Miteinander wohnen 

Zwei Weitnauer bauen Mehrgenerationenhaus 

Hubert Frommknecht (li.) und sein Sohn Tristan (re.) möchten mit dem Bau eines Mehrgenerationenhauses ihr Heimatdorf Weitnau zu einem attraktiven Wohn-und Lebensumfeld für die Bürgerinnen und Bürger machen.
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Hubert Frommknecht (li.) und sein Sohn Tristan (re.) möchten mit dem Bau eines Mehrgenerationenhauses ihr Heimatdorf Weitnau zu einem attraktiven Wohn- und Lebensumfeld für die Bürgerinnen und Bürger machen.

Weitnau – Mehrgenerationenhäuser helfen, Einsamkeit zu überwinden und zu vermeiden. Diese Häuser sind Orte der Begegnung von Jung und Alt, sie fördern das nachbarschaftliche Miteinander und tragen zur Attraktivität der Gemeinde bei. In der Dorfmitte der Gemeinde Weitnau entsteht gerade ein solches Mehrgenerationenhaus. Die Bauherren Hubert Frommknecht und sein Sohn Tristan sind in Weitnau aufgewachsen. „Für uns ist wichtig, unsere Heimat aktiv mitzugestalten“, erklären sie ihre Beweggründe für den Bau des Gebäudes. 

Auf dem vorgesehenen Grund- stück im Ortszentrum befand sich der elterliche, sanierungsbedürftige Hof, der nicht mehr zu erhalten war, erzählt Hubert Frommknecht. Sein Vater sei 2018 gestorben. Gemeinsam mit seinem Sohn Tristan habe er überlegt, was mit dem Hof und dem Grundstück passieren soll. Der Grund sollte nicht einfach verkauft oder mit einem Einfamilienhaus bebaut werden. „Der Platz mitten im Dorf sollte etwas Sinnvollem zugeführt werden“, erklärt der Bauherr. Die Frommknechts wollten etwas für ältere Menschen schaffen. Ihr erster Gedanke sei eine Art „Betreutes Wohnen“ gewesen. Doch aufgrund des Personalmangels in den pflegenden Berufen haben sie diese Idee verworfen. Weitere Überlegungen sind in Richtung Wohnhaus gegangen, in dem ein harmonisches Miteinander und gegenseitige Hilfestellung im Vordergrund stehen würden. Ein Mehrgenerationenhaus vereine diese Vorstellungen, erklärt Frommknecht Senior. Ein generationsübergreifender Wohnraum für das freiwillige Zusammenleben von verschieden alten Personen, die füreinander da sind, voneinander lernen und mit viel ehrenamtlichem Engagement „ihr“ Mehrgenerationenhaus gestalten.

Mehrgenerationenhaus: An alles gedacht

Das geplante Mehrgenerationenhaus wird acht Wohneinheiten mit 45 bis 150 Quadratmetern Wohnfläche haben. Fünf Wohnungen werden seniorengerecht gebaut und drei Wohnungen stehen Familien zur Verfügung, erklärt Hubert Frommknecht. Daneben sei ein großer Wintergarten als offener Treffpunkt für die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses vorgesehen, um Treffen und den Austausch zu fördern. Im Erdgeschoss soll es eine Gastronomiefläche geben. Die Bauherren könnten sich vorstellen, dass der zukünftige Gastronom beispielsweise einen Mittagstisch für die Hausbewohner und auch für die Bürgerschaft anbietet. Zudem könne eine Hausaufgabenbetreuung für die Kinder in den Räumlichkeiten entstehen, die von den Senioren übernommen wird. Die beiden Frommknechts sind offen für weitere Anregungen und Ideen, betonen sie.

Für sie sei ein harmonisches Miteinander wichtig, das zu einer langfristigen Zusammenarbeit führt. Ein Friseurladen und eine Bäckerei oder ein Dorfladen sollen das Angebot im Erdgeschoss ergänzen, erklärt Hubert Frommknecht.

Die beiden Weitnauer Bauherren legen besonderen Wert auf Regionalität, Nachhaltigkeit und Naturbelassenheit. Dies spiegelt sich auch in den verwendeten Materialien wider. Die Mauern bekommen einen Lehmputz, natürliche Dämmstoffe werden verwendet und das Gebäude bekomme eine Holzfassade aus Lärchenholz aus dem Weitnauer Tal, erklärt Frommknecht Senior. Es entstehe ein, dem Nullenergiehaus ähnelndes Gebäude in „Passivhaus-Plus“-Bauweise. Die benötigte Energie für Heizung und Warmwasser wird im oder am Haus selbst gewonnen, wie etwa durch eine Photovoltaikanlage und Wärmepumpe, erklärt der Bauherr.

Das Mehrgenerationenhaus soll bis Ende 2021 bezugsfertig sein, so die Planung. Vater und Sohn packen selbst mit an. „Jeden Tag ab 7 Uhr sind wir auf der Baustelle“, sagt Tristan Frommknecht. Mit diesem Projekt, das laut Kostenschätzung der Architekten bei etwa 2,3 Millionen Euro liege, möchten die beiden Frommknechts ihr Heimatdorf zu einem attraktiven Wohn- und Lebensumfeld für die Bevölkerung machen. „Und die kleinen Läden im Dorf unterstützen“, betont Tristan Frommknecht.

Christine Reder

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