Zufriedenheit trotz höherer Kosten

Der bevorstehende Teilabzug der Bundeswehr aus dem Allgäu – hier Soldaten des Gebirgssanitätsregiments 42 – zwingt auch die heimische IHK zu neuen Überlegungen. Foto: Archiv

Die Vorsitzenden der vier IHK-Regionalversammlungen gaben jetzt einen Rückblick auf das ablaufende Jahr und blicken bereits auf die kommenden Monate. Dabei zogen Markus Brehm (Kempten und Oberallgäu), Thomas Holderried (Lindau-Bodensee), Gerhard Pfeifer (Memmingen und Unterallgäu) sowie Gerhard Schlichtherle (Kaufbeuren und Ostallgäu) eine durchaus positive Bilanz für das ablaufende Jahr 2011.

„Insgesamt können wir über alle Branchen hinweg zufrieden sein, die Geschäftslage wird als überwiegend gut oder befriedigend eingestuft“, so die Wirtschaftsvertreter. „Doch die Dynamik des Wachstums hat, wie erwartet, etwas nachgelassen.” Die Kostensteigerungen machten den Unternehmen zu schaffen. Das gelte bei Waren, Betriebsmitteln und beim Personal, ergänzen die Regional-Vorsitzenden. „Energie zu bezahlbaren Preisen für die bayerisch-schwäbische Wirtschaft“ – im Januar, noch vor dem Unglück in Fukushima, hatte das Präsidium der IHK Schwaben dieses Thema zum Jahresmotto 2011 bestimmt. Der IHK-Ausschuss Umwelt und Energie erarbeitete Anfang des Jahres eine Resolution zur Deckelung der EEG-Umlage für Unternehmen, die im Mai 2011 von der Vollversammlung verabschiedet wurde. Die IHK versucht einerseits die Energiewende konstruktiv zu begleiten, andererseits aber auch auf deren Risiken hinzuweisen, wie steigende Strompreise und Versorgungssicherheit. Nach den Personal- sind die Energie- – insbesondere die Stromkosten – in der Regel der zweitgrößte Kostenfaktor produzierender Unternehmen. Eine Umfrage der IHK Schwaben im Juli lieferte ein ernüchterndes Ergebnis: Eine Stromkostensteigerung von 20 Prozent wird bei 33 Prozent der befragten Unternehmen ein Überdenken des momentanen Standorts für die Produktion auslösen, da dadurch deren Wettbewerbsfähigkeit stark eingeschränkt werde. Energieeffizienzmaßnahmen könnten Unternehmen helfen die benötigte Strommenge und damit die Kosten zu reduzieren. Das Jahresthema 2012 der IHK Schwaben lautet hingegen „Handel im Wandel“. Das bekannte Sprichwort ist von größter Aktualität. Nicht nur die unaufhaltsame Entwicklung im Bereich E-Commerce, sondern auch die stark frequentierten Social Media-Plattformen im Internet verändern das Verbraucherverhalten. Deshalb hat das IHK-Präsidium dieses Thema gewählt. Die IHK wird ihren Unternehmer in 2012 unter anderem durch Informationsveranstaltungen aufzeigen, was diese wissen müssen und Hilfestellungen anbieten. Nun wünscht sie aber den Händlern ein erfreuliches Weihnachtsgeschäft und ist überzeugt, dass die Kauflaune bei den Verbrauchern in Schwaben dafür sorgen wird. Richtet man den Fokus auf das Allgäu, so war die Standortentscheidung der Bundeswehr Ende Oktober sicherlich das einschneidenste Ereignis in diesem Jahr. Durch das Aus für Kaufbeuren, die praktische Schließung von Kempten und die deutlichen Dienstpostenreduzierungen in Sonthofen und Füssen verliert die Region über 60 Prozent ihrer Soldaten und über 2800 Arbeitsplätze. „Angesichts der damit verbundenen, teilweise erheblichen Auswirkungen gilt es nun, die notwendige ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ beim Bund und beim Land einzufordern und gemeinsam die anstehenden Herausforderungen zu meistern“, richtet Markus Brehm, der Vorsitzende der Regionalversammlung Kempten und Oberallgäu, den Blick nach vorne. „Wie dies im Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik gelingen kann, zeigt die erfolgreiche Konversion des Fliegerhorstes Memmingerberg zum heutigen Allgäu Airport“, ergänzt Gerhard Pfeifer, Regionalversammlungsvorsitzender Memmingen und Unterallgäu. Gerhard Schlichtherle, Regional-Vorsitzender von Kaufbeuren und dem Ostallgäu, fügt mit Bezug auf dieses Beispiel hinzu: „Wir brauchen nun Investitionen in geeignete Infrastrukturmaßnahmen, um die Qualität unseres erfolgreichen Wirtschaftsstandortes nachhaltig zu sichern – beispielsweise einen zügigen vierspurigen Ausbau der B12 von Buchloe bis Kempten.” Für die betroffenen Soldaten und Zivilmitarbeiter in der Region sehen die Wirtschaftsvertreter ebenfalls gute Möglichkeiten. „Angesichts der hervorragenden konjunkturellen Entwicklung im Allgäu brauchen wir hier vor Ort qualifizierte Fachkräfte“, betonte Thomas Holderried.

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