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Zwei Konzerte aus dem vielseitigen Programm des Classix-Festivals in Kempten

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Von: Jürgen Kus

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Classix Festival Kempten Das New Piano Trio mit Florian Willeitner Alexander Wienand
und Ivan Turkalj (von links)
Beim Konzert am Sonntagabend: Das New Piano Trio mit Florian Willeitner Alexander Wienand und Ivan Turkalj (von links) © Kus

Die Konzerte des Classix-Festival in Kempten kreisen zwischen Neuerfindung und Werktreue.

Florian Willeitner – so viel haben wir nach zwei Konzerten des Kammermusikfestivals „Classix Kempten“ gelernt – ist ein angehender Geigenmeister und möchte nicht nur Musik nachspielen, die sich andere ausgedacht haben, sondern selbst Musik erfinden. Wenn er seine Erfindungen in eine bestimmte Form bringt und sie in geschriebenen Noten fixiert, dann wird er zum Komponisten. In seine Musik, die von der Klassik kommt, bezieht er auch andere musikalisch ergiebige Genres mit ein (als da sind Jazz, Volksmusiken, populäre Musik, Weltmusik) oder er bedient sich aus dem reichhaltigen Fundus der klassischen Musikgeschichte (indem er zum Beispiel die barocke Form der Fuge verwendet). Wenn er also die klassische Musik nicht wie viele Avantgardisten in immer fernere Umlaufbahnen treibt, sondern im Gegenteil sie annähern möchte an den Rest der Welt, dann gerät er in ein Dilemma, das am Sonntagabend für sein New Piano Trio (mit Alexander Wienand, Klavier, und Ivan Turkalj, Violoncello) noch stärker zutraf als für sein Modern Vision Quartett vom Samstagabend.

Dass nämlich die musikalischen Ergebnisse ihr Alleinstellungsmerkmal verlieren und sich mit jenen Ergebnissen messen müssen, die von einigen vom Rest der Welt produziert werden, die sich in Richtung Klassik bewegen. Es gibt da wirklich gar nicht so wenige hervorragende Jazzmusiker... Deswegen war das New Piano Trio in seinem Konzert dann am besten, wenn sich die Musiker entweder entschieden auf klassische Formgesetze rückbesannen („Sergey‘s Zwinkern“) oder gleich ohne jegliche klassische Attitüde reinen Wohlklang produzieren wollten („Impressione #1 “, „Principles“).

Am Dienstagabend wurde sich auf das Werk von Mozart konzentriert

Für die Musikerinnen und Musiker des Dienstagabendkonzerts (Benjamin Schmid & Zen Hu, Violinen, Johannes Erkes, Viola, Enrico Bronzi, Violoncello und Dejan Lazic, Klavier) bestand diese Gefahr nicht, blieben sie mit ihrem dargebotenen Programm doch nicht nur in dem Bereich, wo sie zu Hause waren, nämlich der Klassik, sondern beschränkten sich sogar nur auf einen einzigen Komponisten. Dieser allerdings hatte mit seinem Werk einen musikalischen Kosmos ausgebreitet, der einzigartig ist. Der große Vorteil von Wolfgang Amadeus Mozarts Werk für alle Musikerinnen und Musiker dieser Welt ist, dass es die Daseinsberechtigung seiner Aufführung aufgrund seiner Einmaligkeit gleich mitliefert. Kein Musiker muss sich also jemals rechtfertigen, warum er ein Stück von Mozart aufführt, auch wenn man das schon noch so oft gehört hat.

Die beiden Klavierquartette, die bei diesem Konzert auf dem Programm standen, hatte man noch gar nicht so oft gehört und sie wurden zu einem echten Erlebnis. Alle Musikerinnen und Musiker des Abends zeigten sich als Meister ihres Fachs, und ihr Fach lautete: Aus den wunderbaren Kompositionen eines Genies wunderbare Musik entstehen zu lassen. Dabei erwies sich Dejan Lazic als Primus Inter Pares und setzte bei den beiden Klavierquartetten mit seinem feinen Klavierton dem Streicherklang noch ein Sahnehäubchen auf. Seine Bearbeitungen von zwei Mozart-Soloklavierstücken für Streichquartett bzw. Klavierquintett waren handwerklich gut gemacht und interessant anzuhören, sie brachten aber keinen Mehrwert zu Mozarts Originalen hinzu. Innerhalb des Classix-Festivals finden noch Konzerte am heutigen Samstag- und morgen, Sonntagabend statt, für die es noch Karten gibt.

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