Zusammen im Grünen genießen

Ein Mehrgenerationenpark soll Jung und Alt, Rand und Zentrum verbinden

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Landschaftsarchitektin Gudrun Dietz-Hofmann und Bürgermeister Roland Helfrich stellen den Plan vor.

Betzigau – Stetiger Geburtenrückgang und steigende Lebenserwartung: Daraus entstehen neue Bedürfnisse unter den Bundesbürgern. Eine älter werdende Bevölkerung stellt neue Ansprüche von öffentlichen Leistungen an die Kommunen. Auch der Anspruch an die Gestaltung öffentlicher Freiflächen ändert sich. Dem möchte die Gemeinde Betzigau mit einem Mehrgenerationenpark gerecht werden.

Die Gestaltung von Mehrgenerationenparks bietet die Möglichkeit, den demographischen Wandel aufzugreifen. Ziel dieses Konzepts ist es, alle Generationen in einem Park zusammenzubringen und die körperliche und geistige Gesundheit ohne Altersbeschränkung zu fördern. Bürgermeister Roland Helfrich hatte die Bürger der Gemeinde Betzigau zu einem Informationsabend ins Bürgerzentrum beim Gasthof Hirsch in Betzigau eingeladen. Zahlreiche Interessierte aller Altersklassen waren gekommen, um sich über das neue Projekt zu informieren, wobei die Jugend nicht so stark vertreten war. 

Die Planung des Projekts war an die Landschaftsarchitektin Gudrun Dietz-Hofmann vom Planungsbüro Hofmann und Dietz in Irsee übergeben worden, die das Projekt anhand von Plänen und Bildern vorstellte. Der Park soll zwischen dem Kindergarten und dem Neubaugebiet „Schweikart-Wiese“ auf einer Fläche von ca. 8000 Quadratmetern entstehen. Zunächst soll mit der Erweiterung des Kindergartens begonnen werden. Baubeginn ist nach längerer Planung und Abstimmung der Kostenfrage bereits im April. Neben dem Kindergarten ist eine 60-stufige Treppe, eine Stützmauer und ein Aufzug geplant. All dies wird zusammen mit der Gestaltung des darüberliegenden Mehrgenerationenparks im Rahmen der Städtebauförderung unterstützt.

Die Linde bleibt 

Ein besonderes Anliegen ist Bürgermeister Helfrich und vielen Bürgern der Erhalt der ortsbildprägenden alten Linde oberhalb des Kindergartens. Beruhigend für viele ist, dass die Gemeinde für den Erhalt des Baumes nun viel weniger tief in die Tasche greifen muss, als zunächst angenommen. Fördergelder stehen für den Baumerhalt zur Verfügung. 

Der neue Mehrgenerationenpark soll eine Verbindung herstellen zwischen dem alten Ortskern, dem Kindergarten und dem neuen Baugebiet. Die Hanglage des Geländes stellte für die Architektin eine Herausforderung dar. Vom Ortskern ist der neue Park schnell und bequem auf nicht befahrenen Straßen zu erreichen, auch mit Rollstuhl und Rollator kein Problem. Der nördliche Weg ist völlig barrierefrei. Neben dem Kindergarten verhilft der Aufzug zu einem behindertengerechten Zugang. 

Gleich neben dem Kindergarten soll ein Spielbereich für die ganz kleinen Kinder entstehen und daneben ein Bereich für etwas größere Kinder. Die Gestaltung wird mit Rutschen, Geräten zum Klettern und Balancieren dem Bewegungsdrang von Kindern gerecht. Heimische Sträucher, in denen sich Kinder auch verstecken können,sollen das Areal etwas eingrenzen. In einem Bereich für Jugendliche wird neben Plätzen zum „Chillen“ auch eine Slackline gespannt.

Für Beweglichkeit im Alter 

Die ältere Generation könnte Bänke unter Bäumen und auch eigene Geräte zum Trainieren erhalten. Auf einer freien Fläche ist eine multifunktionale Wiese angedacht zum Rennen, Spielen, Seilhüpfen, Ballspielen etc. Hier würde das Gras kurz gehalten werden. Auf der anderen Seite des Verbindungsweges würde eine Blumenwiese blühen, um Lebensräume zu schaffen für Bienen und andere Insekten. Hier sollen auch regionale, alte Obstsorten angebaut werden. 

Nach dem trockenen, heißen Sommer im letzten Jahr wurde sogar an einen Trinkbrunnen gedacht. Nach der Vorstellung des Projekts waren die Bürger gefragt. Eine Anregung aus dem Publikum war zum Beispiel, dass die Trainingsund Sportgeräte für Kinder lieber aus Holz als aus Metall sein sollten, weil es ein angenehmeres Material und Metall im Winter so kalt sei. Dem stimmten sowohl die Architektin als auch der Bürgermeister voll zu. 

Aus dem Wunsch nach einem Kneipp-Becken oder einer größeren Anlage mit einem Wasserbecken, zum Beispiel ein Schwimmteich, entspann sich eine größere Diskussion. Die Bedenken betrafen die Sicherheit der Kinder. Ein Argument dagegen sei neben der Kostenfrage auch das Problem, dass in diesem Bereich kein natürliches Wasser vorhanden sei. Die Anlage müsste also mit Leitungswasser gespeist werden. 

„Gibt es die Möglichkeit für einen Hubschrauberlandeplatz?“, lautete eine Frage aus dem Publikum. Das Areal gäbe einen zentralen Landeplatz für den Rettungshubschrauber ab. An diese Option sei bisher noch nicht gedacht worden, entgegnete Bürgermeister Helfrich, die Idee werde aber in die zukünftige Planung übernommen. 

Nachdem viele Fragen beantwortet waren, interessierte Helfrich, wie sich die Bürger die weitere Planung vorstellen. Er regte an, sich darüber Gedanken zu machen, ob zum Beispiel Geräte für die ältere Generation gewünscht seien. Diese Frage wolle er auch an das Seniorenzentrum weitergeben, um dort die Bewohner für entsprechende Möglichkeiten zu sensibilisieren. Die Seniorentrainingsgeräte sollen dort vorgestellt und besprochen werden. Das Thema Mehrgenerationenpark will Helfrich als Projektarbeit weitergeben an den Kindergarten und die Schule. Nach einer gewissen Zeit will der Bürgermeister die Gemeindemitglieder wieder mit einbeziehen und zu Gesprächen einladen. Außerdem sei er für Ideen und Anregungen immer im Rathaus erreichbar. 

Am Ende der Veranstaltung waren die Bürger sichtlich beeindruckt von dem neuen Projekt, sehr erfreut, so gut in die Planung mit einbezogen zu werden. Es wird sicherlich ein bereichernder Ort in der Gemeinde werden. Der Park entsteht auf einem wunderschönen Gelände mit Blick über Betzigau, die Kirche und die Allgäuer Hügellandschaft, an dem sich bestimmt viele Menschen wohl fühlen werden. Bürgermeister Helfrich verspricht: die Lebensqualität der Anwohner soll durch die Anlage nicht beeinträchtigt werden.

Uschi Ostermeier-Sitkowski

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