"Kannst du nicht" war gestern

"Der Zirkus ist in der Stadt!", hieß es letzte Woche in Buchenberg

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Ein Balance-Akt: Aber nicht nur die Trapez-Künstlerinnen zeigten großes Können.

Buchenberg – Die Zirkus-Akteure waren diesmal allerdings nicht professionelle Zirkusartisten, sondern die SchülerInnen der Grund- und Mittelschule Buchenberg. Die ganze Schule war beteiligt, von den kleinen Erstklässlern bis hinauf zu den Abschlussschülern der 10. Klasse.

Zuvor hatten Lehrer und einige Eltern auf einem Workshop die Nummern einstudiert, um diese an die Schüler als Trainer weiterzugeben. Selbst Bürgermeister Toni Barth ließ es sich nicht nehmen, eine Gruppe als Trainer zu leiten. Eine ganze Woche Urlaub hatte er dafür geopfert und war als Zaubertrainer mit dabei und voll im Einsatz. 

Am ersten Trainingstag durften die SchülerInnen erst einmal selbst auf den Logen und Rängen Platz nehmen. In einer ersten Show stellten die Lehrer, Eltern und Betreuer den SchülerInnen in ihren Rollen als Akrobaten, Fakire, Feuerkünstler und mit anderen Künsten das in wenigen Stunden Gelernte vor. So bekamen die Schüler Lust, dies einmal selbst auszuprobieren. 

Entsprechend ihren Wünschen und Neigungen durften die Kinder und Jugendlichen dann verschiedene Gruppen besuchen und erkunden, was ihnen Spaß macht. Bereits nach dem ersten Trainingstag kristallisierte sich heraus, wer sich wo gut aufgehoben fühlt. Was zuerst wie ein turbulentes buntes Durcheinander wirkte, endete dann in geordneten Gruppen, deren TeilnehmerInnen schriftlich festgehalten wurden. 

Die nächsten Trainingstage waren dem Einstudieren verschiedener Zirkusnummern gewidmet. Teils in der Schule, in der Turnhalle, in der Aula, im Freien oder bereits im Zirkuszelt wurde trainiert. Schon nach dem ersten Trainingstag zeigten die Artisten ihr bereits Gelerntes in der Manege vor den anderen SchülerInnen als Publikum. So lernten sie, wie es sich anfühlt, Zuschauer zu haben, trotz Lampenfieber mutig aufzutreten und dann den Applaus zu genießen. 

Jeden Tag steigerten die jungen Zirkuskünstler ihr Können. Am letzten Trainingstag, am Freitag, fand dann die Generalprobe statt, die sich bereits wie eine richtige Show anfühlte, da schon die ersten Zuschauer gekommen waren. Die Grundschule Wiggensbach und die Kindergärten waren die Gäste. Zu einer richtigen Show gehören natürlich auch Kostüme. Über ihrem Grundoutfit, schwarzen Hosen und T-Shirts bekamen die SchülerInnen passend zu ihrer Nummer bunte Hosen, glitzernde Jäckchen, Schärpen, Hüte und andere Requisiten. 

Endlich, am Freitagnachmittag kam dann der große Moment: die Premiere. Zirkusdirektorin, oh pardon, Schulleiterin Cornelia Heß-Thamm durfte zahlreiche Gäste begrüßen, vorwiegend Eltern, Großeltern, Verwandte und Freunde der Schüler. Das Zelt war bis auf den letzten Platz besetzt. 

In einer fulminanten Show zeigten die Kinder und Jugendlichen dann ihr Können. Da gab es Clownshows, Feuerspiele, Akrobatik, Hula Hoop, Seilspringen, Tanzen, Zauberkünste, Tricks auf dem BMX-Rad, Scherbenlaufen, Trapezkünste und vieles mehr. 

