Kempten aus Polymeren

Das Zumsteinhaus zeigt die Entwicklung der Stadt am Modell

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Kempten – Am 7./8. Dezember wird die eisenbeschlagene Tür des Zumsteinhaus für die Besucher des künftigen Stadtmuseums geöffnet.

Bis dahin müssen im ehemaligen Römischen Museum noch einige Ausstellungsstücke aufgebaut, beleuchtet und installiert werden. Die Arbeiten sind in vollem Gange, „gerade wird im Obergeschoss des Zumsteinhaus das Kemptener Stadtmodell zusammengebaut“, sagt Museumsleiterin Dr. Christine Müller Horn. Auf einem etwa vier mal vier Meter großen Sockel soll ein 3D-Modell der Stadt Kempten im Maßstab 1: 1250 nach aktuellen Stadtplänen stehen. „Eine Idee, die von Oberbürgermeister Thomas Kiechle stammt“, so Müller Horn. Weil er etwas Ähnliches gesehen hatte, wollte der Kemptener OB ein Stadtmodell als ein Hauptexponat für das Stadtmuseum. Nachdem sich die Stadt unterschiedliche Angebote von mehreren 3D-Modell-Herstellern eingeholt hatte, fiel die Wahl auf das Leipziger Unternehmen SHAPEwerk.

Ein Drei-Mann Unternehmen, hinter dem Stefan Geisenheiner, sein Vater Andreas Geisenheiner und ein weiterer Produktionsmitarbeiter stehen. Die beiden leidenschaftlichen Modellhersteller beschäftigen sich seit fünf Jahren mit dem 3D-Druck. Die aufbereiteten Vermessungs- und Geodaten der Stadt Kempten wurden mit Hilfe eines CAD-Programms in 123 Parzellen, 30 x 30 Zentimeter zerlegt und mit einem 3D-Drucker als Modell gedruckt. „Für eine Platte mit einem höheren Höhenprofil benötigt der Drucker circa 30 Stunden“, sagt Andreas Geisenheiner. Um das gesamte Kemptener Stadtmodell aus synthetischen Polymeren (Polylactiden) Schicht um Schicht zu drucken, arbeiteten drei Drucker rund um die Uhr zwei Monate lang und verarbeiteten dabei rund 70 Kilogramm Kunststoff. Die Kosten für das exklusive 3-D-Stadtmodell im ersten Geschoss des Zumsteinhaus mit Projektion belaufen sich auf rund 50.000 Euro. 

Probleme tauchten bei der Übertragung der Geodaten auf, so Müller Horn. Die unterirdischen Tiefgaragen waren in den Grunddaten des Vermessungsamtes als Hochhäuser hinterlegt. Diese fehlerhaften Daten mussten von Hand korrigiert werden, daran arbeitete Birgit Kata vom Stadtarchiv Kempten etwa einen Monat lang. „Ein wahnsinniger Aufwand“, wie Müller Horn zugibt. „Beim Ausdrucken der einzelnen Platten müssen die Höhenunterschiede genau stimmen“, bemerkt Stefan Geisenheiner und schiebt die letzte Platte des Modells auf den Sockel. „Passt!“ Damit die einzelnen Nähte später nicht auffallen, haben die Modellhersteller an den Schnitten die Gebäude überstehen lassen. „So sieht das Ergebnis hinterher einfach besser aus“, sagt Stefan Geisenheiner. 

Doch das war auch gleichzeitig die große Herausforderung, denn das Risiko, ein über die Platte hinausragendes Gebäude oder eine Brücke beim Transport abzubrechen, stieg damit immens. Wie das fertige Kemptener Stadtmodell im Zumsteinhaus aussehen wird, darauf kann man jetzt schon gespannt sein. Mit einer zusätzlichen audiovisuellen Beamerprojektion soll das „Pulsieren und Wachsen“ der Stadt, die Entwicklung zur Allgäu Metropole in Szene gesetzt werden. Dafür wird es zwei Varianten geben, eine lange Version in sieben Minuten und eine kurze in 90 Sekunden. „Schneller ging es einfach nicht“, sagt die Museumsleiterin zur Stadtentwicklung und lacht dabei.


Tamara Lehmann

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