Zeugen der Erdgeschichte

Die Naturkundliche Sammlung im Zumsteinhaus wird datentechnisch neu dokumentiert. Zwei Wissenschaftlerinnen der Geologischen Staatssammlung in München sind derzeit dabei, die zahlreichen Exponate zu durchforsten und in Volumina und besonderen Merkmalen zu erfassen (der KREISBOTE berichtete). Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber erläuterte, dass die Stadt damit eine weitere Grundlage schaffen wolle, um die Qualitäten und Präsentationsmöglichkeiten der Sammlung für die künftige Museumsentwicklung besser einschätzen zu können. So manches könne aus einem Dornröschenschlaf geweckt werden, meinte Ursula Winkler von den Kemptener Museen im Rahmen eines Pressetermins vergangene Woche.

„Sie kennen das vielleicht vom Strand“, demonstriert Diplom-Geologin Pamela Itzelsberger und streicht über die sanften Wellen einer uralten Steinplatte. „Das ist Schlamm vom Meeresboden“. Versteinert natürlich. Denn dort wo heute Bayern ist, habe sich vor Millionen von Jahren ein tropisches Meer befunden, erzählt sie. „Sie können in die Berge wandern gehen, marschieren über ein Riff und befinden sich plötzlich auf 3500 Metern Meerestiefe“, so die Geologin. Derzeit lagern im Zumsteinhaus über 2500 Stücke, die die erdgeschichtliche Entstehung des alpenländischen Raums dokumentieren. Den Kern des Bestandes bildet die Sammlung, die der Allgäuer Geologe Dr. Karl August Reiser 1911 der Stadt Kempten geschenkt hat. Zahlreiche ehrenamtliche Kuratoren kümmerten sich seither um die Stücke, darunter auch der Zeichenlehrer Udo Scholz und heute sein Sohn, der Geologieprofessor Dr. Herbert Scholz. Itzelsberger und ihre Kollegin Elisabeth Jobe rücken seit August zweimal die Woche an, um all diese Präparate zu katalogisieren. Die Hauptarbeit dessen sei schon getan. Die beiden sind nach eigener Aussage begeistert davon, was sich im Zumsteinhaus so alles fand. Kein bloßes Sammelsurium, sondern eine richtige, wohl geordnete Sammlung hätten sie hier vorgefunden. Aber: Bis jetzt sei der Bestand nur in einer Handkartei erfasst gewesen, erklärt Winkler. Die Geologinnen sorgen nun dafür, dass sämtliche Daten auch in digitaler Form abrufbar sein werden. Sie halten den Namen des Gesteins, den Findet, die Farbe, die Gesteinsschicht und andere Kriterien fest. So soll eine Datenbank entstehen, mit deren Hilfe man gezielt nach bestimmten Steinen, Findern, Fundorten und so weiter suchen kann. Diese soll dann auch zum Beispiel im Internet öffentlich gemacht werden, erklärt Winkler. „Wir halten mit unseren Informationen nicht hinterm Berg“. Ein Archiv des Allgäus Zwar, so Itzelsberger, verfüge die naturkundliche Sammlung der Kemptener Museen nicht über die spektakulärsten Fossilien, wichtiger seien aber ohnehin die Gesteinsproben. Sie seien ein regelrechtes geologisches Archiv des Allgäus. „Steine sind feste Erde. Sie sind die einzigen Zeugen der Erdgeschichte“, führt sie aus. Anders als Fossilien sprechen Steine jedoch nicht für sich selbst. Sie bedürfen der Beschreibung, Visualisierung und Entstehungsgeschichte. Hierzu befinden sich bisher eine Reihe von Zeichnungen, Grafiken und Modellen im Bestand des Zumsteinhauses. Über die didaktische Aufbereitung der Sammlung werde sich die Museumsleitung jedoch erst Gedanken machen, so Winkler, wenn es darum ginge, ein neues Konzept für die Präsentation der Sammlung an eine breitere Öffentlichkeit zu erarbeiten. Momentan gehe des darum, die Reiser-Sammlung mit dem Bestand der übrigen Museumssammlungen kompatibel zu machen, erklärte Weber. Denn, so Winkler, die Naturkundliche und die kulturgeschichtlichen Sammlungen Kemptens seien eng miteinander verzahnt.

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