Damit auch alle Eltern, Verwandten und Freunde ihre Kinder sehen konnten, wurde die Show vier Mal aufgeführt. Mit tosendem Applaus bedankten sich die Zuschauer am Ende der Shows. Eltern und Omas und Opas waren sichtlich begeistert über den Mut und das Können ihrer Kinder. Da floss sicherlich so manche Träne der Rührung. 

Ein kleiner Wermutstropfen war allerdings das Wetter. Nachdem es am Sonntag vor dem ersten Trainingstag noch geschneit hatte, war es im Zelt bitterkalt. Im Eifer des Trainings war die Kälte aber bald vergessen. Für das Wochenende war dann wieder schlechtes Wetter angesagt.

Sturm fegt Zelte dahin

Damit die SchülerInnen Platz zum Umziehen und einen Aufenthaltsort im Regen hatten, wurden zusätzlich zum Zirkuszelt vom TSV zwei große Zelte aufgestellt. Und dann das Unfassbare: Am Donnerstagnachmittag wurden beide Zelte von einem Sturm komplett zerstört. 

Jetzt hieß es für Schulleitung und Gemeinde, wieder schnell organisieren. Spontan stellte die Spedition Zinth aus Buchenberg zwei LKWs mit großen Ladeflächen zur Verfügung, in denen einige Bänke aufgestellt wurden. Alle Shows konnten nun reibungslos über die Bühne gehen. 

Am Freitagnachmittag hörte sogar der Regen auf und die Sonne ließ sich einige Male blicken. So wurden die eigens für die Veranstaltung aufgebauten Stände in den Pausen gut besucht. Für das leibliche Wohl war mit Imbiss und Getränken bestens gesorgt. In Bauchläden verkauften Kinder Popcorn, Süßes und Selbstgebasteltes, das in einem Rahmenprogramm während der Trainingswoche in der Schule hergestellt worden war. 

Der Circus ZappZarap aus Leverkusen ist ein pädagogischer Zirkus. Die Teamer sind ausgebildete und erfahrene Zirkuspädagogen und entsprechend geschult. Im Laufe der Woche stellte sich schnell der pädagogische Wert dieses Projekts heraus. Alle Nummern sind nur gemeinsam möglich. Teamwork ist also unabdinglich. SchülerInnen, die sonst verhaltensauffällig oder eher still sind, blühten plötzlich in ihrer Rolle auf und verhielten sich ganz anders als im normalen Schulalltag. Für Lehrer und Schüler eine ganz wichtige Erfahrung. 

Die beiden Zirkuspädagogen Martin und Julia leiteten mit viel Einsatz souverän das Programm und gaben wertvolle Tipps und Hilfestellung, wo immer es nötig war. Das Programm war perfekt organisiert und alle Abläufe genau einstudiert. Trotz gefährlich aussehender Nummern war stets für Sicherheit gesorgt. 

Ohne zahlreiche helfende Hände ist so ein Projekt nicht zu stemmen. Mit viel Engagement beteiligten sich auch die Eltern. So war mit vielen Helfern am Sonntag vor der Projektwoche das Zirkuszelt aufgebaut worden. Während der Woche hielten Eltern Nachtwache im Zelt und sorgten für Speis und Trank. Der Idealismus erreichte am Samstag den Höhepunkt. Bei strömendem Regen und heftigen Windböen musste das Zelt wieder abgebaut und alles wieder aufgeräumt werden. 

Trotz Regen, Kälte und vieler widriger Umstände war diese Woche eine ganz wertvolle Erfahrung. Voller Begeisterung waren alle Beteiligten die ganze Woche voll im Einsatz. Bibbernd vor Kälte sagte ein Mädchen allerdings am letzten Vorführungstag: „Wann ist endlich wieder Schule? Ich will lieber Deutsch und Mathe anstatt diese Kälte.“ Vielleicht macht auch jetzt nach dieser Zirkus-Erfahrung die Schule wieder Spaß oder erscheint unter einem anderen Blickwinkel. Es wird sich zeigen.

Uschi Ostermeier-Sitkowski

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