Ergebnis einer Studie soll bis Ende März vorliegen

Ziel: ein einheitlicher ÖPNV-Tarif im Allgäu Ende 2020

+

Kempten – „Die Zukunft des ÖPNV“ stand einmal mehr auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses, mit einstimmigem Beschluss: Die Stadt soll sich am Projekt Verbundintegration im Projektgebiet Ostallgäu, Oberallgäu, Kempten und Kaufbeuren beteiligen und dabei die LEAD-Partnerschaft übernehmen.

Wichtig war dem Ausschuss der ergänzende Zusatz: „Durch die geplante Grundlagenstudie wird die Umsetzung der Maßnahme des Mobilitätskonzeptes nicht verzögert und kann regulär weitergeführt werden.“ Wichtig war dem Gremium die Ergänzung vor allem deswegen, weil das Vorhaben in der Tageszeitung bereits vorab dahingehend interpretiert worden war, dass die Umsetzung des Mobilitätskonzepts (Moko) erst einmal auf Eis liege und ein attraktives Ticketangebot kaum vor 2025 zu erwarten sei. 

Fakt ist: Ziel der 2014 gegründeten Mobilitätsgesellschaft für den Nahverkehr im Allgäu (Mona) ist, für die Verkehre im Allgäu ein einheitliches Verkehrs- und Tarifsystem zu entwickeln, um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu erleichtern. Zur Tarifharmonisierung läuft laut Dagmar Lazar, Leiterin des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung, seit Herbst 2018 ein Leader-Projekt, das von den Aufgabenträgern begleitet und finanziell unterstützt wird. Aufgelegt habe das Förderprogramm die Bayerische Staatsregierung, um den gesamten Freistaat mit verkehrlich und wirtschaftlich sinnvollen Verkehrs- und Tarifverbünden abzudecken und zwar „unter Berücksichtigung der Bus- und Schienengebundenen Verkehrsangebote“. 

In einem zweiten Schritt sollen „realistische Kostenprognosen und Zeitpläne“ erstellt werden. Die aus Sicht des Freistaats wie auch der vier Aufgabenträger „elementare und unbedingt erforderliche“ Integration des Schienenverkehrs habe, so Lazar weiter, im Mona-Gebiet bislang aber nicht erreicht werden können. 

Auch die vier Aufgabenträger (die beiden Städte Kempten und Kaufbeuren sowie die Landkreise Ober- und Ostallgäu) seien bislang formal keine Mitglieder des Unternehmerverbundes. Der Zusammenschluss der vier Aufgabenträger ermöglicht eine nach Einwohnern bemessene Förderhöhe von 85 Prozent der Kosten, die sich laut Ministerium auf rund vier bis fünf Euro pro Einwohner – im Förderantrag werden sechs Euro angesetzt – belaufen. 

Das bedeutet bei 409.330 Einwohnern (Stand 06/2019) ein Gesamtvolumen von rund 2,46 Millionen Euro für die Studie. Den kommunalen Eigenanteil für das gesamte Projektgebiet bezifferte Lazar auf 315.905 Euro; da der Stadt Kempten die Rolle des federführenden LEAD-Partners zukommt, erhält sie einen Förderaufschlag von fünf Prozent und damit 90-prozentige Förderung (bei 71.000 Einwohnern rund 43.000 Euro) verteilt auf die Jahre 2020 bis 2023. 

Man beschließe hier erstmals eine Förderung für den Verbund Bus und Bahn im ländlichen Raum, betonte OB Thomas Kiechle. Deshalb müsse man akzeptieren, dass es seine Zeit brauche. Thomas Hartmann (Grünen) kritisierte, „das was wir hier machen, ist ein Papier“, das andere „eine konkrete Maßnahme“, die die Leute dazu bewege, statt des Autos den Bus zu nehmen. Die Wahrnehmung der Leute sei, „dass wir ständig darüber reden, aber nichts vorangeht“. 

Helmut Hitscherich (UB/ödp) mahnte, man habe zehn Jahre für das Moko gebraucht und erinnerte an das Ergebnis der Untersuchung für eine Regionalbahn, „dass es wirtschaftlich nicht sinnvoll“ sei. Warum man statt mit der Deutschen Bahn nicht mit der Bayern Bahn spreche, bei der man „mehr Einflussmöglichkeiten hat“. Laut Annika Spatschek, Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung, ist die Studie Grundlage dafür, dass die Bahn dabei sei. 

Im Nachgang der Sitzung meldete sich OB Kiechle nochmals in einer Pressemitteilung zum Thema 100-Euro-Ticket zu Wort. Unter anderem betont er darin, dass die Stadt grundsätzlich eine große Übereinstimmung zwischen dem Landkreis Oberallgäu und der Stadt in den Zielen für den ÖPNV sehe. Allerdings seien die finanziellen Aus- und Wechselwirkungen eines solchen Tickets mit bisherigen Tarifangeboten aus Sicht der Stadt noch zu wenig bekannt, die „vagen Kostenschätzungen“ würden auf „teilweise sehr vagen Annahmen beruhen“. Ferner seien mit den wesentlichen Partnern, u.a. der Bahn, „noch gar keine Verhandlungen geführt“ worden. 

Wie Kiechle ausdrücklich betonte, begrüße die Stadt „die in dem Beschluss des Kreistags enthaltene Initiative zur Harmonisierung der ÖPNV-Konzessionen durch Linienbündelungen. Auch die vom Kreistag beschlossene Stärkung der Mona ziele in die richtige Richtung. Das Gutachten des LEADER-Projekts zur Tarifharmonisierung im Allgäu soll laut Kiechle noch in diesem Monat vorliegen. „Ziel ist ein bis Ende 2020 vorliegender einheitlicher Tarif für das gesamte Mona-Gebiet.“

Ursprünglich war die Zielvorgabe 2019 gewesen. Bei einem Pressegespräch im Jahr 2017 hatte Kiechle verkündet (der Kreisbote berichtete), dass bereits 2019 einheitliche Tarife gültig seien. Und auch das Projekt Schwabenbund Services war für 2019 anvisiert gewesen. Schwabenbund Services soll ermöglichen, Tickets für Freizeitattraktionen und ÖPNV-Tickets in einem Aufwasch über eine Handy-App zu buchen (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Kinder präsentieren Masken ihres vhs-Workshops
Kinder präsentieren Masken ihres vhs-Workshops
Autofahrerin übersieht Motorradfahrer
Autofahrerin übersieht Motorradfahrer
Bitte nicht auf Bahnanlagen!
Bitte nicht auf Bahnanlagen!
Von der Straße abgekommen und gegen Baum geprallt
Von der Straße abgekommen und gegen Baum geprallt

Kommentare