgehen ins 17. Jahrhundert, ist den Kemptenern bekannt. Wenn man jedoch bei den Bauarbeiten auf eine echte Zeitkapsel mit Dokumenten aus dem Jahr 1899 stößt, führt dies noch einmal vor Augen, welcher Kraftakt hinter der Vollendung der heutigen Basilika gesteckt hat“, stellte Cornelia Bodenstab eingangs fest. Neben den Fotografien von den Mitgliedern des Kirchenverwaltungsrates, der Stadtkapläne und des damaligen Stadtpfarrers Anton Mößmer (1854-1911) kam auch ein Alpenvereinsausweis zum Vorschein. Für die Bauverwaltung sei das Kernstück jedoch die 16-seitige Projektbeschreibung und das Gutachten des „königlichen Bauamtmanns“ Hugo Höfl, so Bodenstab.

Es beschreibe und begründe ausführlich die Maßnahmen zur Aufstockung der Kirchtürme von St. Lorenz auf 65 Meter Höhe, die Ende 1900 fertiggestellt wurden, und die Stadtpfarrer Mößmer als „zu plump“ beschrieben habe, stellte Monsignore Dr. Ehler fest.

Die neue Zeitkapsel, die voraussichtlich Ende Januar in die Turmzier gegeben wird, soll nun mit der Beschreibung der Restaurierungsmaßnahmen, der Kostenaufstellung der Sanierung, einer Zwei-Euro-Münze mit der Abbildung der Hauptstadt Berlin sowie der Kopie der päpstlichen Urkunde über die Erhebung der Kirche St. Lorenz zur päpstlichen Basilika minor aus dem Jahr 1969 befüllt werden.

Außerdem werden Zeitungsartikel über den Baufortschritt der Sanierung hineingegeben, die gleichzeitige Orgelsanierung wird dokumentiert, drei Pfarrbriefe sollen Zeugnis über das Gemeindeleben der 6500 Katholiken zählenden Pfarrei geben. Darin werden unter anderem die großen Ereignisse aus dem Jahr 2017 erwähnt, die Menschenkette durch die Innenstadt anlässlich des Reformationsjubiläums zwischen der evangelischen St.-Mang-Kirche und der Basilika oder der Besuch des Schreins des Heiligen Ulrichs in Kempten.

Der Stadtpfarrer beschreibt das Gefühl beim Anblick des historischen Inhalts folgendermaßen: Er fühle sich als Mitglied der katholischen Kirche, die schon alt und auf dem richtigen Weg sei. „Wir stehen auf den Schultern derer, die schon damals die Kirche weitergetragen haben“, führte Monsignore Ehler aus. Er hoffe und wünsche, dass spätere Generationen beim Öffnen der Zeitkapsel ebenfalls diesen Eindruck erhielten. In Abstimmung mit dem Turmuhr- und dem Gerüstbauer soll Ende Januar in 65 Metern Höhe die neue Zeitkapsel in die Turmzier eingebracht werden, erklärte die Projektleiterin des Staatlichen Hochbauamtes Angela Gehrke. Mit dem Abbau des Gerüstes werde im Herbst nach den Malerarbeiten gerechnet, 2020 werden dann das Langschiff eingerüstet und 2021 die abschließenden Arbeiten an den Außenanlagen folgen.

pdke

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