Bebauung des "Seegader" rückt näher

Einwände abgewiesen

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Seit mehr als einem Jahr kämpfen die Anlieger gegen die weitere dichte Bebauung des grünen Hügels vor ihrer Haustüre. Fast die Hälfte der Grünfläche soll in Kürze zugunsten von 17 Bauplätzen wegfallen. Angesichts dessen wäre wohl manch einem sogar das ursprünglich vorgesehene Elffamilienhaus noch lieber.

Dietmannsried – Bei der jüngsten Sitzung des Dietmannsrieder Gemeinderats war jetzt viel gutes Sitzfleisch gefragt. Drei Stunden lang ging es um ein einziges Thema: Das immer noch umstrittene Baugebiet „Seegader-Mitte“, das die Anlieger in der jetzigen Form zu verhindern versuchen.

Die Liste der Anre- gungen und Bedenken umfasste 62 Seiten. Von zwei Mehrfamilienhäusern wurde nun Abstand genommen, ansonsten bleibt die Planung im Wesentlichen wie gehabt. Seit 2012 kämpfen die Bewohner des Wohngebietes „Im Seegader“ gegen die Pläne der Gemeinde, den derzeit noch parkähnlichen grünen Hügel im Norden Dietmannsrieds als Baugebiet auszuweisen. Nachdem die ursprünglichen Pläne, auf der Hügelkuppe ein Elffamilienhaus zu bauen, aufgrund der vehementen Gegenwehr aus der Bevölkerung fallengelassen wurden, sah die neue Planung die Ausweisung von 15 Bauplätzen für Einzel- und Doppelhäuser, sowie den Bau zweier Mehrfamilienhäuser mit jeweils sechs Parteien an der talwärts gelegenen Rudolfstraße vor (der Kreisbote berichtete). Die Grünfläche würde damit von derzeit ca. 2,8 Hektar um 40 Prozent auf 1,7 Hektar reduziert. Auch damit sind die Anwohner nicht glücklich. 

Bedenken geäußert 

Eine Online-Petition, die „eine lockerere Bebauung des Gebiets mit Erhalt des ‘Naherholungscharakters‘ und Ein- oder Doppelhäuser im Lückenschluss der Rudolfstraße mit einem angepassten Verkehrskonzept“ fordert, erhielt 151 Unterschriften. 21 Bürgerinnen und Bürger hatten zudem die Vorgezogene Bürgerbeteiligung genutzt und zahlreiche Anregungen und Bedenken vorgebracht, die nun der Gemeinderat zu behandeln hatte. Viele der Anliegen hatten dieselbe Stoßrichtung. So wurde immer wieder eine reduzierte Bebauung zugunsten eines Erhalts der Grünfläche und deren Erholungsfunktion gefordert und die Sorge vor vermehrter Verkehrsdichte geäußert. Als Argumente wurden ein Verstoß gegen das Entwicklungsgebot und mangelnde Erforderlichkeit ebenso angeführt, wie Erschließungsprobleme und Auswirkungen auf angrenzende Be- bauungspläne. 

Viele Bauwillige 

Bauamtsleiter Wolfgang Hebenstreit kann zwar grundsätzlich den Unmut der Anlieger, die gegen den Verbau der großen Grünfläche vor ihrer Haustüre sind, nachvollziehen, gibt aber zu bedenken, dass hier nach dem Floriansprinzip vorgegangen werde. „Jeder der Anlieger war vor Jahren selbst froh über die Möglichkeit, ein Eigenheim zu bauen und hat dafür Grünflächen zerstört. Meiner ganz persönlichen Meinung nach sollte jeder so viel sein, genau diese Möglichkeit auch anderen zuzubilligen.“ Der Gemeinde lägen derzeit 70 Bewerbungen bauwilliger Bürger vor, denen man schließlich Rechnung tragen müsse. Insofern greife auch das Argument der fragwürdigen Erforderlichkeit der Planung nicht. Die Chancen der Anlieger, das Bauvorhaben noch zu verhindern, stehen also schlecht. Die meisten der Einwände wurden vom Gemeinderat per Beschluss abgewiesen, da sie keine rechtlich relevanten Argumente beinhalteten. Einen Teilerfolg gab es trotzdem: Die beiden geplanten Sechsfamilienhäuser an der Rudolfstraße sind vom Tisch. An ihrer Stelle sollen auch hier zwei Bauplätze für Einzel- und Doppelhäuser ausgewiesen werden. 

Der überarbeitete Plan wird in der nächsten Gemeinderatssitzung im November erneut vorgelegt, in der dann voraus- sichtlich der Billigungs- und Auslegungsbeschluss erfolgen wird. Die darauf folgende zweite Auslegung wird bis Dezember laufen. Sollten keine gravierenden Einwände kommen, kann im Januar der Satzungsbeschluss erfolgen. Die Erschließungsarbeiten würden dann im Frühjahr beginnen.

Sabine Stodal

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