Zurück zu den alten Werten

Bei der heimischen CSU hat nach dem Katastrophenjahr 2008 offenbar ein Umdenken stattgefunden: Ein weiter so wie bisher dürfe es nicht mehr geben, betonten sowohl Kreisvorsitzender Thomas Kreuzer als auch Staatssekretär Dr. Gerd Müller am Freitagabend beim traditionellen Neujahrsempfang des Kemptener Kreisverbandes im Kornhaus. „Wir haben die Botschaft der Wähler verstanden“, erklärte Müller selbstkritisch den zahlreich erschienen Gästen aus Politik und Gesellschaft.

Eigentlich habe das abgelaufene Jahr ja gut begonnen für die Kemptener Christsozialen, resümierte Gastgeber Thomas Kreuzer in seiner Begrüßung. So seien sowohl Kemptens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer als auch Landrat Gebhard Kaiser bei den Kommunalwahlen im März wieder gewählt worden. „Aber schon da hat sich abgezeichnet, dass das schwierig wird“, so der Kreisvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion. Das anschließende Ergebnis der Landtagswahl im Herbst sei dann „ein Debakel“ gewesen, „das wir uns zu Herzen nehmen müssen.“ Das Abschneiden bei der Wahl sei aus Sicht der CSU vor allem deshalb ärgerlich gewesen, da der Freistaat zu dieser Zeit in allen Belangen so gut wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg dagestanden habe. Nun sei es höchste Zeit zum Umdenken. „Wir müssen wieder näher bei die Menschen“, forderte Kreuzer. „Es bedarf persönlicher Gespräche mit den Menschen und Interessengruppen“, gab er zu. Nur so könnten die Herausforderungen in diesem Jahr gemeistert werden. Und die sind nach Ansicht des Kreisvorsitzenden erheblich: Zum einen gelte es, bei der Europa-Wahl ein gutes Ergebnis zu erzielen. „Die Vertretung in Europa ist wichtiger denn je“, sagte Kreuzer vor allem im Hinblick auf die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. „Da müssen wir als Bayern gut vertreten sein“, appellierte er. Hessen 1 oder Hessen 2? Zweiter Höhepunkt des Jahres sei die Bundestagswahl im Herbst. „Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Hessen 1 oder Hessen 2“, kündigte Kreuzer an. Dabei sei Hessen 2, also eine Koalition aus CDU und FDP, die angestrebte Variante. Eine Koalition der Linken gelte es zu verhindern. „Das wird eine Grundsatzentscheidung“, war sich Kreuzer sicher. Die wichtigsten politischen Aufgaben in Bayern dagegen seien vor allem eine Verbesserung des Bildungssystems sowie die Stärkung des Mittelstandes inmitten der Wirtschaftskrise. „Da gilt es große Herausforderungen zu meistern“, warnte Kreuzer. „Aber wir hier in Bayern sind gut gerüstet. Wir haben keinen Grund zur Resignation.“ Staatssekretär Dr. Gerd Müller forderte seine Parteikollegen hingegen auf, die Gemeinschaft und christliche Werte wieder stärker in den Vordergrund zu rücken: „Das Wir muss wieder mehr in den Mittelpunkt rücken“, sagte er. „Nicht das Ich, sondern das Wir schafft Großes.“ Sein Rückblick auf das vergangenen Jahr war ebenfalls von Selbstkritik geprägt. Trotz bester Wirtschaftsdaten seien auf 50 plus X plötzlich 43 Prozent geworden – „das ist bayerische Arithmetik“, so Müller. „Wir haben Fehler gemacht – aber wir haben verstanden und wollen korrigieren“, kündigte er an. Um die Aufgaben der Zukunft meistern zu können, müsse sowohl die Partei als auch die Gesellschaft weg vom Egoismus-Gedanken. „Die Turbokapitalisten und Egoisten sind gescheitert“, spielte er in diesem Zusammenhang auf die aktuelle Wirtschaftskrise an. „Und hier greift unsere Botschaft: Zurück zu den Grundwerten“, mahnte Müller. Die Partei könne die Herausforderungen aber nur meistern, wenn sie sich gegenüber Außenstehenden weiter öffne und die Sorgen der Bürger ernst nehme. „Weniger reden, mehr zuhören“, sei daher das Motto der Zukunft. Zur aktuellen Wirtschaftskrise sagte Müller, dass das Allgäu gut gewappnet sei. „Wir werden die Krise hier besser meistern als anderswo“, betonte er. „Gerade hier in Kempten herrscht eine großartige Struktur des Helfens.“

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