Förderverein enttäuscht über Vorgehensweise der Stadt

"Schandfleck" Beginenhaus

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Die Renovierung des Beginenhauses soll weiterhin auf die lange Bank geschoben werden.

Nicht nur die angespannte Haushaltslage entfachte eine glühende Diskussion um die Zukunft des Beginenhauses. Einigen Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses erschien auch die Sinnhaftigkeit mancher Vorhaben äußerst fragwürdig.

Im Raum stehende 7,5 Millionen Euro „dafür, dass man ein paar Bücher reinstellen kann“, wollte Erwin Hagenmaier (CSU) nicht absegnen und sprach damit den meisten seiner Kollegen aus der Seele. Wie berichtet, hatte der Kulturausschuss in seiner letzten Sitzung deshalb darüber diskutiert, Möglichkeiten für ein neues Nutzungskonzept untersuchen zu lassen, wofür Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, 100.000 Euro im städtischen Haushalt 2016 angab. Wie Hagenmaier hielt auch Alexander Hold (FW/ÜP) es für „fragwürdig, in ein Konzept zu investieren“, wenn man wisse, dass „die nächsten fünf Jahre eh nichts passiert“ und Helmut Hitscherich (ödp/UB) sah zudem den wichtigeren Handlungsbedarf bei der Bibliothek. Das Gebäude sei ein „Schandfleck“ wetterte Hagenmaier, weshalb „die Fassade erst einmal gemacht gehört“, um den „Druck“ aus der weiteren Vorgehensweise zu nehmen. Thomas Hartmann (Grüne) sah den „richtigen Weg“ in Form eines privaten Investors, „der es fachlich und finanziell drauf hat“, aus dem Haus etwas zu machen. „Sonst diskutieren wir in 15 Jahren noch darüber“, wies er darauf hin, dass es Investoren gebe, die „auf solche Dinge spezialisiert sind“, man diese aber sicher nicht in Kempten finde. „Kosmetische Maßnahmen“ halte er für „Blödsinn“.

Lothar Köster (SPD) erinnerte daran, dass es sich beim „Zentrum für Buchkultur“ bereits um die zweite Konzeption handle und stellte die dafür zugesagten Fördermittel bei einer lediglich Fassadenaufhübschung in Frage. Eine öffentliche Nutzung werde „in jedem Fall Folgekosten“ mit sich bringen, aber schlussendlich handle es sich „um ein wichtiges Gebäude für die Stadt“, erklärte er.

Dass das einmal als „Schmuckstück“ dastehende Beginenhaus eine „kommunale Aufgabe“ sein werde, stand für Hold außer Frage. Zunächst aber gebe es wichtigere Dinge, weshalb auch er dafür plädierte die Fassade vorzuziehen, da es „ums Gesamtbild der Altstadt geht“. Bürgermeisterin Sibylle Knott mahnte, den „Verein nicht ins Leere laufen zu lassen“ und, auch im Sinne von OB Thomas Kiechle, das Gespräch mit den Mitgliedern zu suchen.

„Wir sind enttäuscht, weil unsere Arbeit nicht gewürdigt wird“ und „man uns jetzt gegen die Wand laufen lässt“, meinte Bernadette Mayr, Schriftführerin des Beginenhaus-Fördervereins, auf Nachfrage des Kreisboten. Enttäuscht auch darüber, dass seitens der Stadt bislang kein Gespräch gesucht worden sei und „wir auch nur informell informiert wurden“, dass es erstmal nur noch um Fassadenkosmetik gehen solle. Das jedoch mache schon allein deshalb keinen Sinn, da die empfindlichen Malereien darunter leiden würden und später wieder mühsam frei gelegt werden müssten. Zwar denkt sie, dass viele Arbeiten erst einmal „geschoben werden können“ – vielleicht ein Jahr, aber sicher nicht bis zum „Nimmerleinstag“, denn „sonst fangen wir wieder mit Notmaßnahmen an“. Wie es in einem Jahr allerdings mit den versprochenen Fördermitteln aussieht, vermag sie nicht zu sagen. „Möglich, dass einiges verloren geht“, vermutet sie. Auch will sie nicht ausschließen, „dass sich der Verein zurückzieht, weil die Zusammenarbeit und das Vertrauen gelitten haben“. Schließlich sei in den zwölf Jahren seit Bestehen des Vereins viel Freizeit drauf gegangen, nicht nur für die Arbeit im Haus selbst, sondern auch für Vereinssitzungen oder dafür, sich mit Museumskonzepten zu befassen. Auch in Sachen Brandschutz sei man inzwischen „Experte“.

Im Übrigen hätten Brandschutzauflagen auch die Kosten für das Beginenhaus in die Höhe getrieben. Die von Hagenmaier genannten 7,5 Millionen Euro seien dennoch zu hoch gegriffen, korrigiert Mayr die Summe herunter auf sechs Millionen Euro, wovon die Fördersummen noch abgezogen werden müssten und sich der Teil, der an der Stadt hängen bleibe, ja „auf mehrere Jahre verteilt“. Dass das Konzept wirtschaftlich nicht tragfähig sein soll, will sie jedenfalls so nicht stehen lassen. Ihres Erachtens ist es nämlich gerade „deshalb vielversprechend, weil es so vielseitig ist“ und sich Veranstaltungssaal, Antiquariat, Buchwerkstatt für Kurse, Veranstaltungs- und Versammlungssaal, Museum im Nonnenturm, das Zentrum der Buchkultur und das Café gegenseitig befruchten würden. Im Übrigen werde „von übergeordneten Stellen und Fördergebern wie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Kombination von historischen Büchern in einem Baudenkmal als besonders erfolgversprechend angesehen“, wie sie betont. Zudem sieht Mayr im künftigen Betrieb des Beginenhauses eine – seitens der Stadt ja schon länger gewünschte – Belebung der Bäcker- und Burgstraße sowie einen attraktiven Übergang zum neuen Restwasserkraftwerk an der Kaufbeurer Straße.

Christine Tröger

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